Chemie im Gemüse

Kommentar: Angebot und Nachfrage

Bio-Litschi aus Thailand, Curryblätter aus Indien, Avocados aus der Dominikanischen Republik - wer‘s in der Küche exotisch mag, lebt gefährlich. Wahre Chemikalien-Cocktails haben Prüfer des Hessischen Landeslabors in jeder vierten Luftfracht-Sendung auf dem Frankfurter Flughafen entdeckt. Von Ralf Enders

Und selbst weniger spektakuläre Nahrungsmittel wie Paprika oder Basilikum aus Spanien oder Israel sind regelmäßig mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Eine Messerspitze Triazophos, eine Prise Clothianidin und ein Teelöffel Methiocarb - Mahlzeit!

Selbstverständlich sind die Kontrollen am Flughafen uneingeschränkt zu begrüßen. Denn dass wir Obst und Gemüse aus aller Welt kaufen können, wird keiner mehr rückgängig machen. Und immer nur heimische Rübengerichte sind auf Dauer ja auch wenig befriedigend.

Gleichwohl: Müssen wir die Geschmackserfahrung jedes seltenen Pflänzchens aus dem gottverlassensten Winkel der Erde machen? Brauchen wir Fleisch von handgestreichelten Kudus auf dem Teller? Oder Spargel im März und Erdbeeren an Weihnachten? Nein.

Doch dies alles wird solange unter möglichst profitablen Bedingungen produziert und geliefert, solange der deutsche Verbraucher es verlangt und gedankenlos konsumiert. Morgens auf dem Wochenmarkt Sellerie aus Thailand kaufen und mittags gegen den Flughafen demonstrieren. Die Kinder vom bösen Fast Food fernhalten, aber mit südafrikanischen Tafeltrauben verköstigen - es ist schwer, politisch korrekt UND vernünftig zu sein.

Essen wir einfach öfter das, was um die Ecke wächst. Schmeckt gut und muss nicht um die halbe Welt reisen.

Quelle: op-online.de

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