Psychische Krankheiten

Kommentar: Anstieg muss gestoppt werden

Liest man die Studien der Kassen DAK und TK genauer, so zeigt sich, dass hier eigentlich gleich drei Ermahnungen ausgesprochen werden: an die Politik, an die Arbeitgeber, aber auch an die Arbeitnehmer. Um was geht es? Von Siegfried J. Michel

Insgesamt ist die Zahl psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern mit 13,5 Prozent mehr Krankheitstagen im vorigen Jahr so stark gestiegen wie noch nie. Das ist ein gefährlicher Trend, der gestoppt werden muss. Zum Wohl der Betroffenen und schlicht auch, damit hohe Kosten vermieden werden. Die Ursachen für die Entwicklung: gestiegene Anforderungen und damit mehr Stress in der Arbeitswelt, teils aber auch Unterforderung der Beschäftigten, Unsicherheiten durch befristete Arbeitsverträge sowie gesundheitliches Fehlverhalten bei Beschäftigten.

Die Mahnung an die Politik: Die unsicheren Perspektiven - insbesondere für viele Berufseinsteiger - müssen weitmöglichst beseitigt werden. Es darf z.B. nicht sein, dass Arbeitgeber die derzeitige Gesetzeslage (aus)nutzen und es so schaffen, Arbeitsverträge über die Maximaldauer von zwei Jahren hinaus abermals zu befristen. Der Trick: Viele Firmen haben Töchter gegründet. Nach zwei- oder dreimaliger Befristung im Hauptunternehmen und der Höchstdauer von zwei Jahren wird dem Betroffenen ein Job bei der Tochter angeboten. Dort sind dann wieder Befristungen möglich. Eine unerträgliche Situation für die Betroffenen. Das kann nicht gesund sein. Mit einer Gesetzesänderung könnte dem rasch und leicht Einhalt geboten werden.

Lebt gesünder!

Mahnung an die Arbeitgeber: Achtet mehr auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Wer seinen Beschäftigen mit Blick auf die Rendite immer mehr und über ein gesundes Maß hinaus Leistung abfordert, darf sich nicht über hohe Krankenstände wundern. Die Kosten dafür fallen auf die Firmen selbst und die Allgemeinheit zurück. Auch mehr Gespräche zwischen Brötchengeber und Beschäftigten über die Jobsituation sind sinnvoll. Dabei sollte geklärt werden, warum es zu Überlastungen oder aber auch einer Unterforderung kommt und wie dies abgestellt werden kann. In einigen, meist großen Unternehmen wird dies praktiziert.

Mahnung an die Arbeitnehmer: Lebt gesünder! So gab nicht einmal die Hälfte an, Sport zu treiben. Genau das aber tut nicht nur allgemein der Gesundheit gut, sondern hilft auch beim Stressabbau. Experten raten, in der Freizeit Gegengewichte zur Tretmühle im Job zu suchen. Das kann Joggen sein oder ein Konzertbesuch. Viele nehmen sich aber in ihrer Freizeit auch zu viel vor, hetzen von einem Privattermin zum nächsten und sorgen so dafür, dass selbst die arbeitsfreien Stunden stressgeprägt sind.

Quelle: op-online.de

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