Corona-Krise in Südamerika

Geldstrafe droht: Gericht in Brasilien ordnet Maskenpflicht für Präsident Bolsonaro an

Die Verfügung eines Gerichts verpflichtet Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro, in öffentlichen Räumen, Verkehrmitteln und Geschäften im Hauptstadtbezirk Brasília eine Schutzmaske zu tragen.

  • Brasilien hat einen starken Anstieg an Corona-Infizierten zu verzeichnen.
  • Präsident Jair Bolsonaro verharmlost das Virus.
  • Die Zahl der Infizierten übersteigt die Marke von einer Million

Update vom Dienstag, 23.06.2020, 20.25 Uhr: Ein Richter hat den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro angewiesen, in der Öffentlichkeit immer eine Schutzmasken zu tragen. Der Bundesrichter Renato Borelli forderte Bolsonaro auf, nicht mehr gegen die in der Hauptstadt Brasília geltende Maskenpflicht zu verstoßen. Bei weiteren Verstößen soll der Präsident eine Geldstrafe von 2000 Real (rund 340 Euro) zahlen.

Der Präsident habe die „verfassungsrechtliche Pflicht“, sich an die im Land geltenden Gesetze zu halten und das Gemeinwohl zu fördern, schrieb der Richter in seinem Urteil. Darum müsse er auch die „erforderliche Maßnahmen ergreifen, um das Recht der Bürger auf Gesundheit zu schützen“. Die Gerichtsentscheidung gilt auch für Bolsonaros Kabinett und seine Mitarbeiter.

Die Justiz folgt damit einer Zivilklage, die ein Anwalt aus der Hauptstadt eingereicht hat. Im Hauptstadtdistrikt ist nach einem Dekret des Gouverneurs Ibaneis Rocha das Tragen von Masken in der Corona-Pandemie verpflichtend. „Das Verhalten des Präsidenten der Republik, Jair Messias Bolsonaro, zeigt die klare Absicht, die von der Regierung des Hauptstadtdistrikts auferlegten Regeln zu brechen“, zitierte das Portal „G1“ weiter aus der Begründung des Gerichts. 

Vor kurzem war der damalige Bildungsminister Abraham Weintraub wegen der Teilnahme an einer Demonstration von Regierungsanhängern in Brasília ohne Maske zur Zahlung von 2000 Reais verdonnert worden.

Zahl der Corona-Toten in Brasilien übersteigt Marke von 50.000

Update vom Montag, 22.06.2020, 6.25 Uhr: In Brasilien hat die Zahl der verzeichneten Todesopfer durch die Corona-Pandemie die Marke von 50.000 überschritten. Am Sonntag wurden weitere 641 Todesfälle binnen 24 Stunden registriert, womit die Gesamtzahl auf 50.617 stieg, wie das Gesundheitsministerium in Brasília mitteilte. 

Die offizielle Zahl der Infektionen im größten und bevölkerungsreichsten lateinamerikanischen Land lag bei 1,085 Millionen. Brasilien ist nach den USA das am zweitstärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt. In den Vereinigten Staaten lag die Zahl der Corona-Toten am Sonntag bei fast 120.000. Mehr als 2,2 Millionen Infektionsfälle wurden in den USA verzeichnet.

Die Armenviertel leiden besonders unter Corona

Update vom Sonntag, 21.06.2020, 09.00 Uhr: Während in Europa allmählich wieder Normalität zurückkehrt, hat Brasilien gerade die Marke von einer Million Corona-Infizierten durchbrochen, fast 50.000 Menschen sind tot. Bislang seien 49.976 Patienten im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, teilte das brasilianische Gesundheitsministerium am Samstag mit. Die tatsächliche Zahl dürfte nach Einschätzung von Experten allerdings wesentlich höher sein, da Brasilien nur relativ wenig testet.

Die Bewohner der Favela Paraísópolis in São Paulo haben sich in der Corona-selbst organisiert.

Die Armensiedlungen von Rio und São Paulo, wo viele Schwarze leben, leiden besonders. Den Bewohnern fehlt es oft am Nötigsten. „Alles bereitet uns Sorgen“, sagte Neila Marinho vom „Krisenkabinett“ der Favela Complexo do Alemão in Rio de Janeiro der dpa. „Angefangen damit, dass die Leute wissen, was passiert. Bis dahin, dass wir ihnen Essen und Seife bringen.“ Die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu sterben ist in Rio für Favela-Bewohner fünfmal höher als für Leute aus wohlhabenden Gegenden.

