Coronavirus

Corona-Risikogebiete: Streit über Beherbergungsverbot nimmt an Schärfe zu

In großen Städten steigen die Corona-Fallzahlen schnell an, immer mehr Metropolen überschreiten Grenzwerte. Der Vorsitzende des Weltärztebundes fordert nun Ausreisekontrollen für Risikogebiete.

  • Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus* steigt in Deutschland sehr stark an.
  • Die Bundesländer haben ein Beherbergungsverbot* für Reisende aus diesen Regionen beschlossen – doch die Umsetzung erfolgt überall verschieden.
  • Frank Ulrich Montgomery hält das Beherbergungsverbot für unsinnig und fordert stattdessen Ausreisekontrollen.

Update vom Dienstag, 13.10.2020, 15.00 Uhr: Viele Bundeslänger haben ein so genanntes Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten beschlossen. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery kritisiert dieses scharf: „Das halte ich für völligen Unsinn“, sagte er im Deutschlandfunk. Er fordere stattdessen Ausreisekontrollen.

Ihm zufolge sei es wichtig, dort anzusetzen, wo die Infektionszahlen besonders hoch sind. Demnach sollten nicht die Einreisen in andere Bundesländer kontrolliert werden, sondern die Ausreisen. Die Politik weigert sich jedoch, dies umzusetzen und komme daher laut Montgomery mit anderen absurden Vorschlägen wie dem Beherbergungsverbot.

Ohnehin nimmt der Streit über das Beherbergungsverbot vieler Länder zum Schutz vor Corona-Infektionen vor dem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch (14.10.2020) an Schärfe zu. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, forderte, das Verbot nochmals auf den Prüfstand zu stellen. „Gerade Hotels haben in einem großen Kraftakt die Hygienemaßnahmen umgesetzt und für Sicherheit gesorgt. Ein nochmaliger Lockdown der ganzen Hotelbranche muss verhindert werden.“ Der Chef des Landkreistages, Reinhard Sager, sprach im Nachrichtenportal „t-online“ von einem „im Alltag kaum zu überblickenden Flickenteppich und großer Verunsicherung in der Gesellschaft“.

Länderregierungschefs wie Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) und Markus Söder (Bayern) verteidigten das Beherbergungsverbot dagegen. „Wir brauchen eine klare, stringente Linie. Die kann in einer Zeit, wo die Zahlen immer mehr in Deutschland steigen, nicht Lockerung sein“, sagte Schwesig im ARD-„Morgenmagazin“ und sprach sich stattdessen für strengere Regeln aus, „insbesondere in Risikogebieten“. 

Söder rief dazu auf, strengere und einheitliche Maßnahmen zu ergreifen. Es müsse zum Beispiel erweiterte Maskenpflichten gelten. „Wir wollen keinen zweiten Lockdown. Aber ein zweiter Lockdown rückt näher, wenn es keinen Ruck gibt.“ Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus mahnte für das Treffen unter anderem in der Frage der Beherbergungsverbote eine einheitliche Linie an. „Ich erwarte morgen ein klares Signal gegen die Kleinstaaterei. Wir benötigen Klarheit für die Menschen in Deutschland. Dies gilt insbesondere für innerdeutsche Reisen“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag am Rande einer Veranstaltung in Hamburg.

Markus Söder verlangt „klarere Regeln für alle“.

Corona-Risikogebiete: Duisburg überschreitet Warnstufe – neue Einschränkungen

Update vom Montag, 12.10.2020, 7.10 Uhr: Duisburg hat in der Corona-Pandemie die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Wie aus den Angaben des Robert Koch-Instituts vom Montagmorgen hervorgeht, liegt der Wert bei 50,1 (Datenstand 12.10., 0.00 Uhr). Seit Beginn der Corona-Krise haben die Gesundheitsämter in der Stadt 3251 nachweisliche Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 gemeldet.

