„Flic Flac“ gastiert in Frankfurt

Motoren, Strapse und Rock’n’Roll

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Spring: Das muss man den Akrobaten von „Flic Flac“ nicht zweimal sagen.

Frankfurt - Ein junger Mann mit verwegenen, langen Haaren gestikuliert wild am Rande einer gigantischen 15 Meter hohen Rampe. Er spornt sich und das Publikum an. Wenige Sekunden später stürzt er sich entschlossen auf seinen Inlineskates in die Tiefe. Von Christina Lenz

Aus den Lautsprechern ertönt das Lied „Spring!“ von Rammstein. Einen Bruchteil später fliegt der junge Mann vom anderen Ende der Halfpipe spektakulär hoch durch die Luft, und landet – kaum zu glauben – irgendwann wieder auf den Rollen unter seinen Füßen.

Wie er, werden an diesem Abend noch weitere Extremsportler auf Motor- und BMX-Rädern im Freestyle durch das große „Flic Flac“-Zirkuszelt fliegen. Sogar Salti und Handstände zeigen die Waghalsigen auf ihren Maschinen in der Luft. Nicht umsonst heißt die Show „Exxtrem“. Das Zelt wandelt sich in eine Extremsport-Arena: da springen junge Männer von einem Schleuderbrett meterhoch in ein überdimensionales Netz, da überschlagen sich andere mit mehrfachen Flic Flacs auf dem Boden. Die waghalsigste Nummer findet in der legendären Eisenkugel „Globe of Speed“ statt. Gleich acht Motorräder rasen kreuz und quer und kopfüber durch die sogenannte „Todeskugel“. Doch nicht nur die Schwerkraft setzt während dieses Abends aus. Auch andere Anstandsregeln werden ungeniert verworfen. „Sie ist ein Model und sie sieht gut aus“ schallt aus den Lautsprechern, als mehrere junge Damen in sexy Outfits akrobatische Übungen auf einem Bagger vollführen, der langsam durch die Manege fährt. Zwei andere Artisten jonglieren auf den beweglichen Ladeflächen zweier Gabelstapler in rasender Geschwindigkeit mit ihren Keulen, während sie sich ihrer Kleidung entledigen. Eine junge Truppe zeigt Trampolinartistik rund um ein rot erleuchtetes Haus, das starke Assoziationen an das Frankfurter Bahnhofsviertel weckt.

Tiere sind an diesem Abend weit und breit nicht in Sicht. Stattdessen führt der US-Comedian Peter Shub eine Hundeleine ohne Hund durch die Manege. Später witzelt er noch: „Mein Lieblingstier ist Steak“. Es ist provokant, was der Zuschauer hier zu sehen kriegt: Viel nackte Haut, gepaart mit todesmutigem Extremsport, düsterer Akrobatik und keckem Witz. Pädagogen und Moralisten schütteln vielleicht den Kopf, bei vielen Zuschauern steigt aber mit dem Unterhaltungseffekt auch der Adrenalinpegel. Mensch und Maschine entfalten in Zusammenarbeit eine Artistik voll von Anarchie und Rockattitüde. Schwaden von Abgasen zirkulieren am Ende durch das Zirkuszelt. Das Programm ist verrucht und provokant.

Der Zirkus „Flic Flac“ ist mit der Show „Exxtrem“ täglich bis zum 14. Juli am Güterplatz/Ecke Mainzer Landstraße in Frankfurt zu sehen. Infos im Internet.

Zwischen den waghalsigen Nummern blitzen auch kurze Momente der Reflexion auf. Ein düsterer Zirkusdirektor führt 20 junge Männer im schwarzen Anzug durch die Manege, die wie ferngesteuert seinen Anweisungen folgen. Dressierte Menschen statt dressierter Tiere? „Der Mensch will immer höher hinaus“, schallt es aus den Boxen, als ein junger Artist von einem Bagger zum Trapez hochgefahren wird: „Und gleichzeitig wächst die Angst“. Diese Zeilen könnten fast das Motto dieser Show sein und sagen vielleicht auch etwas über den Kampf um Superlativen aus, der nicht nur im Zirkus Einzug erhält.

Quelle: op-online.de

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