Jetzige private Altersvorsorge wenig attraktiv

Deutschland-Rente soll’s richten

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Reicht die Rente? Derzeitige Modelle der privaten Altersvorsorge sind wenig attraktiv, aus Hessen kommt ein neuer Plan.

Offenbach - Von Rentenexperten ist es immer wieder zu hören: Die derzeitigen Modelle der privaten und betrieblichen Altersvorsorge sind zu wenig attraktiv und werden zu wenig genutzt, um die beschlossenen Kürzungen der gesetzlichen Rente ausgleichen zu können. Von Peter Schulte-Holtey 

Aus diesen Entwicklungen ziehen der hessische Finanzminister Thomas Schäfer, Sozialminister Stefan Grüttner (beide CDU) sowie Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) den Schluss: „Zusätzliche Altersvorsorge ist in Deutschland bisher kein Erfolgsmodell. “ Genau das will die schwarz-grüne Ministerriege mit einer sogenannten Deutschland-Rente ändern.

In der Praxis könnte das nach Angaben der Minister wie folgt funktionieren: Arbeitgeber führen die Beiträge für das Standardprodukt an die Deutsche Rentenversicherung ab, ähnlich wie die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die Einzahlung erfolge damit unbürokratisch auf bereits etabliertem Weg. Die Anlage der eingezahlten Beiträge obliegt dann einem sogenannten Deutschlandfonds, einem eigenständigen zentralen Rentenfonds, der ohne eigenes Gewinninteresse auf Selbstkostenbasis arbeitet und geschützt vor politischem Zugriff ist. Die Deutschland-Rente soll also ebenso freiwillig sein wie Riester. Allerdings schlagen sie vor, dass jemand ausdrücklich erklären muss, nicht mitmachen zu wollen. Falls ein Arbeitnehmer nicht widerspricht, behält der Arbeitgeber automatisch einen bestimmten Betrag ein und überweist ihn an den Fonds. Wie hoch die einbehaltene Summe ist, lassen Al-Wazir, Grüttner und Schäfer offen. Die Minister üben also sanften Druck aus.

Der Deutschlandfonds setzt nach Angaben der Minister auf ein breit gestreutes Anlageportfolio, zum Beispiel mit einem höheren Aktienanteil als viele derzeitige Altersvorsorgeprodukte. „Der sehr langfristige Anlagehorizont und die Möglichkeiten einer starken Streuung aufgrund der Größe des Fonds verringern die Anlagerisiken erheblich und sorgen gleichzeitig für höhere Renditen“, heißt es. Die Erfahrungen von großen Staatsfonds aus anderen Ländern würden dies bestätigen. So komme der norwegische Staatsfonds seit seiner Gründung im Jahr 1997 auf eine durchschnittliche Rendite von über fünf Prozent.

Zukunftsforscher fordert neue Reichtums-Definition

Das Standardprodukt könnte als reine Beitragszusage ausgestaltet werden („pay and forget“). Die Arbeitgeber müssten dann nicht mehr nach vielen Jahrzehnten mit Haftungsrisiken rechnen. Daneben sei es auch wichtig darüber nachzudenken, ob man betriebliche und private Altersvorsorge in der Zukunft nicht oder nur noch zum Teil auf die Grundsicherung im Alter anrechnet. Dies würde wichtige Anreize vor allem für Geringverdiener schaffen. „Mit diesem Maßnahmenpaket stärken wir das Vertrauen in die zusätzliche Altersvorsorge, schaffen einen sinnvollen Wettbewerb für einfache und kostengünstige Altersvorsorgeprodukte und verhindern im Ergebnis eine massive Zunahme von Altersarmut in Deutschland“, heißt es im Konzept der Hessen.

In wenigen Jahren gehen die Babyboomer in Rente und der massive Einbruch der Geburtenzahlen nach 1965 wird deutlich spürbar. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung der Menschen. Das führt zwangsläufig zu großen Belastungen für das umlagefinanzierte Rentensystem. Die Folge: Der Lebensstandard im Alter wird bei vielen Bürgerinnen und Bürgern deutlich sinken und Altersarmut erheblich zunehmen. „Wer das nicht einfach hinnehmen will, muss heute die entscheidenden Weichen stellen, um der betrieblichen und privaten Altersvorsorge neuen Schub zu geben“, sind sich die drei Minister sicher.

Quelle: op-online.de

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