Bericht: Regierung stoppt Waffenexporte nach Saudi-Arabien

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Sturmgewehr G36 Heckler & Koch. 2013 verkaufte Deutschland noch Waffen für 360 Millionen Euro nach Saudi-Arabien. Foto: Arno Burgi

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat einem Medienbericht zufolge alle Waffenexporte nach Saudi-Arabien vorerst gestoppt. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" fiel der Entschluss in der Sitzung des Bundessicherheitsrats am vergangenen Mittwoch.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sowie die sieben weiteren Minister des Gremiums hätten die entsprechenden Anträge entweder ganz abgelehnt oder die Entscheidung bis auf weiteres vertagt.

Offiziell äußert sich die Bundesregierung nicht zu den Beschlüssen des geheim tagenden Gremiums. Aus Regierungskreisen hieß es dem Bericht zufolge, die Lage in der Region sei zu instabil, um dorthin Waffen zu liefern. Die Mitglieder des Bundessicherheitsrats sind zu absolutem Stillschweigen verpflichtet.

Für die deutsche Rüstungsindustrie ist Saudi-Arabien einer der wichtigsten Kunden. 2013 genehmigte der Bundessicherheitsrat Waffenexporte für 360 Millionen Euro. Deutschland ist weltweit der drittgrößte Waffenexporteur. SPD-Chef Gabriel hat zwar eine restriktivere Exportpolitik in Nicht-EU-Länder angekündigt. Im ersten Halbjahr 2014 gingen die Exporte jedoch nur leicht zurück.

Das ölreiche Königreich Saudi-Arabien steht wegen Menschenrechtsverletzungen immer wieder in der Kritik. Aktuell sorgt die brutale Prügelstrafe für den islamkritischen Blogger Raif Badawi international für Empörung. Der Aktivist war zu zehn Jahren Haft und 1000 Stockschlägen verurteilt worden, weil er im Internet den Islam beleidigt haben soll.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kritisierte die Prügelstrafe für Badawi in der "Bild am Sonntag" zwar scharf. Zugleich wies er aber auf die Bedeutung Saudi-Arabiens bei der Bekämpfung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hin.

Zu den Trauerfeierlichkeiten für den gestorbenen saudischen König Abdullah am Wochenende waren zahlreiche Staats- und Regierungschefs angereist. Die Bundesregierung ließ sich durch Alt-Bundespräsident Christian Wulff vertreten. In Großbritannien waren zum Zeichen der Trauer sogar Flaggen auf halbmast gesetzt worden.

Außenpolitiker von Union und SPD begrüßten in der "Hamburger Morgenpost" einen vorläufigen Waffenexport-Stopp nach Saudi-Arabien. Der Unions-Obmann im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter (CDU), sagte, eine Verschiebung sei klug, weil zunächst die Entwicklung in Saudi-Arabien und der Region abgewartet werden müsse.

Der SPD-Außenexperte Niels Annen betonte, angesichts anhaltender Menschenrechtsverletzungen sei die Aussetzung der Kooperation richtig. Für die Linksfraktion sprach Jan van Aken von einer "guten Nachricht" und sagte: "Ich hoffe, Merkel und Gabriel halten das auch durch und knicken nicht später im Jahr wieder ein."

Die Grünen zeigten sich skeptisch, ob die Bundesregierung tatsächlich einen Kurswechsel ihrer Rüstungsexportpolitik vollzieht. "Wir würden das begrüßen", sagte die parlamentarische Geschäftsführerin Katja Keul der dpa. Man könne nicht die Verletzung der Menschenrechte kritisieren und zugleich an der strategischen Partnerschaft festhalten. "Dass in Saudi-Arabien ausgepeitscht und öffentlich hingerichtet wird, ist ja nichts Neues."

Rüstungsexportbericht 2013

Infos zum Bundessicherheitsrat

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