Am Sonntag hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) einheitliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Corona-Hotspots angekündigt. Sobald ein Kreis oder eine kreisfreie Stadt in NRW die Grenze von 50 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschreite, sollen sich dort nur noch bis zu fünf Personen aus verschiedenen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen dürfen. Außerdem sollen in diesem Fall Öffnungszeiten von Kneipen und Restaurants eingeschränkt werden. Für öffentliche Veranstaltungen sollen strengere Obergrenzen für die Teilnehmerzahl gelten. Für Feiern in privaten Räumen soll die Teilnehmerzahl dann auf 25 begrenzt werden.

Corona-Risikogebiete: Stuttgart und Offenbach erbitten Hilfe der Bundeswehr

+++ 16.50 Uhr: Auch die Stadt Mainz hat den kritischen Wert von 50 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten. Der Wert lag am Sonntag bei 57, wie das Sozialministerium in Rheinland-Pfalz mitteilte. Weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens wurden zunächst nicht angekündigt. Es werde jedoch eine lokale Task Force geben, die zeitnah zusammentrete. Die Stadt hatte in den vergangenen Tagen bereits Maßnahmen wie ein nächtliches Alkoholverbot beschlossen. Unterdessen hat die Stadt Offenbach (Inzidenz-Wert von 80,6) medizinisches Personal der Bundeswehr zur Hilfe angefordert. Die Soldaten sollen unter anderem das Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung von Kontakten und der Durchführung von Tests unterstützen.

Corona-Neuinfektionen: Stuttgart erbittet Hilfe der Bundeswehr

+++ 13.50 Uhr: Die Stadt Stuttgart mobilisiert zur Verfolgung von Kontaktpersonen im Zuge der Corona-Pandemie die ganze Stadtverwaltung. Zudem erbittet sie die Hilfe der Bundeswehr, wie Stefan Ehehalt, Leiter des Stuttgarter Gesundheitsamts, jetzt mitteilte. „Die Zahlen steigen auf besorgniserregende Weise an, und zwar so stark, dass das Gesundheitsamt die für die Kontrolle der Pandemie so wichtige Kontaktpersonennachverfolgung nicht mehr gewährleisten kann“, so Ehehalt. Zuvor war in der Landeshauptstadt die Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten worden ist, der Wert war am Samstagabend auf 50,5 gestiegen.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sagte nach einer Telefonkonferenz zur Lagebesprechung: „Wir müssen jetzt entschieden handeln, um die Zahl der Neuinfektionen sofort wieder runter zu bekommen. Nur so können wir Schulen, Kitas, Wirtschaft und Handel offen halten. Nur so kann es gelingen, dass wieder alle Fälle durch das Gesundheitsamt nachvollzogen werden können.“

Stuttgart zählt jetzt auch zu den Corona-Risikogebieten.

Bayern: Starker Anstieg von Neuinfektionen in Rosenheim, Memmingen, Fürstenfeldbruck, Regen

+++ 11.30 Uhr: In den Corona-Brennpunkten in Bayern sind die Infektionswerte weiter gestiegen. Nach Angaben des RKI lag die Anzahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den Städten Memmingen und Rosenheim sowie in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Regen auch am Sonntag (11.10.2020) über der kritischen Schwelle.

Die kritische Marke liegt bei 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. In Rosenheim wurden 70,8 Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche gemeldet. Im Landkreis Fürstenfeldbruck lag dieser Wert bei 64,3. In der kreisfreien Stadt Memmingen bei 56,7 und im Landkreis Regen bei 60,7.

Anstieg an Neuinfektionen in Bayern: Söder warnt

Die bayerische Landeshauptstadt München lag mit 48,6 nur noch knapp unterhalb des Grenzwerts von 50. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte deshalb die Menschen eindringlich zur Beachtung der Corona-Regeln ermahnt. In mehreren Interviews forderte der CSU-Chef für Verstöße gegen die Maskenpflicht bundeseinheitliche Bußgelder von 250 Euro. In Bayern gilt dieser Regelsatz bereits.

Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte der bayerische Regierungschef: „Das ständige Kleinreden der Herausforderung hat leider Wirkung. Die Geduld und die Mitmachbereitschaft der Bevölkerung sind dadurch gesunken.“ Corona sei genauso gefährlich wie im Frühjahr. „Und wenn wir jetzt nicht rasch umsteuern, kann dieselbe Entwicklung wie in Frankreich oder Spanien mit explodierenden Zahlen und nicht mehr beherrschbaren Fällen eintreten“, warnte der CSU-Chef.

Corona-Risikogebiete: Essen überschreitet Warnstufe, Hamburg führt verschärfte Maskenpflicht ein

+++ 08.25 Uhr: Nun hat auch die Stadt Essen die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Das nordrhein-westfälische Landeszentrum Gesundheit gab den Wert für die knapp 600.000 Einwohner große Ruhrgebietsstadt am Sonntag mit 57,3 an. In Essen gelten nun unter anderem strenge Grenzen für Partys.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußert sich zu den Entwicklungen in der Corona-Krise

Update vom Sonntag, 11.10.2020, 07.10 Uhr: Immer mehr große Städte in Deutschland werden zu Corona-Hotspots. Nachdem am Samstagmorgen Köln die Überschreitung der wichtigen Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen gemeldet hatte, folgte am Abend Stuttgart. Auch Berlin, Frankfurt und Bremen liegen über dieser Schwelle.

Auch in Hamburg gibt es viele Neuinfektionen, mit 38,8 Ansteckungen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche lag die Hansestadt am Samstag aber noch unter der 50er-Schwelle. Um die Ausbreitung des Virus abzubremsen, soll aber von Montag an eine verschärfte Maskenpflicht gelten. In öffentlichen Gebäuden und in Gastronomiebetrieben müsse dann grundsätzlich ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, sagte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD). Auf öffentlichen Plätzen mit starkem Gedränge sowie auf Demonstrationen und Großveranstaltungen werde ebenfalls eine Maskenpflicht gelten.

Corona-Risikogebiete: Markus Söder, Winfried Kretschmann und Michael Kretschmer warnen

Mehrere Ministerpräsidenten riefen die Menschen eindringlich zu Achtsamkeit auf. Vor allem Markus Söder (CSU) nutzte das Wochenende, um die Menschen immer wieder wachzurütteln. „Wir haben fünf vor zwölf. Man darf sich die Lage nicht länger schönreden“, warnte Söder in der „Bild am Sonntag“.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann mahnte in der „Bild am Sonntag“: „Ich erwarte von den Bürgern, dass sie aus Verantwortungsbewusstsein nicht mehr alles machen, was sie noch dürfen“. Der Grünen-Politiker fügte hinzu: „Man muss gerade keine Party bei sich zu Hause oder in der Gaststätte feiern.“ Einen erneuten Lockdown könne sich das Land nicht leisten. „Deshalb ziehen wir die Schrauben an anderer Stelle an. Partys muss man nicht feiern, arbeiten und lernen schon.“

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer appellierte in der „Welt am Sonntag“ ebenfalls an die junge Generation: „Jetzt sind nicht volle Partys gefragt, sondern Vorsichtsmaßnahmen - und Kontrolle.“ Der CDU-Politiker verteidigte schärfere Regeln. „Wir brauchen jetzt gewisse Instrumente, um der Lage Herr zu werden. Wir wollen unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben weitgehend erhalten“, sagte er.

Corona in Deutschland: Markus Söder äußert sich zur aktuellen Lage

+++ 20.56 Uhr: Die Stadt Stuttgart hat in der Corona-Krise die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Das teilte die Landeshauptstadt am Samstagabend mit. Die Stadt bereite derzeit Einschnitte wie die Einführung einer Sperrstunde, Alkoholkonsum-Beschränkungen und die Maskenpflicht innerhalb des City-Rings vor.

+++ 20:14 Uhr: CSU-Chef Markus Söder hat sich zur momentanen Lage geäußert. Angesichts der stark steigenden Corona-Infektionen in weiten Teilen Deutschlands hat er die Menschen dazu aufgerufen, weiterhin vorsichtig zu sein. „Leider sind wir auf dem Weg zu exponentiellem Wachstum, gerade in den Großstädten ist die Herausforderung sehr, sehr groß“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Samstag, laut der Deutschen Presse Agentur. Vor allem leichtsinniges Verhalten und eine nachlassende Disziplin beim Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln mache ihm Sorgen.

