Kommentar zu den Vorfällen bei der Bundeswehr

Kommentar: Befehl und Gehorsam

Wer kennt nicht die Verfilmungen der „Meuterei auf der Bounty“ ? Erst vor ein paar Tagen lief der Streifen mit Marlon Brando als charismatischen Ersten Offizier Fletcher Christian, der sich dem tyrannischen Kapitän William Bligh widersetzt, wieder im Fernsehen.  Von Angelika Dürbaum

Meuterei in der Südsee auf einem britischen Segelschiff anno 1789 - das kann sich jeder gut vorstellen, aber im Jahre 2010 auf einem Schiff der Bundesmarine? Ob man die noch nicht geklärten Vorgänge auf der „Gorch Fock“ Anfang November nun tatsächlich als Meuterei bezeichnen muss, sei dahingestellt. Doch werfen die Befehlsverweigerungen nach dem Tod der jungen Offiziersanwärterin - und es war nicht der erste Todesfall auf dem berühmten Ausbildungsschiff - grundsätzliche Fragen auf, wie es mit der Bundeswehr im 21. Jahrhundert weitergehen soll.

Etwa die, welche Rolle Befehl und Gehorsam spielen, wenn es nicht mehr um Wehrpflichtige geht, die sich wohl oder übel beugen müssen, sondern um Arbeitnehmer in einer Berufsarmee? Fachleute wird man in Zeiten computergesteuerter Kriegswaffen kaum für den Dienst begeistern können, wenn ihnen beim geringsten Querdenken (was in modernen Unternehmen zu jeder Stellenbeschreibung gehört) disziplinarische Maßnahmen drohen.

Von Verteidigungsminister Guttenberg ist außer forschen Sprüchen bislang wenig Konkretes zu hören. Er bleibt Antworten schuldig - nicht nur zum Fall Gorch Fock, zur geöffneten Feldpost aus Masar-i-Scharif und zu den mysteriösen Todesschüssen auf einen Kameraden in Pol-i Khomri. Die Soldaten der Bundeswehr hätten mehr verdient.

Quelle: op-online.de

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