Bewegen sollen sich die anderen

Zu viele Studenten eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums halten nicht bis zum Ende durch, verlassen die Hochschule ohne Abschluss.

Mit dieser Klage reiht sich der Arbeitgeberverband Nordmetall in die immer größer werdende Alarmrufer-Front ein, die Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung durch einen fortschreitenden Mangel an Ingenieuren gefährdet sehen. Dass hier eine durchaus reale Gefahr beschrieben wird, soll nicht in Abrede gestellt werden. Leider muss der Beobachter aber häufig den Eindruck gewinnen, dass über das Problem zwar viel geklagt, aber vielerorts zu wenig gehandelt wird.

So scheitern Firmen oft an ihren eigenen Ansprüchen. Sie vertrauen bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern allzu häufig auf „die richtigen“ Abschlüsse und manchmal zu wenig auf die Lernfähigkeit von Bewerbern - zumal bei älteren. Hochschulen dagegen haben in der Vergangenheit Abbrecherquoten von mehr als 50 Prozent zum Normalfall werden lassen, auch weil sich aus ihrer Sicht gut damit leben ließ. Dass es anders geht, hat beispielsweise die Technische Universität Darmstadt vorgemacht, die ihre Abschlussquote bis auf 90 Prozent steigern konnte. Gewiss wird auch in Darmstadt selektiert - aber eben nicht im, sondern vor dem Studium. Außerdem wurde die Betreuung deutlich verbessert. Unter anderem werden Vorbildungsdefizite bei Studenten durch gezielte Maßnahmen behoben, womit ein weiteres Stichwort genannt ist.

Die Gymnasien produzieren vielerorts nicht mehr das nötige Rüstzeug für ein Studium, bei dem es auf naturwissenschaftlich-mathematische Grundbildung nun einmal ankommt.

Sowohl Schüler, Eltern, aber auch manche Lehrer haben sich in einem grauen, aber eben auch bequemen Alltag hineingefunden, in dem beispielsweise das Fach Mathematik zur reinen Begabungssache erklärt wird. Sollen halt die anderen ...

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Quelle: op-online.de

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