Die Infektionszahlen haben einen Höchststand seit Beginn der Pandemie im Frühjahr erreicht. Innerhalb eines Tages wurden 4721 neue Corona-Infektionen gemeldet. Vor allem Berlin, Frankfurt am Main und Bremen sind betroffen.

Söder zur momentanen Infektionslage: „Sind die Krankenhäuser voll, ist es zu spät“

Die Zahl der belegten Krankenhausbetten durch Corona-Patienten ist für Söder nicht der richtige Weg, den momentanen Stand der Infektionslage zu beurteilen. „Sind die Krankenhäuser voll, ist es zu spät“, sagte er. Außerdem bilden die jetzigen Infektionszahlen die Lage von vor zwei Wochen ab, inzwischen seien die Zahlen wahrscheinlich schon sehr viel höher. In Spanien und Frankreich füllen sich zudem gerade die Krankenhäuser.

Weiter vergleicht Söder die Lage mit dem Anfang der Pandemie: „Es ist genau das Gleiche, wie vor einem halben Jahr. Bei uns ist die Entwicklung ähnlich, halt nur zeitversetzt.“ Man habe einen zeitlichen Vorsprung, den man nicht verspielen dürfe. Um einen zweiten Lockdown verhindern zu können, müsse man jetzt klug und umsichtig bleiben, so Söder. Er hat auch eine klare Forderung: „Mehr Maske, weniger Alkohol, kleinere Versammlungen, kleinere Partys.“

Kassenarztchef kritisiert Vorgehen der Bundesländer im Kampf gegen die Corona-Pandemie scharf

+++ 10.20 Uhr: Kassenarztchef Andreas Gassen hat das Vorgehen der Bundesländer im Kampf gegen die Corona-Pandemie scharf kritisiert. „Diese Regelungswut ist oft eher kontraproduktiv“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mit Blick auf Beherbergungsverbote und Sperrstunden der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe).

Gassen bezeichnete innerdeutsche Reisen als „Pseudo-Gefahr“. Masseninfektionen gebe es durch traditionelle Großhochzeiten, in Fleisch verarbeitenden Betrieben und durch unkontrolliertes Feiern. Auch Sperrstunden und Alkoholverbote wie in Berlin seien „mehr als fragwürdig“. „Durch den Wust an nicht nachvollziehbaren Regelungen verlieren wir aber eventuell die Akzeptanz für die Maßnahmen, die wirklich etwas bringen“, warnte Gassen.

Warnungen, die Pandemie könnte außer Kontrolle geraten, wertete Gassen als überzogen. „Wir müssen aufhören, auf die Zahl der Neuinfektionen zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange, das führt zu falschem Alarmismus“, sagte Gassen. „Selbst 10.000 Infektionen täglich wären kein Drama, wenn nur einer von 1000 schwer erkrankt, wie wir es im Moment beobachten.“

Unterdessen hält der Virologe Christian Drosten in den kommenden Monaten wieder mehr bundeseinheitliche Regelungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie für notwendig. „Es ist gut, wenn es klare Regeln gibt. Das ist ganz eindeutig“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sie durchzusetzen, sei angesichts einer regional unterschiedlichen Häufigkeit der Krankheit derzeit verständlicherweise noch schwierig, räumte Drosten ein, betonte gleichzeitig aber: „Das Virus wird sich immer gleichmäßiger verteilen. Wir werden mehr und mehr in eine Situation kommen, wo man besser pauschal reguliert“.

Corona-Risikogebiete in Deutschland: Köln überschreitet Warnstufe

Update vom Samstag, 10.10.2020. 08.00 Uhr: Die Stadt Köln hat in der Corona-Pandemie die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Das nordrhein-westfälische Landeszentrum Gesundheit gab den Wert für die Millionenstadt am Samstag mit 54,8 an. Die Kölner Stadtverwaltung hatte das Überschreiten der Schwelle erwartet und deshalb von diesem Samstag an bereits zahlreiche Einschränkungen für das öffentliche Leben angeordnet.

Auf Straßen und Plätzen darf abends ab 22.00 Uhr kein Alkohol mehr konsumiert werden. An den Wochenenden gilt an Party-Hotspots ein Verkaufsverbot für Alkohol. Außerdem dürfen sich nur noch bis zu fünf Personen aus verschiedenen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen - bisher waren es zehn. In Fußgängerzonen müssen die Menschen Masken tragen.

Zudem wurde die Personenzahl bei Feiern beschränkt: Bei privaten Feiern in angemieteten Räumen sind künftig höchstens 25 Personen erlaubt. „Von Feiern in der eigenen Wohnung raten wir dringend ab“, hatte Reker gesagt. Mehr als zehn Personen sollten dort nicht zusammenkommen.

In Köln war die 50er-Marke bei den Neuansteckungen nach Angaben des Landeszentrums Gesundheit im März und April schon zweimal überschritten worden - damals wurde diesem Indikator aber noch keine so große Bedeutung beigemessen.

Corona-Risikogebiete in Deutschland: Viele Städte in NRW vor kritischem Grenzwert

Update vom Freitag, 9.10.2020, 13.27 Uhr: Viele Städte in Nordrhein-Westfalen bewegen sich auf den Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen zu oder haben ihn bereits überschritten. Während die Städte Hamm (74,48), Herne (56,25) und Remscheid (50,3) nach den Zahlen des RKI über dem Wert liegen, sind Köln (49,82), Hagen (49,82), Essen (48,39), Gelsenkirchen (46,99) Wuppertal (46,47), Unna (45,58) und Solingen (44,59) dicht dran, die Kriterien eines Corona-Risikogebiets in NRW zu erfüllen.

Der Städte- und Gemeindebund warnt vor immer mehr Risikogebieten innerhalb Deutschlands. Es sei nicht auszuschließen, dass bald jede Großstadt zu einem Corona-Risikogebiet werde, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg am Freitag im ZDF-“Morgenmagazin“. Die derzeitige Entwicklung sei besonders in Metropolen dynamisch. Man müsse aufpassen, dass Berlin nicht „zum neuen Ischgl wird“. Landsberg rief die Bundesländer zu mehr Einheitlichkeit bei den Corona-Maßnahmen auf. Dass Länder nicht mehr gemeinsam „an einem Strang ziehen“ sei „bedauerlich“. Er fügte hinzu: „Wenn die Bürger durch diesen Dschungel nicht mehr durchblicken, dann wird die Akzeptanz leiden.“

Auch die Europäische Kommission fordert eine einheitliche Definition von Corona-Risikogebieten für die gesamte EU. Die zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission Vera Jourova teilte gegenüber der „Welt“ mit, dass die Mitgliedsstaaten schnell zu einer Vereinbarung kommen müssten.

Chaos um Risikogebiete: Negative Corona-Tests in Schleswig-Holstein benötigt

+++ 17.53 Uhr: Bürger aus mehreren deutschen Städten und Kreisen müssen nach derzeitigem Stand einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen, wenn sie von Freitag an als Touristen in Schleswig-Holstein übernachten wollen. Betroffen waren mit Stand Donnerstagmittag zunächst Bremen, die nordrhein-westfälischen Städte Hamm, Remscheid und Hagen, Offenbach in Hessen sowie die Landkreise Emsland (Niedersachsen) und Esslingen (Baden-Württemberg), wie aus der Homepage der Landesregierung hervorgeht.

Shoppen mit Maske und Regenschirm auf der Zeil in Frankfurt: Hessens größte Stadt meldet Überschreitung des Corona-Schwellenwertes

+++ 17.34 Uhr: Frankfurt und Berlin überschreiten die kritische Kennziffer von mindestens 50 Corona-Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen je 100.000 Einwohner. In Berlin liegt die Kennziffer bei 52,8. Frankfurt reagiert auf die stark ansteigenden Fallzahlen mit einer Ausweitung der Maskenpflicht und Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen.

In Berlin ist vor allem der Stadtteil Neukölln von einer stark ansteigenden Zahl der Corona-Infektionen betroffen. Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz liegt hier bei alarmierenden 114,3. Es folgen die Stadtteile Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg mit 78.3 und 72,4.

Chaos um Corona-Risikogebiete: Spahn fordert beim Beherbergungsverbot einheitliche Regeln

Wo geht die Reise hin? Das weiß aktuell niemand so genau. (Symbolbild)

+++ 11.44 Uhr: In Sachen Beherbergungsverbot für Reisende aus deutschen Corona-Risikogebieten ist aktuell das Chaos perfekt. Zwar haben die Bundesländer am Mittwoch (07.10.2020) ein solches Beherbergungsverbot beschlossen. Doch welches Bundesland es wie umsetzt und welche Region überhaupt wann als Corona-Risikogebiet eingestuft wird, ist überall anders geregelt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat deshalb in einer Pressekonferenz am Donnerstag (08.10.2020) einheitliche Regeln für Reisen innerhalb Deutschlands gefordert. Er könne den Ärger der Menschen aus Corona-Risikogebieten verstehen, die wegen der Corona-Pandemie extra Reisen in Deutschland gebucht hätten und jetzt durch das Beherbergungsverbot eingeschränkt seien. Er könne aber auch die Bundesländer mit geringen Infektionszahlen verstehen, die keinen Viruseintrag durch Reisende in ihre Regionen wollten.

Deutschland versinkt im Risikogebiete-Chaos: Wer darf noch wo hin?

Wichtig für die Akzeptanz in der Bevölkerung sei daher ein möglichst einheitlicher Rahmen der Länder, sagte Spahn. Dieser könne dann je nach Infektionsgeschehen anders ausgestaltet werden. Viel wichtiger sei es, in den betroffenen Kommunen sofort Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ergreifen. Das sei „die viel bessere Variante“ als Beherbergungsverbote in der Folge.

Update vom Donnerstag, 08.10.2020, 10.20 Uhr: Niedersachsen will nun doch ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus Corona-Risikogebieten. Eine entsprechende Landesverordnung werde auf den Weg gebracht, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Donnerstag (08.10.2020) im Landtag in Hannover. Man habe sich darüber innerhalb der Landesregierung abgestimmt.

Als Reaktion auf die steigenden Fallzahlen hatten die Bundesländer am Mittwoch (08.10.2020) mehrheitlich beschlossen, dass innerdeutsche Urlauber*innen aus Corona-Risikogebieten nur beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorweisen können. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen.

Vier weitere Länder hatten neben Niedersachsen zu dem Beschluss aber abweichende Erklärungen abgegeben. Thüringen machte deutlich, dass es ein Beherbergungsverbot nicht mittragen wolle, Berlin will zumindest nicht sofort einsteigen. Bremen wolle prüfen. Mecklenburg-Vorpommern will bei noch strengeren Regeln bleiben.

Schleswig-Holstein will Regeln für Reisende aus Corona-Risikogebieten lockern

+++ 16.41 Uhr: Schleswig-Holstein wird seine strengen Quarantäne-Auflagen für Einreisende aus inländischen Corona-Risikogebieten lockern. Das kündigte die Landesregierung am Mittwoch in Kiel nach einer Schalte der Staatskanzleichefs der Länder mit Kanzleramtschef Helge Braun an.

+++ 16.11 Uhr: Die Bundesländer haben ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus inländischen Corona-Risikogebieten beschlossen. Das Verbot gelte bundesweit, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Berlin am Mittwoch aus Teilnehmerkreisen nach einer Schaltkonferenz der Chefs der Staatskanzleien der Länder mit Kanzleramtschef Helge Braun.

Corona-Risikogebiete: Wo man in Deutschland noch hinreisen darf – und wo nicht

Erstmeldung vom Mittwoch, 07.10.2020, 13.02 Uhr: Frankfurt - Reisen ist im Jahr 2020 so eine Sache. Das Bundesgesundheitsministerium, das Bundesinnenministerium und das Auswärtige Amt legen aufgrund der Corona-Pandemie beinahe täglich neue Risikogebiete für Deutschland fest. Doch auch das Verreisen innerhalb des Landes ist gar nicht mehr so einfach.

