Variante dominiert hierzulande

Delta-Variante rollt über Deutschland – Expertin warnt vor „bösem Erwachen“

Erstmals dominiert die Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland. Mehrere Experten warnen vor Leichtsinnigkeit und mahnen zur Vorsicht.

Kassel – In Deutschland breitet sich die als besonders ansteckend geltende Corona*-Variante Delta immer weiter aus. Zudem sind in den vergangenen zwei Wochen die täglichen Impfzahlen in der Bundesrepublik deutlich zurückgegangen, das Impftempo sinkt merklich. Dies geht aus den wöchentlichen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Nach Informationen des Berliner Instituts dominiert die Delta-Variante des Coronavirus außerdem erstmals mit einem Anteil von 59 Prozent.

Nun schlagen Experten aus der Medizin und der Politik Alarm. Gegenüber der Rheinischen Post forderte Susanne Johna, Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund „etwas mehr Kreativität bei den lokalen Behörden“. Entscheidend sei doch „dass wir nun auch all diejenigen erreichen, die bisher – aus welchen Gründen auch immer – noch zögern oder überzeugt werden wollen.“ Im Gespräch mit der Zeitung Welt sprach sich die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, für Impfaktionen in Fußgängerzonen, Wohnsiedlungen und bei Veranstaltungen aus.

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans schlug indes zusätzliche Anreize für Impfwillige vor. Demnach könne man „an eine Verlosung denken, bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird“, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Gerade in sozialen Brennpunkten seien entsprechende Sonderaktionen und mobile Impfteams nötig.

WHO-BezeichnungDelta
Wissenschaftliche BezeichnungB.1.617.2
ErstnachweisIndien im Oktober 2020
„Besorgniserregend“-Status seit11. Mai 2021

Delta-Variante des Coronavirus dominiert in Deutschland – Expertin warnt vor „bösem Erwachen“

Die Delta-Variante, auch unter Fachbezeichnung B.1.617.2 bekannt, gilt als deutlich infektiöser als das ursprüngliche Covid-19-Virus. Erste Vermutungen, dass die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe gegen die Weitergabe der Delta-Variante* nachlassen, bereitet den Forschenden ebenso Sorgen. Daher warnt Christine Falk vor Leichtsinnigkeit: „Wenn wir jetzt klug sind, sollten wir nicht wieder denken: Das wird schon von alleine“, mahnte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Sollten die Inzidenzen wieder nach oben gehen, müssten auch die Maßnahmen wieder verschärft werden, sagte Falk der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Weiter appelliert sie an die Bürger Deutschlands, sich „so schlau wie möglich“ zu verhalten und erklärt, dass man „diesem Virus einfach keine Sekunde über den Weg trauen“ dürfe. Sollte man die Delta-Variante unterschätzen, drohe ein „böses Erwachen“.

„Auf gar keinen Fall“ ohne Corona-Maske - Expertin äußert sich zu Delta-Variante in Deutschland

Als Negativbeispiel nannte Falk Australien. Der Kontinent habe sich für Corona-frei gehalten, dann sei „eine Flugzeugcrew durch das sehr engmaschige Quarantänenetz geschlüpft“. Animationen würden zeigen, wie ein Crewmitglied mehrere Menschen in einem Einkaufszentrum infiziert haben könnte. Die Alpha-Variante hätte sich laut der Expertin nicht so leicht übertragen lassen. Dazu sei gesagt, dass im „Land Down Under“ keine Maskenpflicht mehr herrscht.

„Das heißt, dass es bei Delta wenige Viruspartikel schaffen, einen Menschen zu infizieren. Und wir haben in Deutschland noch einen großen Anteil ungeimpfter oder nicht vollständig geimpfter Menschen. Ohne Maske geht es hier also auf gar keinen Fall“, erklärte Falk. Jüngst hatte sich Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) jedoch zu möglichen Corona-Lockerungen geäußert.

Mit 59 Prozent dominiert die Delta-Variante nun auch in Deutschland das Corona-Geschehen. Mehrere Experten warnen vor Leichtsinnigkeit und mahnen zur Vorsicht (Symbolbild).

Delta-Variante: WHO zeigt kein Verständnis für geplante Corona-Lockerungen in England

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt sich besorgt. Denn während England plant, am 19. Juli sämtliche Corona-Beschränkungen aufzuheben, gab WHO-Krisenmanager Mike Ryan auf einer Pressekonferenz zu Protokoll, dass jetzt „extreme Vorsicht“ angesagt sei. Die Vorstellung, Menschen sich eher früher als später mit dem Coronavirus infizieren zu lassen, bezeichnete er schlichtweg als „epidemiologische Dummheit“.

Weltweit sind bereits mehr als vier Millionen Menschen seit Beginn der Pandemie an einer Infektion oder in Verbindung mit Sars-CoV-2 verstorben. Dies zeigen Daten vom Mittwochabend (07.07.2021) der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (USA). Die Zahl der global bekannten Covid-Todesfälle steigt damit innerhalb von knapp drei Monaten von drei auf vier Millionen an. Experten gehen sowohl bei Infektionen als auch bei Todesfällen allerdings von einer noch höheren Dunkelziffer aus. (Nail Akkoyun) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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