Jugendstudie

Kommentar: Abgehängte hängen ab

Ja zur Zukunft - aber nur, wenn Geld da ist. Die Shell-Jugendstudie, sie gilt als Basiswerk der Jugendforschung, hat ergeben, was auf der Hand liegt: Interesse an Politik, Bildung und sozialem Engagement ist eine feine Sache, wenn das Umfeld finanziell und sozial intakt ist. Von Ralf Enders

Wer in einer armen und - um es politisch korrekt zu sagen - bildungsfernen Familie lebt, ist nicht so optimistisch, liest weniger, sitzt länger vor der Glotze und nutzt das Internet mehr fürs „Gaming“, denn in seiner wundervollen Breite. Die „Abgehängten“, wie die Studie sie nennt, hängen ab.

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Viele Jugendliche verlieren also den Anschluss, und dagegen hilft Bildung, Bildung, Bildung. Doch spätestens hier offenbart sich die Malaise mit ihren elenden Folgen. Experimente und Gezänk von 16 Provinzfürsten verhindern eine klare, zum Ziel führende Linie. Und das Problem der „Abgehängten“ ist nicht neu. Doch die Rezepte der aktuellen Familienministerin Schröder und ihrer Vorgängerinnen sind noch älter, mithin wirkungslos.

Wen wundert‘s, dass Regierung und Parteien zu denen gehören, mit denen sich junge Leute so gar nicht anfreunden können? Kirche, große Unternehmen und Banken komplettieren die No-Go-Liste. Sie alle haben sich nach Kräften unbeliebt gemacht. Durch Klientelpolitik, verkrustete Strukturen oder heuchlerisches Anbiedern. Wer etwa den Alten die Rundum-Sorglos-Rente für alle Zeiten verspricht, kann von denen, die dafür bezahlen, freilich wenig erwarten.

Dabei wäre es allerorten höchste Zeit für junge und frische Ideen. Neues tut nicht immer weh, es tut meistens gut, lehrt die Erfahrung. Wer das nicht verinnerlicht, wird irgendwann von der Wirklichkeit überholt. So wie es die Jugendstudie in Sachen Globalisierung ergeben hat. Während die Besitzstandswahrer noch stöhnen und gegen Windmühlen kämpfen, hat sich die Jugend längst mit den Fakten arrangiert: Mehr als die Hälfte begreift die Globalisierung schon als Chance für Reisen, Studium und wirtschaftlichen Wohlstand.

Quelle: op-online.de

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