Pharmafirmen kassieren ab

Kommentar: Angst vor der Lobby

Deutschlands Gesundheitswesen könnte ein Wachstumsmotor sein. Doch es vergeudet Milliarden. Das wird jetzt wieder einmal angesichts der Preisdifferenzen deutlich, die der Arzneimittel-Report belegt. Von Peter Schulte-Holtey

Seit Jahrzehnten sind die unterschiedlichen Preise für die gleichen Medikamente in Europa bekannt, aber die Politik war nicht in der Lage, die Pharma-Großfirmen in die Schranken zu weisen. Für die Krankenkassen - und damit für uns Versicherte - entstand ein rasant steigender Kostenberg. Mit den Zusatzbeiträgen werden wir es bald bezahlen müssen.

Zum Glück gibt es Hoffnungsschimmer. So bemühte sich Gesundheitsminister Phillip Rösler zuletzt redlich, auch den Krankenkassen zu helfen. Sein Arznei-Sparpaket geht in die richtige Richtung und mutet der Industrie einiges zu. Wenn das Gesetzesvorhaben gelingen sollte, werden die Krankenkassen in Zukunft mit den Pharmaherstellern verhandeln und die Preise der patentgeschützten Arzneimittel gemeinsam festlegen.

Aber weitere Einschnitte müssen folgen. Es geht doch nicht an, dass über die Arzneimittelpreise die dubiosen Marketingpraktiken der Pharmaindustrie von den Versicherten bezahlt werden. Gäbe es keine Ärztemuster, keine Geschenke an niedergelassene Ärzte, keine Anwendungsbeobachtungen, keine verschwenderischen Kongresse und sogenannte Fortbildungen, könnten überflüssige und zu teure Behandlungen unterbleiben: Das Gesundheitssystem wäre weniger teuer und trotzdem leistungsfähig.

Die Politik muss ihre Angst vor der Pharma-Lobby bekämpfen - notfalls bitteschön mit Neuroleptika. Und sie sollte die Preiskontrollen weiter verstärken. Für den Bürger gilt: Bei Nebenwirkungen fragen Sie nicht Arzt oder Apotheker - sondern Ihren Bundestagsabgeordneten!

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare