Reform der Bundeswehr

Kommentar: Armee des Stillstands

Die Weise-Kommission hat der Bundeswehr einen schonungslosen Spiegel vorgehalten: ineffizient, zu teuer, zu groß, geführt von einem aufgeblähten Apparat. Von Jörg S. Carl

Die Analyse ist niederschmetternd: überkommene Strukturen, veraltetes Material, anachronistischer Standortpatriotismus, einschließlich des Festhaltens an der Bonner Hardthöhe.

Das zeigt: Die Bundeswehr ist trotz ihrer vielfältigen internationalen Aufgaben im Innern eine Armee des Stillstands geblieben. Dabei haben sich die sicherheitspolitischen Verhältnisse dramatisch verändert. Der Kalte Krieg gegen den Kommunismus ist einem heißen gegen den Terrorismus gewichen. Wehrpflichtige, die sich in schlammigen Herbstmanövern auf den Feind vorbereiten und nach wenigen Tagen zurück zu Muttis Waschmaschine fahren, werden, wie verdienstvoll ihr Üben für den Verteidigungsfall auch war, nicht mehr gebraucht.

Die Truppe hat in hohem Maße Professionalität nötig. Das bedingt lange Ausbildungszeiten und die Bereitschaft, den Terror in jenen Ländern zu bekämpfen, wo er entsteht. Auslandseinsätze und Aufgaben innerhalb von Bündnisarmeen werden die wichtigsten Anforderungen in der Zukunft sein. Die Politik hat das erkannt, zieht daraus aber vorerst nur halbherzige Konsequenzen. Die Wehrpflicht auszusetzen, ist ein erster Schritt, gebraucht wird mittelfristig eine Berufsarmee.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare