Bürger verlieren Vertrauen

Kommentar: Bröckelnde Demokratie

Dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, was zum Beispiel die ständig steigende Zahl der Suppenküchen in unseren Städten zeigt, ist längst zu einem Problem in Deutschland geworden. Von Siegfried J. Michel

Immer mehr Bürger sind inzwischen schon so weit, dass sie die Systemfrage stellen. Nicht mehr 73 Prozent (wie im Jahr 1994), sondern nur noch 48 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass sich die Soziale Marktwirtschaft bewährt hat - ein Rekordtief. Der insgesamt wachsende Wohlstand in dieser Republik kommt bei vielen offenbar nicht mehr an. Die Folgen sind fatal: Nur noch gut die Hälfte der Deutschen sind mit der Demokratie zufrieden, lautet das erschreckende Ergebnis einer Umfrage.

Dem einst stolzen deutsche Adler mit seiner „Sozialen Marktwirtschaft“ wurden derart viele Federn gerupft, dass er ein beklagenswertes Bild bietet. Die „Soziale Marktwirtschaft“ ist in immer mehr Bereichen eben nicht mehr sozial. Wer für Hasardeure in der Bankenwelt Milliarden an Steuergeldern locker macht, mit seiner Politik Hoteliers, die Pharmabranche und Atomkonzerne profitieren lässt, muss sich nicht wundern, dass die Stimmungslage so bedenklich kippt. Auf diese Art und Weise befördern Politiker eine Art „Faulschwamm“ in seinem Wachstum, der inzwischen sichtbar an den Grundmauern des demokratischen Systems nagt. Dies hatte erst im Oktober auch eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung gezeigt, wonach „eine signifikante Zunahme antidemokratischer Einstellungen zu verzeichnen ist“.

Es ist allerhöchste Zeit, dass Politiker - aller Parteien - wieder für Rahmenbedingungen sorgen, um eine im Kern wirklich „Soziale Marktwirtschaft“zu beleben, in der sich die Bürger gut aufgehoben und mitgenommen fühlen.

Quelle: op-online.de

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