Corona in den USA

Donald Trump und Anthony Fauci: Corona-Berater dementiert Zerwürfnis mit Präsidenten

Die USA waren bereits in tiefer Sorge, doch Anthony Fauci sagt, zwischen ihm und Donald Trump sei alles in Ordnung.

  • USA: Kein anderes Land ist so hart von der Corona-Krise* betroffen
  • Donald Trump*: Der Präsident und sein Problem mit den Experten
  • Ökonomie statt Gesundheit: Donald Trump hört lieber auf Jared Kushner* als auf Anthony Fauci

Update vom 12. Mai 2020, 20:35 Uhr: Anthony Fauci hat dementiert, dass es zwischen ihm und US-Präsident Donald Trump zu einem Zerwürfnis gekommen sei. „Ich habe keine konfrontative Beziehung zu dem Präsidenten“, sagte der Virologe und Berater der US-Regierung in der Corona-Krise bei einer Anhörung vor dem US-Senat.

Anthony Fauci über Trump: „Er hört auch die Meinung anderer“

Er berate Trump und äußere seine Meinung, die immer auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhe, sagte Fauci. Trump respektiere das. „Er hört aber auch die Meinung anderer Leute.“

Fauci vermied in der knapp zweieinhalb Stunden dauernden Anhörung, den Präsidenten beim Namen zu nennen. Als er zuvor gefragt wurde, ob es ihm gut gehe, bejahte er das und beschrieb, wie sehr er die gute Zusammenarbeit mit den Gouverneuren der US-Bundesstaaten und auch der Senatorinnen und Senatoren genießen würde. Auch hier erwähnte er Präsident Donald Trump nicht.

Angst und Schrecken in den USA: Donald Trump geht auf Distanz zu Anthony Fauci

Erstmeldung vom 11.05.2020

USA - Die große Angst vieler Amerikanerinnen und Amerikaner scheint real zu werden. US-Präsident Donald Trump ist auf Distanz zu Dr. Anthony Fauci, seinem Berater in der Corona-Krise, gegangen. Mitten in der Pandemie, die kein Land so hart getroffen hat wie die USA.

Corona-Krise in den USA: Wo ist Anthony Fauci?

Fast zwei Wochen sind vergangen seit dem letzten öffentlichen Auftritt Faucis. Nun befindet sich der hoch angesehene Virologe nach einem Kontakt mit einem positiv auf das Coronavirus getesteten Regierungsmitarbeiter zwar seit dem Wochenende in „modifizierter Quarantäne“, doch auch schon zuvor war er in den vergangenen 21 Tagen nur einmal vor Medienvertreter getreten. Im April beantwortete Fauci noch fast täglich die Fragen der amerikanischen Öffentlichkeit.

Der Virologe bildete mit seiner sachlichen und ruhigen Art in der Corona-Krise ein Gegenpol zu Trumps konfusen und widersprüchlichen Statements. Fauci ist seit 1984 Direktor des „National Institute of Allergy and Infectious Diseases”, einem hoch renommierten US-Forschungsinstitut. Er gilt als ausgewiesener Experte für Virus-Pandemien und Pionier der HIV-Forschung in den 1980ern. In den letzten 30 Jahren beriet Fauci die jeweiligen US-Regierungen bei Virus-Ausbrüchen – sei es das Hi-Virus, Zika, die Schweinegrippe, Ebola oder eben jetzt das Coronavirus.

Experte für Viren und Pandemien: Anthony Fauci ist populär und kompetent

Für seine herausragende Arbeit erhielt Dr. Anthony Fauci im Jahr 2013 die deutsche Robert-Koch-Medaille in Gold. In den USA wurde er bislang mit 40 Ehrendoktortiteln ausgezeichnet. 2008 erhielt Fauci die „Freiheitsmedaille des Präsidenten“, den höchsten Orden für einen Zivilisten in den Vereinigten Staaten von Amerika. Anfang des Monats wurde Fauci wegen seines Einsatzes im Kampf gegen das Coronavirus für eine „Service to America Medal“ nominiert, eine Auszeichnung für Personen die im öffentlichen Dienst tätig sind. Die „Washington Post“ titulierte sie als „Oscars für die Regierung“.

Sogar Hollywood stimmte ein in den Lobgesang auf Fauci. Für die Comedy-Show „Saturday Night Live” verkleidete sich Brad Pitt als Fauci und sprach über seine Angst, bald von Donald Trump gefeuert zu werden. Pitt beendete seinen Auftritt, indem er sich direkt an Fauci wandte und sagte: „Danke für ihre Ruhe und ihre Klarheit in diesen zermürbenden Zeiten.“

Donald Trump in der Corona-Krise: keine Lust auf Expertise

Trump aber scheint gewillt, den populären Staatsdiener ins Abseits zu drängen. Fauci und seine Kollegin, die Ärztin und Expertin für Impfstoffe, Dr. Deborah Brix, waren bei öffentlichen Stellungnahmen nur noch sporadisch bis gar nicht mehr anwesend. Weder bei Trumps Auftritten noch bei den Pressekonferenzen, die zusehends und immer häufiger Kayleigh McEnany übernimmt.

Das mag zum Teil auch daran gelegen haben, dass ein Videomitschnitt die Runde in den sozialen Medien gemacht hatte, auf dem Brix ihren Chef, Donald Trump, während einer seiner Nonsens-Momente beobachtet. Trump sprach über die mögliche Injektion von Desinfektionsmitteln als Abwehr gegen das Coronavirus, und dem versteinert wirkenden Gesicht von Brix war das pure Entsetzen über derartige Ignoranz einfacher Wissenschaft deutlich anzusehen.

Coronavirus Task Force des Weißen Hauses mit ungewisser Zukunft

Ein ähnliches Schicksal wie Brix und Fauci scheint gerade die ganze „Coronavirus Task Force“ des Weißen Hauses zu erleiden, die von Vizepräsident Mike Pence* geleitet wird und der neben Fauci und Brix eine ganze Reihe von Kabinettsmitgliedern angehören, darunter Finanzminister Steve Mnuchin und Top-Wirtschaftsberater Larry Kudlow. Trump hatte via Twitter* zunächst angedeutet, die Taskforce aufzulösen, weil sie „so einen fantastischen Job“ gemacht habe. 

Sie würde eventuell neu besetzt werden und sich fortan um die Wiedereröffnung des Landes kümmern. Kurz darauf ruderte der US-Präsident wieder zurück und verkündete, die Task Force bleibe vorerst bestehen. „Ich wusste ja nicht, wie beliebt die Task Force ist“ erklärte Trump seinen Sinneswandel.

Doch statt der Task Force, die zumindest in Teilen über medizinische und epidemiologische Expertise verfügt, folgt Trump offenbar lieber den Ratschlägen der Gruppe um Jared Kushner, die vor allem von ökonomischen Fachleuten besetzt ist. Es liegt in der Natur der Sache, dass Kushner und Co. die wirtschaftliche Wiedereröffnung des Landes in den Fokus stellen.

Wandel der Strategie des Weißen Hauses mitten in der Corona-Pandemie

Dieser Wandel in der Strategie des Weißen Hauses beim Umgang mit der Corona-Pandemie verbreitet Angst und Schrecken unter den Experten und Expertinnen aus Medizin und Forschung. Gegenüber dem US-Magazin „Politico“ kritisierte Joshua Sharfstein, Professor für Gesundheitswesen an der Johns-Hopkins-Universität, die Trump-Regierung: „Es ist die größte Gesundheitskrise der letzten hundert Jahre und wir behandeln sie als alles andere als das.“ 

Dazu kommen Beschwerden aus administrativen Bereichen der US-Verwaltung, dass die Ausarbeitung dringend benötigter Richtlinien nicht erfolge und ihnen auf drängende Fragen an die US-Regierung nicht geantwortet werde. Im selben „Politico“-Artikel schlägt Kim Schrier Alarm. Die Abgeordnete des Bundesstaates Washington im US-Repräsentantenhaus und promovierte Medizinerin beschreibt die Kommunikation mit dem Weißen Haus: „Sie sagen uns, sie hätten die Antwort nicht, sie würden sich aber wieder bei uns melden – und dann melden sie sich einfach nicht.“

Donald Trump verlässt auch in der Corona-Krise nicht den Wahlkampfmodus

Es mehren sich also die Anzeichen, dass Donald Trump die Ratschläge des medizinischen Expertengremiums im Weißen Haus gegen die der Ökonomen tauscht. Das entspricht genauso den Wünschen der Großkonzerne, deren Fürsprecher Jared Kushner ist, wie es auch Trumps Wahlkampagne 2020 in die Karten spielt. Denn für einen erfolgreichen Ausgang der US-Präsidentschaftswahl 2020* war und bleibt der wirtschaftliche Aufschwung war und bleibt Trumps großes Argument, das über alle anderen Verfehlungen, seien sie sexistisch oder rassistisch motiviert oder einfach nur der eigenen Inkompetenz geschuldet, hinwegtäuschen soll.

Von Daniel Dillmann

Joe Biden redet sich bei Frage nach seiner Vizepräsidentin um Kopf und Kragen: „Wer Trump wählt, ist nicht wirklich schwarz“.

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Rubriklistenbild: © Alex Brandon / dpa

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