Zwielichtige Helden

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Tödliche Schönheiten und gebrochene Helden in verworrenen Geschichten: Lauren Bacall und Humphrey Bogart, hier in Howard Hawks’ „Tote schlafen fest“ (1946), zählen zu den prominentesten Protagonisten des Genres. -

Frankfurt - „Film Noir“, ein sanft klingender Begriff, hinter dem sich Geschichten von Mord und Totschlag, Glücksspiel, Schmuggel und Prostitution verbergen. Von Lara Sturm

Geschichten über zwielichtige Ermittler im Kampf gegen erbarmungslose Verbrecher, an deren Seite tödliche Schönheiten – oft eine „Femme fatale“. Antihelden sehen sich einer moralisch fragwürdigen Gesellschaft gegenüber.

Diese Filme aus den 1940er und 1950er Jahren waren düsterer als alles, was bisher aus Hollywood bekannt war. Daran waren viele europäische Emigranten, die vor dem NS-Regime geflohen waren, beteiligt. Sie brachten den Stil der Kinos der Weimarer Republik in die USA und den poetischen Realismus des Frankreichs der 1930er Jahre. Beleuchtet wird diese Stilform nun in einer Sonderausstellung im Deutschen Filmmuseum Frankfurt.

Der „Film Noir“ rief oft Unbehagen auf Seiten des Zuschauers hervor. Die übliche geradlinige Erzählstruktur des klassischen Hollywood-Stils wurde aufgebrochen, der Zuschauer stattdessen mit verschachtelten Geschichten konfrontiert. In der Kameraarbeit kommt es zu räumlichen Verzerrungen in extremen Ober- und Untersichten, die instabile Welt symbolisierend. In der Lichtsetzung wagte sich der „Film Noir“ an extreme Kontraste und harte Schatten. Die Szenen spielen vor allem im Zwielicht, das mit langen und breiten Schatten auf Verbrechen fällt, auf Mörder und Frauen ohne Gewissen.

„Film Noir!“ bis zum 14. Oktober im Deutschen Filmmuseum, Schaumainkai 41. Geöffnet: Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag von 10-18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr

Die Sonderausstellung rückt den Film in den Mittelpunkt, er ist ihr wichtigstes Ausstellungsstück. Europaweit werden zum ersten Mal die wichtigsten Elemente der Bildsprache und Inszenierung dieses Genres präsentiert. Betritt man die Ausstellungsräume, hat man das Gefühl selbst Komparse zu sein. Plötzlich befindet man sich in einer Bar im Stil der 1940er Jahre, einem Salon oder einem düsteren Büro. Filmausschnitte flimmern in den Silhouetten einer Großstadt und über sechs große Leinwände. Die Ausstellungstexte sind auf angedeutete Jalousien geschrieben, deren harte Schatten das Bild vieler Filme prägten. Objekte, die untrennbar mit der Kulisse verbunden sind, hinterlassen bleibenden Eindruck: Plakate, Aushangfotos, Produktionsunterlagen, Drehbücher und Skizzen zum Bildaufbau lassen den Besucher hinter die Filmkulissen blicken. Ein Genre, das es wert ist, von den Besuchern entdeckt zu werden – sei es neu- oder wiederentdeckt.

Quelle: op-online.de

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