Quarantäne und Maskenpflicht

Neue Corona-Regeln an Schulen beschlossen: Söder will „keinen Lockdown“ in Klassenzimmern

Markus Söder, Pressetermin mit der CSU
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Markus Söder hat sich für lockere Corona-Regeln an Schulen ausgesprochen. Derweil wurden einheitliche Quarantäne-Maßnahmen beschlossen.

Die Gesundheitsminister haben einheitliche Quarantäne-Regeln an Schulen samt Maskenpflicht beschlossen. Laut Markus Söder solle die Quarantäne mitunter ganz entfallen.

Update vom 6. September, 18.55 Uhr: Für Schulen in Deutschland gelten fortan angepasste, einheitliche Corona-Regeln. Die Gesundheitsminister der Länder haben sich mehrheitlich für einfachere Quarantäne-Regeln bei Coronafällen in Schulen ausgesprochen. Grundsätzlich solle bei einem Fall nicht mehr für den gesamten Klassenverband Quarantäne angeordnet werden, heißt es in einem Beschluss nach Beratungen mit dem Bund am Montag.

Der Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, dies solle als „Leitplanken“ an die Gesundheitsämter weitergegeben werden. Ziel sei guter Infektionsschutz und so viel Präsenzunterricht wie möglich. Der Beschluss wurde laut Holetschek bei Enthaltung zweier Bundesländer angenommen. Welche Länder dagegen stimmten, ist unklar.

Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt werden und keine Symptome haben, sollen diese demnach frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. Dabei sollen die Gesundheitsämter vor Ort im Einzelfall auch abweichend entscheiden können. Quarantäne-Anordnungen sollen generell „mit Augenmaß“ und abhängig von Schutzkonzepten mit Lüftung, Tests und dem Tragen von medizinischen Masken erlassen werden. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hatte sich nach einem ersten Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zuvor für lockere Regeln ausgesprochen. Der CSU-Chef wolle „keinen Lockdown an Schulen“ (siehe Erstmeldung).

Schule und Corona: Spahn fordert neue Regeln - Söder kontert und will „keinen Lockdown“

Erstmeldung vom 6. September: Berlin - In fast allen Bundesländern hat die Schule nach den Sommerferien wieder begonnen. Nur in Baden-Württemberg und Bayern haben die Schülerinnen und Schüler noch ein paar Tage frei. Mit der Rückkehr in die Klassenzimmer stellen sich derweil vermehrt Fragen nach dem Umgang mit der Coronavirus-Pandemie*. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat nun einheitliche Regeln gefordert. Kritik gibt es dennoch, auch CSU-Chef Markus Söder äußert sich.

Schule in Corona-Zeiten: Spahn fordert einheitliche Quarantäne - Maskenpflicht bleibt Voraussetzung

Konkret schlug Spahn einen Quarantänezeitraum von fünf Tagen bei Corona-Verdachtsfällen vor, nach dem sich Schülerinnen und Schüler durch ein negatives Testergebnis freitesten können sollen. Zudem solle diese Regelung bei Auftreten eines Infektionsfalls in der Schule nur für die umsitzenden Schüler gelten, nicht für die gesamte Klasse.

Voraussetzung müsse dabei aber sein, dass alle Masken tragen, dass regelmäßig getestet werde und dass entsprechende Lüftungskonzepte vorhanden seien. „Ich werde dafür werben, dass wir uns auf diese einheitliche Linie verständigen“, sagte der Minister.

Video: Spahn will verbindliche Quarantäne-Regeln für Schulen

Spahn kritisierte, dass es bislang zum Teil sogar innerhalb der Länder wegen der verschiedenen Vorgehensweisen der Gesundheitsämter Unterschiede gebe: Manchmal müsse die gesamte Klasse in Quarantäne, manchmal seien es nur die umsitzenden Schüler. Die oft verhängten 14 Tage seien zudem „eine lange Zeit, wenn es um Kitas und Schulen geht“. Die Regelungen obliegen den jeweiligen Bundesländern. Ähnlich äußerte sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU): „Eine große gemeinsame Linie der Länder würde für sehr viel Akzeptanz gerade auch der Eltern sorgen.“

Corona in Deutschland: Söder „will keinen Lockdown in der Schule durch die Hintertür“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder forderte derweil lockere Regeln an Schulen. „Es ist falsch, ganze Klassen 14 Tage in Quarantäne zu schicken, maximal fünf, maximal das Umfeld“, sagte der CSU-Chef am Montag in seiner Rede beim politischen Frühschoppen auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg*. Bei bestimmten Maßnahmen könne die Quarantäne sogar ganz entfallen, etwa wenn es in der betroffenen Klasse Luftreiniger gebe und alle Schüler eine Woche lang täglich getestet würden. Spahn will derweil an der Quarantäne festhalten.

„Ich will keinen Lockdown für Wirtschaft und Gesellschaft. Ich will aber auch keinen Lockdown in der Schule durch die Hintertür. Liebe Freunde, jetzt müssen wir uns Mühe geben“, sagte Söder. Bayern habe mit seiner neusten Corona-Verordnung „einen Standard gesetzt“. So müssten etwa geimpfte Schüler nicht mehr getestet werden. „Wir wollen keine Impfzwang, ich sage das ausdrücklich. Keinen durch die Hintertür, durch die Vordertür oder durch die Drehtür. Völlig wurscht.“ Wer sich aber nicht impfen lassen wolle, der müsse auch die Entscheidung tragen.

Markus Söder (CSU) spricht beim Politischen Frühschoppen Gillamoos.

Schule in Corona-Zeiten: „Kein Schüler könnte es sich leisten, so viel Zeit zu verpennen wie Spahn und Karliczek, ohne von der Schule zu fliegen“

Die Opposition warf der Regierung Versäumnisse vor. „Hätten sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek schon vor eineinhalb Jahren für die Situation an den Schulen interessiert, müssten wir heute nicht über einheitliche Quarantäneregeln reden“, erklärte Linken-Parlamentsgeschäftsführer Jan Korte. „Keine Schülerin und kein Schüler könnte es sich leisten, so viel Zeit zu verpennen wie Spahn und Karliczek, ohne von der Schule zu fliegen.“

Am Rande des Triells Ende August wurde auch Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock* deutlich. An die Adresse der amtierenden Koalition von Union und SPD sagte sie: „Eine Politik, die immer sagt, warten wir lieber mal ab, machen wir mal lieber gar nichts, hat dazu geführt, dass Kinder eineinhalb Jahre nicht in die Schule gegangen sind.“ Unionskanzlerkandidat Armin Laschet* konterte, Baerbock täusche die Bürgerinnen und Bürger, wenn sie sage, dass der Bund die Schulen nicht abgesichert habe. „Das ist Ländersache, und in elf Ländern regieren die Grünen mit.“ (as/dpa/afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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