Rentenpolitik

Kommentar: Ältere werden gebraucht

Während Politiker über die Rente mit 67 diskutieren, könnten bereits heute Millionen älterer Menschen länger arbeiten, wenn Firmen ihre Arbeitsbedingungen verbesserten. So zeigt etwa eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Von Peter Schulte-Holtey

Rund ein Viertel aller Berufstätigen, die 2008 in den Ruhestand gingen, hat den Job aufgegeben, weil sie die körperlichen Anforderungen des Berufslebens nicht mehr erfüllen konnte.

Erneut wird die riesige Ungerechtigkeit beim Renteneintrittsalter und der entscheidende Webfehler der Reform deutlich. Es ist doch wohl ein Unterschied, ob beispielsweise ein Fliesenleger, der Jahrzehnte Rentenbeiträge gezahlt hat, nach seinem 65. Geburtstag noch auf seinen Knien rumrutschen muss, oder ob ein Akademiker, der mit 28 von der Universität kommt und seitdem im Büro sitzt, noch einige Monate dranhängen soll. Dass der Gesetzgeber hier keinen Unterschied macht, muss jeden auf die Palme bringen.

Die Bundesregierung wird jetzt deutlich erklären müssen, ob die „Rente mit 67“ ein schlecht verkapptes Rentenkürzungsprogramm bleiben soll, oder ob doch Sonderregelungen vorbereitet werden. Dabei darf sie das unterstützenswerte Ziel der Reform nicht aus den Augen verlieren. Sie muss Druck auf die Arbeitgeber ausüben, den Anteil der über Jahrzehnte bewährten Mitarbeiter weiter zu erhöhen. Soll die Rentenkasse einigermaßen gefüllt sein, braucht sie von jedem Beitragszahler über längere Zeit Einnahmen. An dieser Tatsache und der damit verbundenen gesellschaftlicher Verantwortung darf sich niemand vorbeimogeln.

Quelle: op-online.de

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