Demo-Video geht viral

Erschütternd-skurrile Szene: Junge Querdenkerin vergleicht sich mit Sophie Scholl - Ordner platzt der Kragen

Eine Querdenkerin spricht am 21. November 2020 auf einer Corona-Demo in Hannover.
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Am Samstag vergleicht sich eine Querdenkerin auf einer Corona-Demo mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl. (Screenshot Twitter)

Eine 22-jährige „Querdenkerin“ zieht bei einer Corona-Demo einen gewagten Vergleich. Maßlos finden das nicht nur die Twitter-User, sondern auch Heiko Maas (SPD).

  • Auf einer Querdenker-Demo ereignete sich am Samstag in Hannover ein Eklat.
  • Eine 22-jährige Rednerin verglich sich selbst in ihrem Corona-Widerstandskampf mit Sophie Scholl.
  • Jetzt diskutiert Twitter über das Video - und sogar Bundesaußenminister Heiko Maas meldet sich zu Wort.

Hannover - „Hallo, ich bin Jana aus Kassel - und ich fühle mich wie Sophie Scholl“, so beginnt eine Anhängerin der Querdenken-Gruppierung am Samstag ihre Ansprache auf einer Corona-Demonstration in Hannover. Und die vermeintliche Begründung für ihre Aussage folgt sogleich: Seit Monaten sei sie aktiv im Widerstand, halte Reden, gehe auf Demos, verteile Flyer - und melde Veranstaltungen an. „Ich bin 22 Jahre alt, genau wie Sophie Scholl, als sie den Nationalsozialisten zum Opfer fiel“, sagt Jana. Für ihre zittrigen Worte erntet sie selbst seitens der Anwesenden dann aber nur verhalten Applaus.

Denn es ist eine steile These, die die 22-Jährige da wagt - vergleicht sie sich als Gegnerin der Coronavirus-Maßnahmen doch mit einer weltberühmten Widerstandskämpferin. Sophie Scholl starb, nachdem sie für ihre politische Überzeugung eingetreten war. Sie wurde aufgrund ihres aktiven Widerstandes in der Gruppe Die Weiße Rose gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl im Jahr 1943 von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt - und noch am selben Tag hingerichtet.

Corona: „Querdenkerin“ vergleicht sich mit Sophie Scholl - Heiko Maas ist empört

Das einzige, das Jana aus Kassel und Sophie Scholl vielleicht gemeinsam haben, ist ihr Alter - da ist sich mittlerweile auch die Twitter-Community einig. (Aber nicht mal diese Aussage ist korrekt, starb Scholl doch genau genommen mit nur 21 Jahren.) Ansonsten schlägt der „Querdenkerin“ und ihrer Ansprache hauptsächlich harsche Kritik entgegen. Das Video, das ihre Ansprache auf Twitter zeigt, ist inzwischen viral gegangen. So bleibt es auch von Politikern nicht mehr unbemerkt, zeugt es doch abermals von einem äußerst gewagten Vergleich eines Querdenkers.

Nicht einmal 24 Stunden nachdem das Video auf Twitter gestellt wurde, meldet sich jetzt Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) im sozialen Netzwerk zu Wort: „Wer sich heute mit Sophie Scholl oder Anne Frank vergleicht, verhöhnt den Mut, den es brauchte, Haltung gegen die Nazis zu zeigen. Das verharmlost den Holocaust und zeigt eine unerträgliche Geschichtsvergessenheit.“ „Nichts verbindet Corona-Proteste mit Widerstandskämpfern“, schreibt Maas weiter und setzt noch ein unmissverständliches „Nichts!“ - inklusive Ausrufezeichen - dahinter, wohl um seine tiefe Bestürzung über den Vorfall zum Ausdruck zu bringen.

Und die Twitter-User geben Maas Recht. „Nur, dass wir nicht in einem freiheitsraubenden Regime leben. Hier darf jeder seine Meinung sagen. Diese Corona-Leugner fühlen sich eingeschränkt, weil sie eine Maske tragen sollen. Das hat nichts mit Einschränkung von Freiheit zu tun. Sondern mit Egoismus und Arroganz“, kommentiert eine Userin, während ihr eine andere beipflichtet: „Was für eine unglaublich dumme Aussage. Niemand im Volk will diese Widerstandskämpfer. Deutschland ist das freiste Land auf der Welt. Ihr kämpft nicht gegen „die da oben“, sondern gegen uns alle.“

Eklat auf Querdenker-Demo: Ordner wird zum Internet-Star

„Ich kann und werde es niemals aufgeben, mich für Freiheit, Frieden, Liebe und Gerechtigkeit einzusetzen“, erklärt Jana aus Kassel im inzwischen viel diskutierten Video weiter, als sich ein kurioser Zwischenfall ereignet. Offenbar riss einem der Ordner auf der Demonstration angesichts ihrer Ansprache der Geduldsfaden. Er geht nach vorne zur Bühne und reicht der Rednerin seine orangefarbene Warnweste - sein Ton ist zunächst so ruhig, dass weder die Querdenkerin noch das Publikum ihn verstehen.

Als die 22-Jährige mehrmals verdutzt „Was?“ fragt und jemand aus dem Publikum ruft „Lass sie doch einfach reden!“, dreht sich der Security-Mann um und sagt ungläubig, er könne sich dies nicht mehr weiter anhören. „Für so einen Schwachsinn mach ich doch keinen Ordner mehr. Das ist Verharmlosung vom Holocaust*“, erklärt er nun klar und deutlich, aber völlig ruhig. Diverse Male wiederholt der Mann seine Ansicht, bis ihn schließlich einige andere Sicherheitsleute und die Polizei aus dem Blickfeld der Kamera bitten. Jana dreht sich um, ringt mit den Tränen und beendet ihre Rede.

Die Demonstranten vor Ort zeigten sich empört. Die Moderatorin des Events in Hannover sagte, es sei „furchtbar, was in diesem Land passiert. Ich bin erschüttert“. Doch der Mann, der - aus Protest seinerseits - der Querdenkerin seine Weste überreichen wollte, ist mittlerweile der heimliche Star im Internet, feiern ihn doch viele für sein beherztes Einschreiten. „Respekt für den Ex-Ordner, der die Verhöhnung der realen Holocaust-Opfer erkannte und sich dagegen stellte“, kommentiert ein User. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Am 25. November findet der Corona-Gipfel statt. Die Länder-Chefs und Bundeskanzlerin Angela Merkel beraten über den Corona-Fahrplan. Infos sickern schon jetzt durch.

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