Caricatura Museum

Zwerge, Bier und Hitler

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Kurt Halbritter

Frankfurt - Er gilt als Vorbild der Zeichner der Neuen Frankfurter Schule. Zu Lebzeiten war er weithin bekannt als Karikaturist und Werbegrafiker. Doch nach seinem frühen Tod ist Kurt Halbritter in Vergessenheit geraten. Von Christian Riethmüller 

Nun rückt das Caricatura Museum Frankfurt einen der bedeutendsten deutschen Karikaturisten mit einer großen Ausstellung ins Rampenlicht. Das Zeugnis der Werkkunstschule Offenbach (der heutigen Hochschule für Gestaltung) lobte im Juli 1952 einen disziplinierten und fleißigen Studenten, gewährte ihm in seinem Studienfach Grafik allerdings nur ein „Befriedigend“. Das mag möglicherweise mit der etwas lax aufgefassten Anwesenheitspflicht zu tun gehabt haben. Kurt Halbritter hat die Werkkunstschule ohne Abschluss verlassen, aber trotzdem seinen Weg gemacht. Als Illustrator und Karikaturist gehörte er bald zu den bekanntesten Zeichnern in Deutschland.

Aus „Heimat deine Zwerge“

Die einen kannten ihn als Verfasser der „Schmunzelbücher“, andere als Karikaturisten der einst immens erfolgreichen Satirezeitschrift „Pardon“, zu deren Gründungsredaktion er gehörte. Und selbst wer zu keiner dieser Publikationen griff, dürfte in den 1960er Jahren Halbritters Strich gekannt haben - zumindest im Rhein-Main-Gebiet. Der 1924 im Frankfurter Stadtteil Rödelheim geborene Zeichner illustrierte nämlich die Werbekampagne „Dir und mir - Binding-Bier“, in der unter anderem die „Frankfodderisch“ parlierenden Figuren „Schorsch und Schaa“ auf Bierdeckeln und Postkarten ihren Schabernack trieben.

Von prägendem Einfluss war Halbritter aber weniger auf Bierfreunde als vielmehr auf eine junge Gilde angehender Satiriker und Karikaturisten, mit denen er in der „Pardon“-Redaktion zusammenarbeitete. Der einst für „Pardon“ und später für den „Stern“ tätige Reporter Gerhard Kromschröder erinnerte sich gestern in Frankfurt an seinen Kollegen: „Kurt Halbritter war für uns Junge der arrivierte Buchautor, der sich aber eine Haltung bewahrt hatte. Er war ja noch im Krieg als Marinesoldat und dann in Gefangenschaft. Er ist als Pazifist zurückgekehrt und hat sich fortan stets für eine entmilitarisierte Gesellschaft eingesetzt.“ Diese Haltung und ein teils skurriler Humor imponierten auch Zeichnern wie F.W. Bernstein, Chlodwig Poth, F.K. Waechter, Robert Gernhardt und Hans Traxler, mit denen er bei „Pardon“ wirkte und die später als „Neue Frankfurter Schule“ berühmt werden sollten. Hans Traxler bezeichnet ihn als Vorbild jener Schar, die das Satiremagazin „Titanic“ gründen sollte. Halbritter war dabei nicht an Bord. Er war überraschend am 21. Mai 1978 während einer Irlandreise gestorben. Er wurde 54 Jahre alt.

Mit der Zeit geriet der Zeichner in Vergessenheit, allerdings nicht ganz. Halbritters Nachlass ging an das Frankfurter Institut für Stadtgeschichte, das in den vergangenen Jahren Arbeiten zukaufte und nun über rund 5000 Exponate verfügt. Eine Auswahl davon war bereits 1999 in der noch von Robert Gernhardt kuratierten Schau „Mann unter Strom“ im Karmeliterkloster zu sehen.

„Kurt Halbritter“ noch bis 16. November im Caricatura Museum Frankfurt, Weckmarkt 17. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch 10-21 Uhr

Sie führt Halbritters Vielseitigkeit mit solch unterschiedlichen Figuren wie dem gutmütigen Häftling Johannes, der frechen „Minderjährigen“ oder auch den Zwergen aus „Heimat deine Zwerge“ vor. Als wichtigstes Vermächtnis ist aber sein 1968 erschienenes Buch „Adolf Hitlers Mein Kampf“ zu werten, das auf frappierende Weise die Mitläufer des Nazi-Regimes karikiert. Es zeigt die kleinbürgerliche Idylle, die Halbritter in seiner Jugend erlebte und in der doch der spätere Wahnsinn der NS-Zeit eine wichtige Quelle hatte. Gerhard Kromschröder nennt das lange vergriffene Buch ein „Epochenwerk“, das nun rechtzeitig zur Ausstellung neu aufgelegt worden ist, ebenso übrigens wie „Halbritters Tier- und Pflanzenwelt“, das den Künstler abseits seines politischen Wirkens zeigt. Auch diese grotesk-humorige Seite Kurt Halbritters lohnt das Wiederentdecken.

Quelle: op-online.de

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