Die Zukunft hat längst begonnen

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Solo für zwei: Kornelius Heidebrecht und Thomas Schmidt

Der Astronaut Tichy, Teilnehmer eines futurologischen Kongresses im hundertsten Stockwerk des Hilton-Hotels der Bananenrepublik Costricana, beobachtet eine unvermutete Woge von allumfassender Güte und Friedfertigkeit an sich. Von Stefan Michalzik

Quell ist die Beimengung eines psychotropen Präparats im Leitungswasser, von dem Tichy als einziger Kongressteilnehmer getrunken hat. Die Regierung hat diese Maßnahme veranlasst, um einem drohenden Aufstand vorzubeugen.

In den Kammerspielen des Frankfurter Schauspiels ist eine Dramatisierung von Stanislaw Lems 1971 veröffentlichtem Roman „Der futurologische Kongress“ zu sehen; es handelt sich um eine der Übernahmen, die Intendant Oliver Reese für die Zeit des Aufbaus eines neuen Repertoires vom Deutschen Theater in Berlin mitgebracht hat.

Thomas Schmidt, angetan mit lässigen Trainingsklamotten, erzählt die Geschichte, die sich am Rande des Kongresses abspielt, als Monolog im ironischen Gesprächsgestus. Mit nichts als zwei Holzwänden hat Regisseur Martin Kloepfer einen mit einfachen Handgriffen variierbaren Raum geschaffen. Zur Seite gegeben ist dem monologisierenden Thomas Schmidt der androgyn anmutende junge Pianist, Falsettsänger und Laptopbediener Kornelius Heidebrecht.

Der Aufstand, der um das Hilton tobt, wird schließlich doch mit konventionellen Mitteln des Militärs niedergeschlagen. Schwer verletzt werden Tichy und ein befreundeter Wissenschaftler eingefroren. Siebzig Jahre später wachen sie in einer Welt der allseitigen Wunscherfüllung mittels Pillen wieder auf. Ungeachtet der Bevölkerungsexplosion ist ein Zustand des Friedens in Wohlstand erreicht. Irrationale Wesenszüge sind eliminiert – wie es heute Psychotherapie und Ratgeber verheißen.

Nächste Aufführungen am 20. und 27. November.

Mit diesem Stoff ist es ein Leichtes nicht. Nicht umsonst handelt es sich um einen Lesetext. Einen Text, der an die Fantasie appelliert. Von dieser Warte her betrachtet, ist Martin Kloepfers Entscheidung für ein sich in der szenischen Illustration zurückhaltend erzähltes Theater goldrichtig. Freilich gelangt Kloepfer über das Format einer theaterhandwerklich solide gezimmerten Arbeit für die Bespielung des Foyers nicht hinaus.

Der Schauspieler befindet sich im vollen – aktionistischen – Einsatz. Wie es Schauspieler gern so tun. Der Pianist kocht sich zwischendurch einen Tee. Gute Idee: Irgendwie muss die Zeit, anderthalb Stunden, ja vergehen. Sie vergeht unter all der Betriebsamkeit und dem schnellen Sprechtempo quälend langsam. Irgendwann wird mit Playmobilfiguren weiter gespielt. Vom Text lenken die fleißigen Theaterhandwerker, ohne es zu wollen, eher ab.

Quelle: op-online.de

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