„Fröhlicher Weinberg“ im Volkstheater

Zoff mit hoher Zoten-Quote

Wo sich zwei Paare (Myriam Tancredi und Armin Dillenberger, Sina-Valeska Jung und Giovanni Romano, von links) finden, droht einer (Gabriel Spagna) leer auszugehen.

Jean Baptiste Gunderloch weiß, wo’s schön ist! Auf den Fidschi-Inseln, auf den Bahamas oder am Bieberer Berg will der Weinbauer sein Alter genießen. Doch zuvor gilt es zwei, drei Probleme zu lösen: Das Gut braucht einen Käufer, die Tochter einen Mann, und der lebenslustige Witwer möchte den Ruhestand nicht gern allein verbringen.

Dem Mann kann geholfen werden in Carl Zuckmayers unverwüstlichem Lustspiel „Der fröhliche Weinberg“, mit dem das Frankfurter Volkstheater die Freilichtsaison bestreitet.

Bei seiner Uraufführung in Berlin war das Stück 1925 ein Riesenerfolg und -skandal. Rasch machte der Titel von Robert Neumanns Parodie, „Der fröhliche Schweinberg“, die Runde. Den scheint auch der neue künstlerische Leiter Heinz Werner Kraehkamp zu mögen, dessen Inszenierung derb und deftig ausfällt. Was poetisch oder politisch ist, hat er dem Text weitgehend ausgetrieben, dafür ein paar Sauflieder eingefügt. Die Zoten-Quote ist hoch, die szenischen Einfälle schließen heftige Wirtshausprügeleien ebenso ein wie wiederholtes Wasserlassen in der Gruppe. Das Ergebnis entspricht kaum dem Ideal eines literarischen Volkstheaters, das Gründerin Liesel Christ und der langjährige Hausregisseur Wolfgang Kaus zu ihrer Zeit verwirklicht haben. Doch dem Premierenpublikum im Hof des Dominikanerklosters gefällt’s.

Mit eindreiviertel Stunden inklusive Pause hat dieser Abend die Dauer eines Fußballspiels. Auf Rainer Schönes gewohnt liebevoll gezimmerter Bühne wird rechts gearbeitet und links gefeiert, derweil im Hintergrund der Scheinwerfermond auf das gemalte Flusstal herabsinkt. So darf man sich Zuckmayers rheinhessischen Geburtsort Nackenheim vorstellen – und die Bewohner so, wie sie das vielköpfige, prächtig aufgelegte Ensemble in ländlich-sittlichen Kostümen von Bärbel Christ-Heß und Claudia Rohde verkörpert.

Dreh- und Angelpunkt ist Armin Dillenberger, der Gunderloch mit Bodenständigkeit und Charme ausstattet. Dass Myriam Tancredi als reizende Annemarie ihm schöne Augen macht, hätte er früher merken können. Als ihr Bruder Jochen gibt Giovanni Romano den temperamentvollen Binnenschiffer auf Freiersfüßen. Dem Objekt seiner Begierde, Winzermädchen Klärchen, verleiht TV-Jungstar Sina-Valeska Jung („Verbotene Liebe“) bezaubernde Natürlichkeit. Mitleid erntet Gabriel Spagna als ihr herrlich steifer Verlobter Knuzius, der sich mit Julia Schneider als nettes Babettchen trösten darf. Für Thomas Koob als linkischer Händler Hahnesand bleibt Greta Carl als schüchternes Fräulein Stenz. Als deren Vater mischt Michael Schatkowski kölsche Klänge ins hessische Gebabbel. Zahlreiche Lacher heimsen Horst Krebs und Jochen Döring als trinkfreudige Veteranen ein.

Viel fidele Verwirrung mit finaler Vierfachverlobung also. Wie sagt es Gunderloch? „Am Schluss müsse sich all kriege, sonst is des Stück ned gud!“ MARKUS TERHARN

Im Programm bis 8. August

Quelle: op-online.de

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