Verbraucherzentrale: Vertrauen missbraucht

Ärzte werben viel und klären zu wenig auf

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Mit den individuellen Gesundheitsleistungen bessern Mediziner ihre Kasse jedes Jahr mit 1,5 Milliarden Euro auf.

Offenbach (psh) - Viele Patienten werden beim Arzt viel zu spärlich über Selbstzahlerleistungen aufgeklärt. Das ergab eine Umfrage der Verbraucherzentralen. So habe bei jedem vierten Fall vorab eine Kosteninformation gefehlt.

Die Befragung zeigte, dass Ärzte Verbrauchern besonders häufig eine Glaukomfrüherkennung, Ultraschall, den PSA-Test (Erkennung von Prostatakrebs) und zahnärztliche Behandlungen verkaufen. Viele dieser Leistungen sind umstritten, sie können aber auch sinnvoll sein. So kritisieren Experten Ultraschalluntersuchungen von Gebärmutter und Eierstöcken zur Krebsfrüherkennung bei beschwerdefreien Frauen als unsicher. Bei vielen Frauen kommt es zum Krebsverdacht, der sich nur selten bestätigt. Verdachtsfälle auf Eierstockkrebs können nur per Operation geklärt werden. Der Nutzen der Glaukomfrüherkennung wird seit langem unterschiedlich bewertet.

82 Prozent nicht auf Initiative der Patienten

Mit 82 Prozent der Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) kamen laut Verbraucherzentrale Hessen die meisten Behandlungen nicht auf Initiative der Patienten zustande, obwohl eine Selbstverpflichtung der Ärzte das vorsieht. In fast jedem zweiten Fall (49 Prozent) sei das Praxispersonal direkt am Verkauf beteiligt gewesen.

Besonders auffallend waren die Ergebnisse demnach bei der Aufklärung der Patienten: Nur jeder Vierte erinnerte sich daran, dass er über Risiken aufgeklärt wurde. Nach Angaben der Verbraucherschützer fühlte sich nur jeder Zweite über den individuellen Nutzen informiert. Ausreichende Bedenkzeit gab es demnach auch nur in jedem zweiten Fall. Übereinstimmend mit dem Bundestrend falle in Hessen besonders auf, dass „in der Hälfte der Fälle das Praxispersonal beim Anbieten der Selbstzahlerleistungen beteiligt war“.

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„Viele Ärzte nutzen das Vertrauen der Patienten aus, wenn sie vom Helfer zum Verkäufer werden“, so Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen: „Die Bundesregierung muss das Patientenrechtegesetz nachbessern, damit Individuelle Gesundheitsleistungen strengeren Regeln unterliegen. Selbstzahlerleistungen sollen der Gesundheit dienen.“ Hubloher forderte grundlegende Änderungen am Gesetzesentwurf: „Regeln für Selbstzahlerleistungen dürfen um stationäre Behandlungen keinen Bogen machen.“ Die Politik müsse Ärzte unmissverständlich verpflichten, Patienten umfassend über das Für und Wider, die Behandlungsalternativen und Kosten zu informieren.

Quelle: op-online.de

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