Schließlich steigt auch in Deutschland die Zahl der Neuinfektionen wieder rapide an. In Frankfurt etwa gelten ab Freitag (09. Oktober) neue Corona-Regeln*. Und so stellt sich die Frage, wo man, jetzt während den Herbstferien, in Deutschland noch verreisen kann, ohne danach in Quarantäne zu müssen. „Tagesschau.de“ hat dazu eine Übersicht geliefert.

Corona-Risikogebiete in Deutschland: Wo wird der kritische Wert von 50 überschritten?

Zunächst sei nochmal die Regel, ab wann ein Land oder eine Region als Risikogebiet eingestuft wird, ins Gedächtnis gerufen. Das ist nämlich ab 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen der Fall. Dabei spricht man von der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz. Diese Zahl legt das Robert-Koch-Institut (RKI) in ihrem täglichen Lagebericht zur Corona-Krise vor. Während die Risikogebiete für das Ausland genau und einheitlich für ganz Deutschland festgelegt sind, gilt auf Landesebene eine andere Marschroute. Diese lautet: Jedes Bundesland entscheidet selbst. Doch wo gilt dann jetzt was?

Betrachtet man den Lagebericht des RKI vom 5. Oktober, überschreiten genau sieben Kreise die kritische Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner: Hamm, Remscheid, Berlin Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin Mitte, Vechta, Berlin Neukölln, Berlin Tempelhof-Schöneberg. Da aber jedes Bundesland individuell entscheidet, gelten diese Kreise nicht überall als Risikogebiet.

Corona-Risikogebiete in Deutschland: Was in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gilt

Während so zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern Berlin nicht als Risikogebiet eingestuft wird, weil dort nur gesamte Landkreise oder kreisfreie Städte betrachtet werden (für Berlin insgesamt liegt die Sieben-Tage-Inzidenz deutlich unter 50), gelten etwa in Schleswig-Holstein ganz andere Regeln. Wie „tagesschau.de“ ausführt, werden in Schleswig-Holstein gleich sechs der sieben Gebiete mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 50 als Risiko eingestuft (Hamm, Remscheid, Berlin Mitte, Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg).

Wer aus einem dieser Gebiete kommt, muss sich auf 14 Tage Quarantäne einstellen, sofern eine Einreise in Schleswig-Holstein geplant ist. Kann der oder die Einreisende jedoch zwei negative Corona-Tests vorweisen, kann die Dauer der Quarantäne verkürzt werden. Dabei gilt: Der erste Test muss innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise stattfinden, der zweite mindestens fünf Tage danach. Zudem gelten Ausnahmen für Kurzaufenthalte oder die Durchreise. Diese Regel gilt auch für Mecklenburg-Vorpommern.

Corona-Risikogebiete in Deutschland: Und die anderen Bundesländer?

Wer nach Rheinland-Pfalz reisen möchte und aus einem Risikogebiet kommt (derzeit oben benannte sieben Regionen), muss zunächst in Quarantäne. Auch hier herrschen Ausnahmen bei negativen Testergebnissen auf das Coronavirus oder Kurzaufenthalte. Einreiseverbote gelten in Rheinland-Pfalz nicht.

In Berlin, Bremen, Thüringen und Niedersachsen werden derzeit keine Risikogebiete innerhalb Deutschlands ausgewiesen. Gleiches gilt für Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und dem Saarland. Dort herrschen keine Einreiseverbote oder eine Quarantänepflicht für Reisende aus Risikogebieten in Deutschland. Wichtig dabei: Diese Regelungen können sich jederzeit ändern, sobald weitere innerdeutsche Regionen zu Risikogebieten erklärt werden. Es empfiehlt sich also ein regelmäßiger Blick auf den Tagesbericht des RKI sowie die Seiten der Gesundheitsbehörden der einzelnen Bundesländer. *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © dpa/Peter Kneffel

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