Streit um Maßnahmen gegen Deutschfeindlichkeit an Schulen

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Deutsche Lehrerverbände fordern die Politik auf, gegen die Deutschlandfeindlichkeit an Schulen vorzugehen

Berlin - Nach den jüngsten Klagen über “Deutschenfeindlichkeit“ an Schulen fordern Lehrerverbände Konsequenzen. Sonst drohten in Deutschland Verhältnisse wie im Nachbarland Frankreich.

Dort würden an Vorschulen “Lehrer gejagt“ und “Mitschüler terrorisiert“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Er plädierte unter anderem dafür, die Quote von Migrantenkindern in einer Klasse zu begrenzen.

Andere Verbände verlangten mehr Sozialpädagogen an Problemschulen, schärfere Sanktionen und andere Stadtplanung, um soziale Brennpunkte zu vermeiden. Auch Schülervertreter mahnten, die Schwierigkeiten ließen sich “nicht wegdiskutieren“. Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Ludwig Spaenle (CSU), rief die Migrantenverbände zur Kooperation auf. Lehrer aus Berlin hatten zuletzt über Beschimpfungen und Mobbing deutscher Schüler in Problemkiezen geklagt und damit eine bundesweite Debatte ausgelöst.

Hoher Migrantenanteil drückt Leistungen in Schulen

Auch Pädagogen halten die Isolation von Migrantenkindern in bestimmten Schulen und Stadtteilen für gefährlich. Die Verteilung von Deutschen und Migranten in einzelnen Schulen und Schularten müsse ausgeglichener werden, sagte Verbandschef Meidinger. “Das Potenzial dafür ist zweifellos da.“ Zuwandererkinder müssten besser gefördert werden, um mehr von ihnen an Gesamtschulen oder Gymnasien zu bringen. Außerdem mache eine Begrenzung des Migrantenanteils pro Klasse Sinn. Schließlich hätten Bildungsstudien belegt, dass die Leistungen in Schulen mit einem Zuwandereranteil von mehr als 40 Prozent deutlich nach unten gingen.

Der Vorschlag stieß bei anderen Lehrervertretern jedoch auf wenig Zuspruch. Die Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, bezeichnete eine “zwangsweise“ Durchmischung von Schülern als “graue Theorie“. Wichtiger sei es, “problematische Schulen“ besser mit Lehrern und Sozialpädagogen auszustatten und ansprechender zu gestalten. Es sei falsch, “Schulen im Zentrum von Problemvierteln zu errichten“. Die Stadtplanung und Schulstruktur sei völlig “verfehlt“.

Mehr Lehrer mit Migrationshintergrund

Die Berliner GEW-Funktionärin Monika Rebitzki mahnte, die Schulen an sozialen Brennpunkten seien “total überfordert“. Sie bräuchten mehr Lehrer, die selbst aus Zuwandererfamilien stammten. Auch deutsche Pädagogen müssten interkulturell geschult werden, um die Familiensituation ihrer Schüler besser zu verstehen.

Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, kritisierte, das Thema sei lange “unter der Decke gehalten“ worden. “In einer gewissen Multi-Kulti-Romantik hat man das nicht zur Kenntnis nehmen wollen.“ Nun müsse die Politik jedoch eingreifen. Die Schulen bräuchten mehr Sozialpädagogen. Nötig seien auch “eindeutige Sanktionen“ - etwa finanzielle Kürzungen - wenn Schüler sich aggressiv verhielten oder nicht regelmäßig zur Schule kämen.

Deutsche Schüler haben Angst

Auch von Schülern kam der Ruf nach Konsequenzen. Die Lage werde derzeit zwar “zum Teil überspitzt dargestellt“, sagte der Vorsitzende der Bundesschülerkonferenz, Arne Fillies. “Aber die Probleme sind da und lassen sich nicht wegdiskutieren.“ Es gebe Schulen, “wo sich Deutsche nicht mehr auf den Schulhof trauen, weil sie Angst haben“.

Fillies forderte ebenfalls, interkulturelle Kompetenz stärker in die Lehrerausbildung einzubauen und mehr Menschen mit Migrationsgeschichte für den Beruf zu gewinnen. Nötig sei auch ein Ausbau der Ganztagsschulen und ein verbindliches Vorschuljahr für alle Kinder. Spaenle appellierte an die Migrantenverbände, sie sollten ihre Autorität und ihr Vertrauen unter Zuwanderern nutzen, um bei Eltern und Jugendlichen für verstärkte Integration zu werben. “Die Integrationsleistung der Familie muss eingefordert werden“, mahnte er. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, zu Hause Deutsch zu sprechen. Am Freitag setzen sich die Kultusminister in Berlin mit Migrantenverbänden zusammen, um über das Thema zu beraten.

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