Corona in Brasilien: Bolsonaro würde Krise am liebsten aussitzen

Während die Regierung des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro die Corona-Krise am liebsten aussitzen würde, organisieren sich die Bewohner der Armenviertel deshalb selbst. Die Favela Paraísópolis in São Paulo, wo etwa 100.000 Menschen leben, hat nun sogar Ärzte und Krankenwagen unter Vertrag. Die reguläre Ambulanz kommt nicht mehr.

Neila Marinho ist im Complexo do Alemão nun schon seit drei Monaten zu Hause. Anderen fiel das schwer, sie mussten raus zum Arbeiten. So waren viele Läden nur kurz geschlossen. Viele Leute gingen bald wieder auf die Straße. „Wenn der Präsident sagt: ‚Das ist nur eine Grippe‘, rausgeht und so tut, als sei nichts - was machen dann wohl seine Wähler?“, erzählte Marinho der dpa.

Und weil sie den offiziellen Angaben misstrauen, erheben die Favela-Bewohner sogar ihre eigenen Corona-Statistiken. Für Rio waren es zum Ende der Woche 1966 Infizierte und 415 Tote.

Corona in Brasilien: Virus fordert erneut mehr als 1.200 Todesopfer an einem Tag

Update vom Donnerstag, 18. Juni 2020, 19:00 Uhr: Brasilien leidet wie kaum ein anderes Land unter der Corona-Pandemie. Die Zahl der Infektionen nähert sich der Millionenmarke - obwohl im größten Land Südamerikas kaum getestet wird.

Doch nicht bei den Corona-Infektionen steht sich Brasilien vor einem traurigen Rekord. Auch die Zahl der Todesfälle infolge einer Erkrankung mit Covid-19 ist in dem vom rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsoanro regierten Land dramatisch hoch. Am zweiten Tag infolge meldete das Gesundheitsministerium mit Sitz in der Hauptstadt Brasilia mehr als 1.200 Todesopfer.

Chaos in Brasilien: Coronavirus breitet sich immer rascher aus

Update vom Mittwoch, 17.06.2020, 13.00 Uhr: Im schwer von der Corona-Pandemie getroffenen Brasilien hat die Zahl bestätigter Neuinfektionen mit fast 37.300 binnen 24 Stunden einen neuen Tageshöchststand markiert. Landesweit haben sich damit inzwischen mehr als 923.000 Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckt, die Zahl der Toten stieg nach offiziellen Angaben um knapp 1300 auf mehr als 45.000. 

Corona in Brasilien: Sehr hohe Dunkelziffer wahrscheinlich

Experten gehen allerdings von einer sehr hohen Dunkelziffer in Brasilien aus, auch weil das Land sehr wenig testet. Die WHO-Expertin Carissa Etienne äußerte sich extrem besorgt über die Situation in Brasilien.

Auf das Land entfielen 23 Prozent aller Infektions- und 21 Prozent aller Todesfälle in Nord- und Südamerika, sagte Etienne bei einer Pressekonferenz. „Und wir sehen nicht, dass die Ansteckungsrate sich verlangsamt“, fügte sie hinzu.

Corona in Brasilien: Jair Bolsonaro lässt das Land im Chaos versinken

Lateinamerikas bevölkerungsreichstes Land erlebte in den vergangenen zwei Wochen einen rasanten Anstieg der Corona-Fallzahlen. Dennoch werden in Brasilien vielerorts Maßnahmen gelockert, Geschäfte und Strände sind inzwischen wieder geöffnet.  Noch immer verharmlost Präsident Jair Bolsonaro die vom Virus ausgelöste Krankheit Covid-19 und sorgt damit weiter für Verwirrung und Chaos.

Mehr als ein Viertel der bis Dienstagabend neu registrierten Todesfälle gab es mit 365 im Bundesstaat São Paulo. Der Staat Rio de Janeiro mit der gleichnamigen Stadt am Zuckerhut folgt mit 239 neuen Todesfällen. In beiden Staaten gab es bisher auch die meisten Toten.

