Zuhause im steten Wandel

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Martin Honert, „Foto, 1993“

Frankfurt - Wo fängt ein Zuhause an? Wo hört es auf? Antworten liefert die Ausstellung „Zuhause“ im Museum für Moderne Kunst (MMK), ein Pilotprojekt namens „Show Up! 2011“, das zum zweiten Mal im Frankfurter Tempel für Gegenwartskunst Schule macht. Von Sibylle M. Derr

Damit der Knabe in Martin Honerts „Foto, 1993“ nicht allein ist, haben ihm Ludwig-Börne-Schüler die von Johannes Hüppi in Öl gemalte Frau („Ohne Titel“) beigesellt, „die ihm das Essen bringt“, erläutert Kübra Yurdakul. Sie gehört zu den Jugendlichen, die seit August mitwirkten.

Jugendliche beim Workshop im MMK

„Wir haben die Schüler eingeladen, als Kuratoren zu arbeiten“, erläutert Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin des MMK. „Die Hauptschulen gehören zu der Gruppe, die das Museum schwer erreicht“, erklärt Projektleiterin Katharina Mantel die Auswahl der Schüler aus der „SchuB-Klasse“, die Schule und Betriebspraktikum verbindet. „Der erste Tag war ein ganz komisches Gefühl“, erzählt Alessandro Calvente. „Wir wussten gar nicht, was auf uns zukommt, haben uns erst die Sammlung angesehen, dann angefangen, Modelle zu bauen, um unseren Raum mit den Bildern aus dem Depot zu gestalten.“

Familie, Gemeinschaft, Essen, Hygiene, Schlafplatz, Dekoration

Jule Hillgärtner, die das Projekt mit Katharina Mantel und Lehrer Torsten Stüben auf den Weg gebracht hat, gefiel, wie unvoreingenommen die jungen Menschen an den Ort Museum herantraten. Die Kunstvermittlerinnen motivierten sie, über Zuhause, Obdachlosigkeit und Kindheitserinnerungen nachzudenken. Zuhause sei auch der Ort, „wo der Glaube ausgelebt wird“, deutet Hillgärtner die Anwesenheit von David Hammons „The Holy Bible“, die stellvertretend für eine Glaubensform in einer Vitrine liegt.

Als roter Faden ziehen sich Themen wie Familie, Gemeinschaft, Essen, Hygiene, Schlafplatz, Dekoration durch die Schau. So beginnen auf dem Kopf stehende Porträts der Großeltern von Hans-Peter Feldmann den Reigen. Es folgen Gouache, Aquarell und Fotografie mit Mutter und Kind von Heiner Blum, Abisag Tüllmann und Michael Kalmbach. Assoziationen ans Reinigen wecken Objekte wie „Handfeger“ von Andreas Slominski oder seine übereinander geschichteten Wischtücher. Positiv bewertet Hillgärtner, wie Schüler aus alt neu machten, indem sie Cornelia Schmidt-Bleeks „Ohne Staubmeldende Eigenschaften“ mit Vasen aus Keramik, Glas und Porzellan von Anna & Bernhard Blume kombinierten.

In knapp vier Monaten haben 16 Jugendliche von 15 bis 17 Jahren eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die sich sehen lassen kann: Zuhause als Beziehungsgeflecht zwischen Mutter, Vater und Kind (Hans-Peter Feldmann, „Kinderzimmer“), als Ort für eine Mahlzeit oder kurzfristig konstruierter Schlafplatz (Florian Slotawas Hotelzimmer-Zyklus), ständig im Wandel.

„Zuhause“ im Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Domstraße 10, bis 25. März 2012. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18, Mittwoch 10 bis 20 Uhr

Quelle: op-online.de

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