Apotheker ringen um Millionen

Offenbach ‐ Das Sparpaket von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler geht in die richtige Richtung. Es nimmt endlich das Preismonopol der Arzneimittelhersteller ins Visier und beginnt zumindest damit, den Pharmariesen ihre Mondpreise und Mogelpackungen abzugewöhnen. Von Peter Schulte-Holtey

Doch wie ist es mit den Apothekern, müssen auch sie einen höheren Beitrag zur Gesundung des Gesundheitssystem leisten? Zumindest wird hinter den Kulissen heftig gerungen.

Im Mittelpunkt der Gefechte steht der Rabatt, den Apotheken gesetzlichen Krankenkassen für rezeptpflichtige Arzneimittel gewähren müssen. In früheren Jahren wurde er vom Gesetzgeber auf 2,30 Euro pro Packung festgelegt. Für 2009 und 2010 sollten Apotheken und Krankenkassen ihn dann neu verhandeln. Weil sich beide Seiten nicht einigen konnten, bestimmte eine Schiedsstelle, dass der Rabatt zugunsten der Apotheker auf 1,75 Euro gesenkt wird. „Über zwei Jahre entspricht das einem Verlust für die Krankenkassen von 600 Millionen Euro“, heißt es jetzt in einem Medienbericht. Beim Krankenkassenverband (GKV-Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen) wollte man sich das nicht gefallen lassen, zumindest wurde gegen die Entscheidung des Schiedsstellenverfahrens zur Höhe des Apothekenabschlags fürs Jahr 2009 geklagt.

Über den Abschlag für 2010 wurde verhandelt und jetzt sickerte durch, dass einige Spitzenvertreter der Krankenkassen den Apothekern wohl nachgeben wollen. Andrea Röder vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen bestätigte unserer Zeitung, dass ein Vorschlag über einen Apothekenabschlag in Höhe von 1,75 Euro entwickelt worden sei. „Für den Deutschen Apothekerverband ist diese Festlegung nur unter der Voraussetzung vereinbar, dass der GKV-Spitzenverband die Klage gegen die Schiedsentscheidung 2009 zurücknimmt, verbunden mit dem Zugeständnis, dass jede Seite ihre Kosten des Verfahrens selbst trägt“, erklärte Röder. Von Seiten der AOK und auch des Verbands der Ersatzkassen werde es aber wohl ein Gegenvotum geben.“

Unterdessen läuft der hessische Apothekerverband Sturm gegen den Beschluss des Bundeskabinetts, den Zwangsrabatt, den die Apotheken den Krankenkassen zu gewähren haben, für 2011 und 2012 von 1,75 Euro auf 2,05 Euro pro Packung zu erhöhen. Das würde für die Durchschnittsapotheke ein Ertragsminus von 7500 Euro bedeuten. Verbandschef Peter Homann: „Diese Maßnahme wird bei einer Reihe von Apotheken zum wirtschaftlichen Kollaps führen. Die Apotheken - vor allem im ländlichen Raum - leben zu über 85 Prozent von den zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen ausgestellten Rezepten. Sie haben keine Möglichkeit, Einbußen in dieser Größenordnung zu kompensieren.“

Verzichten die Krankenkassen auf 600 Mio. Euro?

Quelle: op-online.de

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