Corona: Brasilien stellt traurigen Rekord hinter USA auf 

Update vom Sonntag, 14.06.2020, 10.32 Uhr: Brasilien ist nun das Land mit den zweitmeisten Corona-Toten weltweit. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, sind in dem größten und bevölkerungsreichsten Land Lateinamerikas weitere 909 Patienten innerhalb eines Tages im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben.

Damit stieg die Zahl der Corona-Toten in Brasilien bis zum Freitagabend (Ortszeit) auf 41.828. Das Land überholte damit Großbritannien. 828.810 Menschen haben sich in Brasilien mit dem Virus infiziert.

Update vom Freitag, 12.06.2020, 12.57 Uhr: In Brasilien haben Aktivistinnen und Aktivisten gegen die Corona-Politik der Regierung* protestiert. Da mehr als 40 000 Menschen in dem Land bereits an den Folgen der Corona-Infektion gestorben sind, haben Freiwillige der Organisation Rio de Paz 100 leere Gräber am Strand der Copacabana ausgehoben und dazu Kreuze aufgestellt. „Die schwierigste Demonstration unserer Geschichte“ verkündete Antonio Costa, Präsident der Organisation auf Twitter. 

In mehreren Städten Brasiliens demonstrieren Bürgerinnen und Bürger seit Tagen auf der Straße gegen den Umgang des Präsidenten Jair Bolsonaro mit der Pandemie. Bolsonaro hatte das Coronavirus stets verharmlost und weigert sich weiterhin strikte Beschränkungen einzuführen, um dessen Verbreitung einzudämmen. 

Corona in Brasilien: Regierung verzerrt Zahlen der Todesopfer

Update vom Dienstag, 09.06.2020, 12.06 Uhr: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat angekündigt, künftig doch wieder detaillierte Daten zur Entwicklung der Corona-Pandemie in Brasilien zu veröffentlichen. Vergangene Woche noch hatte das brasilianische Gesundheitsministerium erklärt, fortan nur noch neue Infektionen und Todesfälle und keine Gesamtzahlen mehr zu veröffentlichen. 

Brasilien will Corona-Zahlen nur nach 22 Uhr veröffentlichen

Die Gesamtzahlen werden zwar nun wieder veröffentlicht, doch laut Bolsonaro, erst nach 22 Uhr. Damit können sie nicht mehr in den Abendnachrichten verkündet werden. Und auch mit anderen Mitteln versucht Brasiliens Regierung die tatsächlichen Ausmaße der Pandemie, so klein wie möglich darzustellen, berichtet die „Deutsche Welle“. In die tägliche Zählung der Todesopfer werden etwa nur Personen aufgenommen, die in den vergangenen 24 Stunden gestorben sind und bei denen noch am selben Tag Covid-19 als Todesursache bestätigt wurde. Personen, bei denen dies erst später geschieht, werden nicht mehr erfasst. 

Proteste gegen die Verzerrung der Zahlen kommen sowohl aus der Zivilgesellschaft in Form von Straßenprotesten, als auch aus den vielen Bundesstaaten, die selbstständig  strengere Corona-Beschränkungen eingesetzt haben. Bolsonaro setzt unterdessen auf das Argument der Privatsphäre bezüglich der eigenen Gesundheit.

Brasilien stoppt Veröffentlichung von Gesamt-Corona-Zahlen

+++ 22.34 Uhr: Brasiliens Regierung gibt nicht mehr die Gesamtzahlen der Corona-Fälle in dem besonders stark betroffenen Land preis. Seit dem Wochenende werden auf der Webseite des Gesundheitsministeriums für Corona-Statistiken nur noch täglich die in den vorherigen 24 Stunden neu registrierten Zahlen von Infizierten und Todesopfern bekanntgegeben. Die Seite war für die Umstellung zwischenzeitlich nicht aufrufbar.

Der rechte Präsident Jair Bolsonaro schrieb auf Twitter von einer Anpassung. Die Staatsanwaltschaft des südamerikanischen Landes leitete Ermittlungen ein und forderte den Übergangs-Gesundheitsminister, den General Eduardo Pazuello, auf, innerhalb von 72 Stunden den Schritt zu erklären.

Bolsonaro spielt bereits seit Ausbruch der Pandemie die Gefahr durch die Lungenkrankheit Covid-19 herunter. Der Staatschef spricht von einer "leichten Grippe" und lehnt Schutzmaßnahmen ab. Er befürchtet, dass ein Lockdown der Wirtschaft des Landes schaden könnte. Am Freitag drohte er mit einer Kündigung der Mitgliedschaft Brasiliens in der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der er ideologische Voreingenommenheit vorwarf.

