Zickenkrieg im Unterhemd

Sind schwule Ehen harmonischer? Glaubt man Lo Malinke und Tetta Müller, dann lautet die Antwort ganz klar „Nein“. Denn was die beiden Kleinkünstler von „Malediva“ ihrem Publikum in ihrem mittlerweile sechsten Programm „Ein Abend für Herzensbrecher“ im Neuen Theater Höchst  vorführen, unterscheidet sich wenig von dem, was in heterosexuellen Beziehungen abgeht.

Da wird gestichelt, provoziert, auf Schwächen des anderen herumgehackt, über die unerträgliche Schwiegermutter gelästert – alles im Namen der Liebe. Nicht weiter ungewöhnlich an sich, wäre da nicht die Tatsache, dass das Paar gerade einmal 22 Stunden unter der Haube ist. Ein Zeitraum also, in dem gewöhnlich noch eitel Sonnenschein herrschen sollte. Nicht so bei „Malediva“ – dem plüschigen Bühnenbild zum Trotz.

Was macht man mit den Geschenkgutscheinen der Parfümerie? Warum ist der andere überhaupt zur gemeinsamen Hochzeit erschienen, und wie bringt man am besten 24 quälend lange Stunden im Haus der Schwiegereltern über die Bühne? Fragen, denen sich Müller und Malinke im heimischen Schlafzimmer mal singend, mal streitend, mal friedlich plaudernd widmen. Das Ergebnis ist eine unterhaltsame und stimmstarke Mischung aus Kleinkunst und Chanson, die mit musikalischen Juwelen –  am Piano begleitet von Florian Ludewig – wie dem fetzigen „Wir sind die Braut“ oder dem melancholischen „Traurig kommt über Nacht“ garniert ist.

Ob es um den Gebrauch von Nasenhaartrimmern, um Unterhemden, oder schlimme Angewohnheiten geht – Malinke und Müller lassen das Publikum mit voyeuristischem Vergnügen an ihrem Rosenkrieg teilhaben und gewähren einen Blick auf die breite Emotionspalette einer Zweierbeziehung. Und die ist im Fall der beiden turtelnden Streithähne schier unermesslich, denn das ungleiche Paar gebärdet sich mal verliebt, dann rasend eifersüchtig und zwischendurch so herrlich zickig, dass dem weiblichen Teil des Publikums vor Neid der Mund offen stehen bleibt.

(Maren Cornils)

Quelle: op-online.de

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