Die Zunge als Waffe

Müde Krieger und skeptische Gastgeber (von links): Don Pedro (Moritz Nikolaus Koch) und Claudio (Dennis Habermehl) ruhen – Beatrice (Katharina Wilberg) und Leonato (Dieter Wahlbuhl) schauen zu.

Offenbach - Die Frage wird man wohl mal stellen dürfen: „Will denn niemand mehr als echter Junggeselle sterben?“, brüllt Benedikt ins Publikum. Auch diese Haltung ist vertretbar: „Da bleib’ ich lieber lebenslang Jungfrau!“, wirft Beatrice trocken in den Saal. Von Markus Terharn

Wie aus den eingefleischten Eheverweigerern nach Irrungen und Wirrungen am Ende doch ein Paar wird, das zeigt das Theater für Niedersachsen im Offenbacher Capitol. William Shakespeares Komödie „Viel Lärm um nichts“ bereitete Besuchern einen vergnüglichen Abend, der Reihe „Theateressenz“ einen gelungenen Saisonabschluss.

Bald ist klar, dass diese beiden so gut zueinander passen wie die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen. Verbal führen sie indes einen Krieg, der kaum minder heiß ist als der, aus dem Benedikt mit seinen Kameraden Claudio und Don Pedro zu Beginn heimkehrt. Was in den meisten Inszenierungen Behauptung bleibt, nutzt die Regisseurin Barbara Neureiter als Ausgangspunkt: Sie lässt die rüde Soldateska rüpeln und zoten, was das Zeug hält. Die barocke Einheitsbühne nimmt Schaden, der nie behoben wird.

Doch zwischenmenschlich kommt alles ins Lot. Dabei hat der Dichter zwei Intrigen als gegenläufiges Konzert angelegt: Die Bösewichte, Don Pedros Halbbruder Don John und sein Gefährte Borachio, wollen die Hochzeit des rasch entflammten Claudio mit der holden Hero hintertreiben. Und die Guten, das sind alle anderen, möchten Benedikt und Beatrice verkuppeln.

Hübsche Lösungen gefunden

Für ihre Einflüsterungen haben die Hildesheimer hübsche Lösungen gefunden. Da wird hinter Pflanzenkübeln und unter Vogelgezwitscher jedem der beiden suggeriert, der andere sei von ihm besessen, er verrate es bloß nicht. Stimmige szenische Einfälle sind auch der neckische Maskenball in Ganzkörper-Federkleidern (Kostüme, Kulisse: Dorit Lievenbrück) und Benedikts Schein-Selbstfolter.

In dieser Partie läuft Christoph Götz zu Hochform auf. Wild grimassierend und gestikulierend, mit flinker Zunge den Wortwitz der – sehr heutig übersetzten – Vorlage auskostend, spielt er sich in alle Herzen. Da lässt sich Katharina Wilberg nicht bitten, gibt mimisch, gestisch und mit Mundwerk Kontra.

Beim zweiten Paar besticht Dennis Habermehl mit temperamentvollem Eifersuchtsauftritt. Joëlle Rose Benhamou wirkt hingegen leider recht blass und von der Dramaturgie (Cornelia Pook) ein wenig stiefmütterlich behandelt. Als Brautvater und -onkel balanciert Dieter Wahlbuhl stets gekonnt auf dem so schmalen Grat zwischen Würde und Lächerlichkeit. Schön schurkisch agieren Rüdiger Hellmann und Gotthard Hauschild, kumpelhaft ist Moritz Nikolaus Koch.

Quelle: op-online.de

Kommentare