Russland: Chodorkowski schuldig gesprochen

Moskau - Der inhaftierte Kremlkritiker Michail Chodorkowski ist in einem umstrittenen Gerichtsverfahren schuldig gesprochen worden. Unmittelbar danach wurde die Presse aus dem Saal geworfen.

Das meldete die Agentur Interfax am Montag aus dem Gerichtssaal in Moskau. Dem 47-jährigen Kritiker von Regierungschef Wladimir Putin wurde in dem international beachteten Prozess Unterschlagung von 218 Millionen Tonnen Öl vorgeworfen. Das Strafmaß wird voraussichtlich erst in einigen Tagen verkündet. Dem Kremlkritiker droht eine Haftstrafe von bis zu 14 Jahren.  Chodorkowski hat die Vorwürfe stets als politisch motiviert zurückgewiesen.

Russland: So pompös wird ein Mafia-Fürst beerdigt

Russland: So pompös wird ein Mafia-Fürst beerdigt

Chodorkowski hat den neuen Schuldspruch gegen ihn mit demonstrativen Desinteresse aufgenommen. Der 47-jährige Milliardär habe Papiere durchgesehen, als Richter Viktor Danilkin in Moskau seine Entscheidung verkündete. Das meldete die Agentur Interfax am Montag. Chodorkowskis mitangeklagter früherer Geschäftspartner Platon Lebedew las ein Buch. Die beiden Ex- Öl-Manager sollen 218 Millionen Tonnen Öl unterschlagen haben.

Chodorkowskis Ehefrau Inna hatte mit einem Schuldspruch gerechnet. Sein Anwalt Wadim Kljuwgant kündigte umgehend Revision an. Beobachter vermuten, dass die russische Führung den noch immer einflussreichen und finanzstarken Chodorkowski über die Präsidentenwahl 2012 hinaus politisch kaltstellen will.

Presse aus dem Gerichtssaal verwiesen

Gleich nach dem Schuldspruch gegen den inhaftierten Kremlkritiker Michail Chodorkowski hat Richter Viktor Danilkin die Presse aus dem Gerichtssaal ausgewiesen. Gründe nannte er dafür nach Angaben der Agentur Interfax vorerst nicht.

Seit dem frühen Montag hatten zahlreiche Journalisten aus aller Welt vor dem Gerichtsgebäude in Moskau ausgeharrt. Vor dem Gerichtssaal kam es dann zu chaotischen Szenen, als Reporter und Beobachter hinein drängten.

Das Verfahren gegen Chodorkowski und dessen mitangeklagten Ex-Geschäftspartner Platon Lebedew war international stark umstritten. Deutschland und die USA hatten den Prozess wiederholt kritisiert.

Chodorkowski verbüßt bereits eine Haftstrafe von acht Jahren wegen Steuerhinterziehung und Betrug, die im kommenden Jahr zu Ende geht. Bereits der erste Prozess galt als politisch motiviert und wurde von Beobachtern als Exempel gesehen, das der damalige Präsident Wladimir Putin statuierte, weil der Chef des inzwischen aufgelösten Öl-Konzerns Jukos politische Ambitionen zeigte und sich für die Opposition engagierte.

dpa/dapd

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare