Guttenbergs in Afghanistan

Kommentar: Wo bleibt die Seriosität?

Je mehr die Politik an Akzeptanz und Mehrheitsfähigkeit verliert, desto stärker scheint sich der politische Populismus auch des Privatesten zu bedienen. Seit Ex-Kanzler Gerhard Schröder während eines TV-Duells öffentlich eine Liebeserklärung an seine Frau abgab, sind alle Dämme gebrochen. Es menschelt schwer im politischen Betrieb. Von Ullrich Riedler

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, selbst ein Meister der medialen Selbstinszenierung, hat diese Entwicklung jetzt getoppt.

Warb er zunächst beim ZDF-Jahresrückblick gegenüber Thomas Gottschalk - man ist per Du - noch für mehr ideelle Unterstützung der Bevölkerung für den Einsatz unserer Soldaten in Afghanistan, nahm er kurz darauf für einen Überraschungsbesuch vor Heiligabend seine Frau mit zum Truppenbesuch, um wenig später dem mitgereisten Johannes B. Kerner für dessen Talkshow am Originalschauplatz Rede und Antwort zu stehen.

Natürlich steckt hinter diesem Kümmerer-Image der Guttenbergs vor allem eine Imagestrategie: Seht her, wir haben ein glänzendes Politikerpaar vom Schlage der Obamas, das die Herzen erobert. Jetzt muss Karl-Theodor nur noch Kanzler werden.

Auf der Strecke bleiben Angemessenheit und Seriosität bei derlei Banalisierungen. Oder kann die ungeliebte Politik heute nur noch so funktionieren?

Quelle: op-online.de

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