Zwei Ehefrauen unter einem Dach

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Geisterstunde: Charles (Christopher Krieg) wird von seiner verstorbenen Elvira (Susanne Steidle) heimgesucht.

Die Geister, die man rief, wird man oft nur schwer oder gar nicht wieder los. Das erlebt Schriftsteller Charles Condomine. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Charles, verwitwet und zum zweiten Mal verheiratet, sucht Stoff für einen neuen Roman aus dem spiritistischen Milieu. Von Astrid Biesemer

Zu diesem Zweck hat er das Medium Madame Arcati zu einer Séance eingeladen. Natürlich glaubt Charles (Christopher Krieg) nicht an den Hokuspokus. Seine zweite Frau Ruth ebenfalls nicht. Und auch das zur Séance gebetene befreundete Pärchen nicht. So grinst man ein wenig, als Madame Arcati (schön kauzig, aber nie übertrieben: Hilde Vadura) über ektoplastische Manifestationen schwadroniert.

Doch aus dem kleinen Spaß wird bald ein Spuk, und die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits wanken bedrohlich, denn: Charles’ erste Frau Elvira taucht als Geist auf. Allerdings sieht nur Charles Elvira. Er muss also nicht nur sich selbst davon überzeugen, dass er nicht spinnt, sondern auch seine zweite Ehefrau Ruth. Doch selbst als ihm das gelingt, herrscht kein Frieden: Denn welche zweite Ehefrau möchte schon mit dem Geist der ersten Ehefrau unter einem Dach wohnen? Zumal die aus dem Jenseits gekommene Elvira gar nicht möchte, dass Charles und Ruth im Diesseits glücklich miteinander leben...

Gut aufgelegtes Ensemble

Noël Cowards 1941 geschriebene Komödie „Ein Geist kommt selten allein“ wurde übrigens 1945 mit der wunderbaren Margaret Rutherford verfilmt. In der straffen und pointierten Regie von Heinz Kreidl und mit einem gut aufgelegten Ensemble merkt man dem Stück die Jahre überhaupt nicht an. Im Gegenteil: Trotz einiger grotesker Wendungen kommt die Inszenierung leicht daher wie ein heiter-ironischer Kommentar auf den Esoterik-Boom. Madame Arcati wurde hierfür von Ulla Röhrs (Kostüme) sehr dezent als moderne Hexe ausstaffiert.

Das Stück ist noch bis bis 17. Januar 2010 zu sehen.

Besonders überzeugend agieren in dieser merkwürdigen Ménage à trois die beiden Ehefrauen: Susanne Steidle gibt die etwas schnippisch-gehässige und Unfrieden stiftende Elvira, die als grünlich eingefärbter Geist sogar die Wände des gediegenen gutbürgerlichen Salons (Bühne: Thomas Pfau) durchschreiten kann. Und Verena Wengler ist die bisweilen bemüht vernünftige zweite Ehefrau Ruth, die allerdings unter dem Druck der Ereignisse zunehmend Contenance verliert.

Ob hier Diesseits oder Jenseits die Oberhand gewinnt, wird natürlich nicht verraten. Nur soviel: Tatsächlich wird aus dem Titel „Ein Geist kommt selten allein“ ein groteskes, aberwitziges und komisches Versprechen.

Quelle: op-online.de

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