Widerstand zwecklos

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Hans-Jürgen Bäumler, Michaela Schaffrath und Mogens von Gadow liefern sich in der „Komödie“ ein unterhaltsames Slapstick-Duell.

Frankfurt - Wenn sich eine hübsche blonde Frau zufällig in einen eingefleischten, mit Pizza-Kartons zugerümpelten Männerhaushalt verirrt, kann sie im Normalfall damit rechnen, dass dessen Bewohner umgehend zu balzenden Gockeln werden. Von Maren Cornils

Nicht so in „Zärtliche Machos“, dem neuen Stück in der Frankfurter „Komödie“. Dort nämlich wird Cecilia, gespielt von der in der Region nicht ganz unbekannten Michaela Schaffrath, von Harald, Karl und Philipp alles andere als charmant empfangen.

Kein Wunder, hat sich das aus Großvater, Vater und Sohn bestehende Trio doch geschworen, niemals eine Frau über die Schwelle zu lassen. Dass Cecilia ausgerechnet mit einem aus Hamster, Hausschwein und Schlange bestehenden Minizoo im Schlepptau um Asyl bittet, macht es für die Herren der Schöpfung nicht unbedingt schwerer, ihr zunächst die Tür zu weisen.

René Heinersdorff, der das beschwingte Boulevardstück sowohl geschrieben als auch inszeniert hat, serviert den Zuschauern eine nicht zuletzt mit dem früheren Eislauf-Star Hans-Jürgen Bäumler hochkarätig besetzte Komödie, die ausnahmsweise nicht von Verwechslungen, sondern vom Dialog und dem Spiel mit Klischees lebt.

Alle verfallen Cecila

Mogens von Gadow gibt in seinem Frankfurt-Debüt den knorrigen Brummbär, der seine Zeit am liebsten mit Skat spielen verbringt, seinen Sohn in Liebesdingen für einen echten Versager hält und die Testosteron lastige Idylle mit Händen und Klauen gegen die Damenwelt verteidigt. Harald (Hans-Jürgen Bäumler) als Vertreter der mittleren Generation hingegen ist nicht nur ein perfekter Koch, er ist auch der erste, der Cecilia verfällt und sie unverhohlen hofiert. Was bei Sohnemann Philipp (Werner Michael Dammann) wenig Verständnis findet. Helfen tut ihm das am Ende wenig, auch wenn Karl und Philipp sich nach anfänglichem Einsatz als Liebesanbahner schnell eines Besseren besinnen und Harald zwar nicht die Suppe versalzen, wohl aber die Ravioli derart verhunzen, dass seine Angebetete erst einmal das Feld räumt.

Unterhaltsamer Slapstick-Humor

Wer Michaela Schaffrath noch unter anderem Namen und aus einem früheren Lebensabschnitt kennt, staunt über das solide Schauspieltalent der Wahl-Frankfurterin. Hans-Jürgen Bäumler brilliert als charmanter Graukopf mit romantischer Ader und gibt so ein hervorragendes Pendant zum kauzigen Mogens von Gadow ab. Der 82-jährige Oldster brilliert als schwarzhumoriger Macho der alten Schule, sorgt mit Louis-de-Funés-ähnlichen Hüpfern und Danny-de-Vito-mäßiger Bosheit für Lacher und kann sich letztlich doch dem Charme des anderen Geschlechts nicht entziehen. Bis die Herren ihren Widerstand aufgeben, entspinnt sich jedoch ein unterhaltsamer, an Slapstick-Humor reicher Abend, in dessen Verlauf die Zuschauer eines lernen: Gegen die Liebe sind auch selbst ernannte Machos machtlos.

Noch bis zum 2. Mai in der „Komödie“ Frankfurt.

Quelle: op-online.de

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