Familienpflegezeit

Kommentar: Alte auf dem Abstellgleis

Wer künftig gut ausgebildete Fachkräfte will, wer viel Geld in sie investiert, der will natürlich auch, dass diese Mitarbeiter im Unternehmen bleiben - auch wenn kleine Kinder da sind oder wenn ein Pflegefall auftritt. Von Peter Schulte-Holtey

Auch immer mehr Manager im Rhein-Main-Gebiet denken so, vor allem die führenden Betriebe haben schon eine große Zahl von Maßnahmen ergriffen; sie haben die Bedeutung familienfreundlicher Erleichterungen erkannt. Ein wichtiger weiterer Ansatzpunkt ist sicherlich, das Projekt Familienpflegezeit von Bundesministerin Kristina Schröder.

Die Beschäftigten sollen dem Vorschlag zufolge ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 50 Prozent reduzieren können, erhalten aber 75 Prozent ihres Gehalts. Später arbeiten sie wieder voll für 75 Prozent des Einkommens, bis das Zeitkonto ausgeglichen ist. Eine Idee, die ankommt. Das Pharmaunternehmen Roche Diagnostics in Mannheim prescht bereits vor und will zum 1. April für seine 6 200 Mitarbeiter die Familienpflegezeit einführen.

Unverständlich wirkt in dieser Situation, wenn der Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Achim Dercks, jetzt Front gegen Schröders Vorhaben macht und vor zusätzlicher Bürokratie warnt. Die neuen Belastungen können die Betriebe sicherlich meistern. Viel wichtiger wäre es, über die zunehmende Belastung für Frauen (sie sind meistens betroffen) zu diskutieren.

Teilzeitarbeit und zuhause Pflegestress, ist das wirklich die Lösung? Macht sich der Staat einen schlanken Fuß und will ein immer drängender werdendes Problem loswerden? Tatsächlich verstärkt sich doch eher der Eindruck, dass Alte aufs Abstellgleis geschoben werden...

Quelle: op-online.de

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