Corona in Brasilien: Jair Bolsonaro will auch aus der WHO austreten

Update vom Sonntag, 07.06.2020, 15.27 Uhr: Nach dem Rückzug der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) droht nun auch Brasilien mit diesem Schritt. „Die USA sind schon ausgetreten. Entweder die WHO arbeitet ohne ideologische Voreingenommenheit oder wir sind auch draußen“, sagte der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro dem Sender CNN Brasil am Freitagabend (Ortszeit). „Wir brauchen keine Leute von außerhalb, die uns Tipps bei der Gesundheit hier geben.“

Ende Mai hatten die USA sich aus der WHO zurückgezogen. Während die Vereinigten Staaten allerdings einer der größten Geldgeber der UN-Sonderorganisation gewesen waren, hatte Brasilien einem Bericht der Zeitung „Folha de S. Paulo“ zufolge bereits 2019 aufgehört, Beiträge zu zahlen. Demnach stehen von dem größten Land in Lateinamerika Zahlungen von 33 Millionen US-Dollar aus.

Bolsonaro, der auch als „Tropen-Trump“ bezeichnet wird, verwies auf die Kontroverse, die die WHO mit ihren Tests mit Hydroxychloroquin bei der Covid-19-Behandlung verursacht habe. „Wofür braucht man diese WHO? Die WHO hat vor einigen Tagen empfohlen, die Studien zu Hydroxychloroquin nicht fortzusetzen, und jetzt nimmt sie sie wieder auf“, sagte der rechte Präsident. Wie Trump verspricht er sich von dem umstrittenen Malariamittel Hilfe gegen die grassierende Coronavirus-Pandemie.

Brasilien entwickelt sich immer mehr zum neuen Zentrum der Pandemie. Die Zahl der gemeldeten Corona-Infizierten ist auf über 646.000 gestiegen. Mehr als 35.000 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus bislang gestorben.

Ein Toter pro Minute: Corona-Krise in Brasilien nimmt dramatische Ausmaße an

Update vom Freitag, 05.06.2020, 07.30 Uhr: Die Corona-Krise in Brasilien nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Laut offiziellen Zahlen vom Donnerstag stieg die Zahl der Corona-Toten in dem südamerikanischen Land um weitere 1473 Fälle auf 34.021, wie das Gesundheitsministerium in Brasilien mitteilte. Damit mussten die Behörden am dritten Tag hintereinander einen Negativ-Rekord bei der Zahl der Corona-Toten registrieren. 

Brasilien verzeichnet inzwischen auch mehr Tote als Italien und ist nun das Land mit der weltweit dritthöchsten Zahl von Todesopfern der Corona-Pandemie. Nachweislich mit dem Virus infiziert haben sich in dem Land bislang 614.941 Menschen. Die tatsächliche Zahl dürfte weit höher liegen, auch weil Brasilien unter Präsident Jair Bolsonaro sehr wenig testet, im öffentlichen Gesundheitssystem etwa nur schwere Fälle. 

Inzwischen tötet das Virus in Brasilien mindestens einen Menschen pro Minute, wie die Zeitung „Folha de S. Paulo“ ausrechnete. Ihre Internetseite war am Donnerstagabend schwarz hinterlegt.

Corona in Brasilien: Trump schickt Bolsonaro „Geschenk Gottes“

Update vom Sonntag, 31.05.2020, 12.46 Uhr: Entgegen medizinischer Empfehlungen schicken die USA zwei Millionen Dosen Hydroxychloroquin zum Einsatz gegen das Coronavirus nach Brasilien. Das Malariamittel soll zur Prävention bei Krankenschwestern und Ärzten sowie zur Behandlung von Infizierten eingesetzt werden, so eine gemeinsame Erklärung der beiden Länder vom Sonntag (31.05.2020).

Um das Medikament zur Anwendung bei Corona-Patienten zu empfehlen, hatte das brasilianische Gesundheitsministerium jüngst seinen Leitfaden für Ärzte geändert. Gesundheitsminister Nelson Teich, selbst ein Mediziner, hatte gar um seine Entlassung gebeten, weil er anders als der rechte Präsident Jair Bolsonaro gegen den Einsatz war.

