Zwischen Krieg und Freundschaft 

Architekturmuseum beleuchtet deutsch-französisches Verhältnis

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„Raumstadt“: Modell von Eckhard Schulz-Fielitz, 1959.

Frankfurt - Die umfangreiche Ausstellung „Interferenzen / Interférences“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zeigt die deutsch-französische Geschichte anhand von Baukunst und Urbanismus. Von Lara Sturm

In den vergangenen Jahrhunderten haben Deutschland und Frankreich abwechselnde Phasen von Einverständnis, Krise, Annäherung, mörderischen Kriegen und Freundschaft erlebt. Heute haben sie alle territorialen Streitigkeiten beigelegt und schreiben eine gemeinsame, ineinandergreifende Geschichte. Über diese wechselseitige Beziehung der beiden Länder wurde schon viel geforscht, doch zum ersten Mal stehen nun die Architektur im Mittelpunkt. Die deutsch-französische Ausstellung „Interferenzen / Interférences“, die bereits in Straßburg ausgestellt wurde und nun im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zu sehen ist, findet anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Élysée-Vertrages statt.

Die Schau vermittelt erstmals einen Überblick über die architektonischen und städtebaulichen Interaktionen zwischen Frankreich und Deutschland von den Jahren nach der Französischen Revolution und dem Ersten Kaiserreich bis in die Gegenwart. Dabei zeigt sich, dass auch zu Zeiten von Krieg und Fremdherrschaft Architekten, Intellektuelle und Künstler zwischen den Ländern hin- und herpendelten, ihre Spuren hinterließen und Architekturräume prägten. Andere siedelten sogar ganz über.

Öffnungszeiten: Di, Do, Fr, Sa 11 bis 18 Uhr, Mi 11 bis 20 Uhr, So 11 bis 19 Uhr. Montag geschlossen.

Einer von ihnen war Jakob Ignaz Hittorff (1792-1867). Der gebürtige Kölner wurde infolge der Annektierung der linken Rheinlande durch Frankreich 1801 französischer Staatsbürger. 1810 zog er nach Paris um Architektur zu studieren. Seine Hauptwerke sind die Kirche St-Vincent-de-Paul in Paris und der Pariser Nordbahnhof (Gare du Nord). Mit dem Bau des Gare du Nord leistete er einen wesentlichen Beitrag auf dem Gebiet des damals noch jungen Eisenkonstruktionsbaus. Heute ist sogar eine kleine Straße, die Rue Hittorff, im 10. Arrondissement von Paris, nach ihm benannt.

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Von solchen menschlichen Schicksalen erzählt die Ausstellung. Des weiteren werden Originalzeichnungen, Pläne, Dokumente und Modelle präsentiert. Im Mittelpunkt stehen Städtebilder, Denkmäler und Diskussionsschwerpunkte in einer von den Fieberkurven der Politik geschüttelten Zeit. Die Schau macht mit dem Schaffen wichtiger Architekten, Künstler und Intellektueller bekannt, die an der Schnittstelle der deutschen und französischen Kultur wirkten und wirken. Ein spezielles Augenmerk liegt auf der wechselseitigen Beeinflussung der Metropolen Paris und Berlin.

Besonders empfehlenswert ist der Katalog zur Ausstellung (Wasmuth Verlag, 49,90 Euro). Dieser beschäftigt sich noch intensiver mit der Situation der Grenzregionen, wie dem Elsass, der Saar oder dem Rheinland.

Die Schau „Interferenzen / Interférences“ im Deutschen Architekturmuseum, Schaumainkai 43, in Frankfurt ist von 3. Oktober bis zum 12. Januar 2014 zu sehen.

Quelle: op-online.de

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