„Saturday Night Fever“ im English Theatre

Die Zweifel des Tänzers

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Tony Manero (Chris Cowley, Mitte) vergisst beim Tanzen die Zweifel, die ihn plagen.

Frankfurt - Der Film „Nur Samstag Nacht“ versetzte einst die halbe Welt ins Disco-Fieber. Nun ist Tony Manero wieder da - im Musical „Saturday Night Fever“, das bis Februar im English Theatre Frankfurt aufgeführt wird. Von Christian Riethmüller

Das Bild eines jungen, in einen weißen Dreiteiler gekleideten Mannes, der mit dem Zeigefinger am ausgestreckten rechten Arm nach oben zeigt, während die linke zur Faust geballte Hand zum Boden weist, ist zur Ikone geworden: Wer John Travolta in dieser Pose sieht, dürfte unweigerlich an Diskotheken und Bee Gees-Hits wie „Night Fever“ oder „Stayin' Alive“ denken. Der Film „Nur Samstag Nacht“, aus dem dieses Bild stammt, ist zwar schon 35 Jahre alt, doch er wirkt als berühmtestes Relikt der Disco-Ära der Siebziger Jahre bis heute nach.

Darum weiß auch Regisseur Ryan McBryde, der für seine Bühnenadaption des Stoffs einen geschickten Ausweg gewählt hat, um dem direkten Vergleich mit dem kollektiven Gedächtnis zu entgehen. Für seine sehenswerte Inszenierung von „Saturday Night Fever“, die nun am English Theatre Frankfurt zu sehen ist, hat er das Skript für den Film von 1977 sowie das Drehbuch für die Musical-Version aus dem Jahr 1998 genommen und daraus ein neues Textbuch erarbeitet.

Tony Manero (Chris Cowley) ist da zwar immer noch der 19-jährige Italo-Amerikaner, der sich jede Samstagnacht vom kleinen Verkäufer in einem Farbengeschäft in Brooklyn in den König der Tanzfläche in der Diskothek „2001 Odyssey“ verwandelt. Doch Tony ist nicht mehr der coolste Hund und die flotteste Sohle diesseits des East River. Vielmehr hadert er mit seinem Dasein und stellt sich Fragen nach der Zukunft, „nach etwas, das mir den gleichen Kick wie das Tanzen gibt“. Tonys innere Zerrissenheit spiegelt gleichzeitig die Zerrissenheit seiner Zeit, als der amerikanische Traum das erste Mal ausgeträumt schien. Und weil dieser Traum heute endgültig ausgeträumt ist, hat McBrydes „Saturday Night Fever“ ungeahnte Aktualität.

Der Regisseur hat aber nicht nur die Hintergrundgeschichte Tony Maneros prominent in den Vordergrund gerückt, sondern für seine Inszenierung auch umfassend an Musik und Choreographie arbeiten lassen. Der musikalische Leiter Paul Herbert arrangierte die Musik der Bee Gees neu und Choreograph Darragh O'Leary peppte die rasanten Tanzszenen mit vielen modernen Elementen auf. Das Ensemble zeigt nun etwa Hiphop-Moves, von denen der Travolta-Tony und dessen Clique niemals gedacht hätten, dass so etwas möglich ist.

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Gewöhnungsbedürftigste Änderung für erfahrene Musical-Gänger dürfte allerdings der geballte Einsatz sogenannter Schauspieler-Musiker sein. Fast alle Mitglieder des vorzüglichen 17-köpfigen Ensembles schauspielern, singen und tanzen nicht nur, sondern spielen auch ein Instrument. In unterschiedlichsten Konstellationen finden sie sich zu spontanen Bands zusammen, um all die Welthits wie „Stayin' Alive“, „Night Fever“; „You Shoiuld be Dancing“ oder „How Deep Is Your Love“ zu intonieren. Das funktioniert manchmal großartig wie bei einer Akustikversion von „Jive Talkin'“, lässt bei den berühmten Tanznummern aber auch gelegentlich den nötigen Groove vermissen, um wirklich von den Stühlen gerissen zu werden.

„Saturday Night Fever“ ist bis 16. Februar im English Theatre zu sehen. Aufführungen jeweils dienstags bis samstags um 19.30 Uhr, sonntags um 18 Uhr.

Quelle: op-online.de

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