Ob das Medikament tatsächlich zur Behandlung der Lungenkrankheit Covid-19 geeignet ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Trotzdem versprechen sich einige, wie Bolsonaro oder US-Präsident Donald Trump, von dem Medikament Hilfe gegen die grassierende Coronavirus-Pandemie. Trump hatte Hydroxychloroquin als „Geschenk Gottes“ gepriesen und das Medikament eigenen Angaben zufolge zumindest vorübergehend prophylaktisch eingenommen, um sich gegen eine Ansteckung zu schützen.

Zahl der Corona-Toten in Brasilien klettert rasant

Update vom Sonntag, 31.05.2020, 08.30 Uhr: Die Zahl der Corona-Toten in Brasilien steigt weiter rasant an und ist auf 28.834 geklettert. Damit hat das südamerikanische Land Frankreich überholt und hat nun die viertmeisten Todesopfer weltweit hinter den USA, Großbritannien und Italien. Bislang haben sich in dem größten Staat Südamerikas 498 440 Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, wie das brasilianische Gesundheitsministerium am Samstag (Ortszeit) mitteilte.

Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Jair Bolsonaro hält die Lungenkrankheit Covid-19 für eine „leichte Grippe“ und lehnt Schutzmaßnahmen ab. Er befürchtet, dass ein Lockdown der Wirtschaft des Landes schaden könnte. Allerdings haben eine Reihe von Bundesstaaten Ausgangsbeschränkungen verhängt und Betriebe geschlossen, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen.

Bolsonaro versagt auf ganzer Linie: Brasilien verzeichnet immer mehr Corona-Tote 

Update vom Samstag, 30.05.2020, 10.50 Uhr: In Brasilien ist die Zahl der Todesopfer durch das neuartige Coronavirus auf knapp 28.000 gestiegen. Das südamerikanische Land überholte damit Spanien und rückte bei der Zahl der Corona-Toten weltweit an fünfte Stelle. Innerhalb von 24 Stunden wurden 1124 weitere Todesfälle durch das Virus registriert, wie das Gesundheitsministerium in Brasília mitteilte.

Mit knapp 27.000 Fällen wurde zudem eine Rekordzahl neu registrierter Infektionen erreicht. Insgesamt infizierten sich in Brasilien nach Ministeriumsangaben bislang mindestens 465.000 Menschen. Damit steht das Land bei der Zahl der registrierten Fälle im internationalen Vergleich an zweiter Stelle nach den USA

Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Corona-Infektionen in Brasilien bis zu 15-mal höher ist als die offizielle Statistik angibt, da bislang nicht flächendeckend auf das Virus getestet wird.

Corona-Krise in Brasilien: Jair Bolsonaro sorgt weiter für Entsetzen

Update vom Donnerstag, 28.05.2020, 11.45 Uhr: In Brasilien nimmt das Entsetzen über die derzeitige Lage immer mehr zu. Inzwischen ist die Zahl der Corona-Todesfälle auf mehr als 25.000 gestiegen. Das Gesundheitsministerium teilte am Mittwoch (27.05.) mit, in den zurückliegenden 24 Stunden habe sich die Zahl um 1086 Menschen auf 25.598 erhöht. Damit überschritt die Zahl der Corona-Toten das fünfte Mal die Marke von 1000, seitdem sich die Corona-Krise in dem lateinamerikanischen Land vor einer Woche zugespitzt hatte. 

Corona in Brasilien: Niedrige Testquoten und Rekordzahlen bei Infektionen

Insgesamt haben sich in dem 210 Millionen Einwohner zählenden Land Behördenangaben zufolge 411.821 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Nach den USA ist Brasilien damit das am zweitstärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt, was die absoluten Infektionszahlen angeht. Wegen der niedrigen Testquote gehen Experten jedoch von deutlich höheren Infektionszahlen aus. 

Der am stärksten betroffene brasilianische Bundesstaat São Paulo verlängerte am Mittwoch die Ausgangsbeschränkungen bis zum 15. Juni. Zugleich kündigte Gouverneur Joao Doria an, „einige Aktivitäten“ könnten ab dem 1. Juni wieder erlaubt werden. 

Und Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro? Der kritisiert weiter die regionalen Corona-Maßnahmen und erklärt, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie drohten mehr Schaden anzurichten als das Virus selbst. „Die sogenannte zweite Welle kommt: Rezession. Es wird jeden treffen, ohne Ausnahme“, schrieb er jetzt auf Facebook.

