Überraschungsbesuch in Afghanistan

Bundeswehr-Einsatz: Gauck fordert Realismus

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Bundespräsident Joachim Gauck ist zu einem Besuch deutscher Soldaten in Afghanistan eingetroffen.

Masar-i-Scharif - Bundespräsident Joachim Gauck hat vor deutschen Soldaten in Afghanistan eine realistische Einschätzung der Lage des Landes gefordert. Er wünsche sich weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei, sondern Realismus.

Das sagte Gauck am Montag bei seinem ersten Besuch in Afghanistan im deutschen Hauptquartier bei Masar-i-Scharif. In Deutschland müsse ehrlich über den Einsatz gesprochen werden.

Der Bundespräsident dankte Soldaten und Helfern für ihr Engagement und schloss dabei Familien und Freunde der Deutschen in Afghanistan ein. Eine Woche vor Weihnachten sei dieser Dank besonders groß. Aus Gaucks Umgebung hieß es, es habe dem Bundespräsidenten viel daran gelegen, die deutschen Truppen noch vor den Festtagen zu besuchen.

Gauck: Überraschungsbesuch in Afghanistan

Gauck besucht unsere Soldaten in Afghanistan

Die letzten französischen Kampftruppen hatten Afghanistan am Wochenende verlassen. Deutschland will seine Kampftruppe mit Ende des offiziellen Isaf-Einsatzes in zwei Jahren heimholen, rüstet die Soldaten aber derzeit noch mit Kampfhubschraubern aus. Derzeit sind noch gut 4500 deutsche Soldaten am Hindukusch.

In Afghanistan herrschten immer noch kriegsähnliche Zustände, sagte Gauck. Der internationale Einsatz sei nicht am Ziel, aber er wolle bewusst von einem Erfolg sprechen. Man höre in Deutschland von verwundeten oder getöteten Soldaten, nicht aber von zivilen Errungenschaften wie Stromanschlüssen und Schulabschlüssen.

Seine eigene Lebensgeschichte habe gezeigt, dass ohne Mut und Ausdauer der gesellschaftliche Wandel nicht zu erreichen sei, sagte Gauck. Der Einsatz der Soldaten sei Ausdruck einer in unserer Gesellschaft nicht selbstverständlichen Bereitschaft zum Dienen und zur Hingabe. Militärisches Handeln könne aber nur Räume sichern, die dann mit friedlichem demokratischen Leben gefüllt werden müssten.

Die jahrzehntelange Abfolge von Kriegen in Afghanistan fordert derweil weitere Opfer. In der Ostprovinz Nangarhar kamen am Montag mindestens zehn Mädchen bei der Explosion einer Landmine um. Zwei weitere wurden verletzt. Die Kinder seien beim Sammeln von Feuerholz auf die Mine gestoßen, erklärte die Polizei. Nach Informationen der Vereinten Nationen leben mehr als eine Million Afghanen nicht weiter als 500 Meter von vermintem Gelände entfernt. Jeden Monat werden durch Minen im Durchschnitt 42 Afghanen verstümmelt oder getötet.

In Kabul riss am Montag ein Selbstmordattentäter einen Menschen mit in den Tod. Mindestens 15 weitere Zivilisten wurden verletzt. Zu dem Anschlag nahe einer Logistikfirma bekannten sich die Taliban.

Gauck war am Abend (Ortszeit) mit einer zivilen Airbus A310 der Bundesregierung in Masar-i-Scharif eingetroffen. Die Reise war aus Sicherheitsgründen nicht angekündigt. Gauck will mehrere Tage im Land bleiben. Er wurde von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt und vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, begleitet.

Das waren die deutschen Bundespräsidenten

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Der Kommandeur des ISAF-Regionalkommandos, Generalmajor Erich Pfeffer, gab Gauck einen Überblick über die militärische Lage. Im Camp Marmal bei Masar-i-Scharif sind etwa 2000 Bundeswehr-Soldaten stationiert. Es ist das größte Feldlager der Bundeswehr außerhalb Deutschlands. Insgesamt sind dort 5000 Soldaten der USA, Norwegens und anderer Länder der Nato-geführten Truppe ISAF im Einsatz.

Auch Gaucks Vorgänger Christian Wulff und Horst Köhler hatten jeweils einmal während ihrer Amtszeit Afghanistan besucht, zuletzt Wulff im Oktober 2011. Im November war Verteidigungsminister Thomas de Maizière erstmals mit einem zivilen Regierungs-Airbus direkt nach Masar-i-Scharif geflogen. Davor mussten Regierungsmitglieder im usbekischen Termes in eine Militärmaschine umsteigen. Der Direktflug soll auch die Fortschritte in der Sicherheitslage im Norden Afghanistans unterstreichen. Seit Sommer 2011 ist dort kein Bundeswehr-Soldat mehr ums Leben gekommen.

dpa

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