Traumatisierte Soldaten

Beweislast umkehren

Es ist schon ein Kreuz mit den seelischen Erkrankungen. Die Menschen, die darunter leiden, haben es in dieser auf Leistung getrimmten Gesellschaft immer noch viel zu schwer, einfach als eine kranke Person zu gelten und anerkannt zu werden. Die Diagnose ist bei einem gebrochenen Bein oder einer Schussverletzung relativ simpel. Wunden an der Seele sieht man dagegen nicht, auch die Auslöser dafür lassen sich nicht immer gleich ganz konkret definieren. Von Siegfried J. Michel

Mit diesem Problem haben auch Soldaten der Bundeswehr zu kämpfen. Nur jeder zweite im Dienst traumatisierte Soldat wird als wehrdienstbeschädigt anerkannt. Von den 1995 bis 2010 abgeschlossenen Anerkennungsverfahren endeten laut dem Verteidigungsministerium nur 267 im Sinne des Antragstellers; in 260 Fällen wurde die Anerkennung als wehrdienstbeschädigt verweigert. Zu Recht hat das der Deutsche Bundeswehrverband angeprangert.

Das Ministerium hat das offensichtliche Missverhältnis damit gerechtfertigt, dass viele ein Trauma auslösende Ereignisse „nicht aktenkundig“ seien. Das ist Bürokratentum in Reinform. Schlimmer aber noch ist, dass die Beamten in den warmen Behördenstuben mit der Nichtanerkennung „vor allem die finanziellen Interessen der Bundeswehr vertreten“, wie der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, beklagt.

Wer Soldaten zu Einsätzen wie in Afghanistan schickt, wo Gewalt und Tod zum Alltag gehören, darf denen, die seelische Schäden davontragen, nicht noch zusätzlich das Leben schwer machen und ihnen das Geld verweigern, dass ihnen als Wehrdienstgeschädigten zusteht.

Ein großes Manko ist beim bisherigen Verfahren, dass der traumatisierte Antragsteller in der Beweispflicht ist. Allein schon wenn der Gesetzgeber hier die Beweislast umkehren würde, wäre vieles gewonnen, würden viele Fälle nicht negativ beschieden. Und: Mit Blick auf den Bundeswehr-Gesamtetat handelt es sich bei den anfallenden Versorgungsleistungen wohl eher um „Peanuts“.

Den in der Seele verwundeten Soldaten muss - auch finanziell - die helfende Hand gereicht werden.

@ Siegfried.Michel@op-online.de

Quelle: op-online.de

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