Coronavirus im Epizentrum Brasilien: Die Horrorshow des Jair Bolsonaro

Erstmeldung vom Mittwoch, 27.05.2020: Entsetzen ist in Brasilien an der traurigen Tagesordnung angesichts der explodierenden Corona-Infektionszahlen. Aber als ob das noch nicht schon schlimm genug wäre, kriegen die Menschen im größten Land Lateinamerikas jetzt noch präsentiert, wie ihr rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro sich gibt, wenn er nicht vor Fernsehkameras oder Anhängern auftritt.

Corona-Pandemie ist Bolsonaro egal

Zu sehen – und vor allem zu hören – ist das in einem Video von einer Kabinettssitzung Ende April. Da waren bereits 3000 Brasilianer an gestorben. Inzwischen sind es mehr als 23.500. In dem Video wird klar, wie egal Bolsonaro und seinen Ministerinnen und Ministern die Pandemie ist: Völlig.

Denn Corona ist den Führern der Nation praktisch kein Thema – und alles andere ist eine willkommene Gelegenheit vor allem für Bolsonaro selbst, eine Unflätigkeit nach der anderen von sich zu geben. Gut zwei Stunden lang fallen gleich reihenweise Kraftausdrücke. Die Medien zählten 39 Flüche in dem Video, 31 davon aus dem Mund des Präsidenten. „Es zeigt die Vulgarität der derzeitigen Regierung. Sie sind wie Barbaren, die das Land ins Chaos stürzen, das Gesetz missachten und die Verfassung ignorieren“, wetterten die Oppositionsparteien im Kongress. „Es sind zwei Stunden voller Schimpfwörter und Wahn, voller Spott und Respektlosigkeit gegenüber dem Land“, schrieb die Kolumnistin Miriam Leitão in der Zeitung „O Globo“.

Bolsonaro gegen Anti-Corona-Maßnahmen

Bolsonaro beschimpft zwei Gouverneure als „Stück Scheiße“ und einen „Haufen Mist“, weil sie sich durch Ausgangsbeschränkungen ihm widersetzen. Der Bildungsminister wollte den Obersten Gerichtshof ins Gefängnis werfen, weil der den Bundesstaaten die Entscheidungshoheit über die Anti-Corona-Maßnahmen zugesprochen hat. Und die Ministerin für Frauen und Menschenrechte wollte die Gouverneure und Bürgermeister gleich noch dazu verhaften lassen.

Veröffentlicht wurde das Video am Freitag vom Obersten Gerichtshof in Zusammenhang mit dem Rücktritt des Justizministers Sergio Moro zwei Tage nach jener Sitzung zurücktrat. Er wirft Bolsonaro vor, die Arbeit der Bundespolizei beeinflussen zu wollen. Die untersucht mehrere Delikte, in die Bolsonaros Clan verwickelt sein soll. In dem Video rastet der Präsident aus, weil die Behörde ihm nichts dazu sagt. „Ich werde nicht warten, dass sie meine Familie und Freunde ficken.“

Journalisten von Bolsonaro beschimpft

Auf solche Worte passt dann wie die Faust aufs Auge, dass nun zwei der größten Medienhäuser Brasiliens die informellen Pressekonferenzen des Staatschefs nicht mehr mitmachen. Für die Sicherheit der Journalisten gebe es dabei keinen ausreichenden Schutz, erklärten der Medienkonzern Globo und die Zeitung „Folha de Sao Paulo“ am Montag.

Der Präsident gibt oft morgens vorm Alvorada-Palast in der Hauptstadt Brasília Pressestatements ab. Dabei beleidigt Bolsonaro fast regelmäßig Reporter oder macht obszöne Gesten in ihre Richtung. Bolsonaros Fans dort beschimpfen die Journalisten ebenfalls – am Montag als „Abfall, Ratten, Kommunisten“, wie der Vize-Chef der Globo Group, Paulo Tonet Camargo, in einem Brief an den für nationale Sicherheit zuständigen Minister schreibt. (mit afp)

von Peter Rutkoswki

Brasiliens Präsident Bolsonaro kündigt einen Rodungsstopp im Amazonas-Regenwald* an. Die internationale Gemeinschaft sollte sich aber keine großen Hoffnungen machen.

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Rubriklistenbild: © AFP

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