Sogar Fox-Moderatorin ist irritiert

„Dunkle Mächte“: Trump stellt im TV wilde Thesen auf - wenig später kommt die Quelle heraus

Flugzeuge voller schwarz gekleideter Schläger und „dunkle Mächte“: Donald Trump irritiert im Interview sogar seinen Haussender Fox. Wenig später kommt die Quelle der Geschichte heraus.

  • US-Präsident Donald Trump sorgt mit einem Interview im Sender Fox für Aufsehen.
  • Ihm zufolge würden Joe Biden und die Protestbewegung von Menschen aus einer „Schattenwelt“ bestimmt.
  • Die Reaktionen auf diese irritierenden Aussagen folgten prompt.

Update vom 2. September, 16.44 Uhr: Das kürzliche Fox-News-Interview Donalds Trumps, in dem der US-Präsident offenbar Verschwörungstheorien nicht ganz abgeneigt schien (siehe Ursprungsmeldung), schlägt hohe Wellen. Der US-Sender NBC bringt in einem Kommentar zu dem Geschehen nun zwei Untersuchungen zu Verschwörungstheoretikern ins Spiel - und schlussfolgert, dass Trump mit der Attitüde, wie er sie zurzeit an den Tag legt, bei der US-Wahl 2020 bei bestimmten Wählern punkten könnte.

Die These des Kommentators lautet: Da Trump wegen seines Corona-Managements unter Dauer-Feuer stehe, könnten seine glühendsten Anhänger Covid-19-Verschwörungstheorien unterstützen, um den Glauben an Trump nicht zu verlieren. Als Beispiele nennt der Autor „konservative Medien-Beitragende“ wie Sean Hannity, Tucker Carlson oder Rush Limbaughzu.

Kommentar zu Trump und Verschwörungstheorien: „Billiger Weg, um an Anerkennung zu gelangen“

Weiter verweist der Meinungsbeitrag im Zusammenhang mit Trumps „wirrem Interview“ auf eine Untersuchung mit dem Titel „Geschlechtsunterschiede in Bezug auf Covid-19-Verschwörungstheorien“, welche die Universität von Cambridge von ihrem Politik-Institut publiziert hat. Demnach neigen Männer stärker als Frauen zu Verschwörungstheorien - „und das kann nicht allein damit erklärt werden, dass Frauen eher die Demokraten wählen“, glaubt NBC

Einer weiteren Untersuchung zufolge gibt es laut NBC eine Korrelation zwischen dem Glauben an Verschwörungstheorien und narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen. „Verschwörungstheorien sind ein billiger Weg, um Anerkennung zu erlangen. Klingt das nach Trump?“, fragt NBC rhetorisch. 

„Dunkle Mächte“: Trump stellt im TV wilde Thesen auf - wenig später kommt die Quelle heraus

Ursprungsmeldung vom 1. September: Washington/Kenosha - Verschwörungstheorien stehen in Deutschland aktuell erschreckend hoch im Kurs - Experten warnten nach der Berliner Corona-Demo eindringlich. Entsetzt ist auch die Regierung um Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Anders ist die Situation in den USA. Auch in den Vereinigten Staaten mangelt es nicht an populären Verschwörungsmythen. Doch Donald Trump* ist hier nicht Kritiker. Im Gegenteil, der US-Präsident* schürt selbst Theorien etwa um den „deep state“. Zwei Monate vor der US-Wahl* hat Trump nachgelegt. In einem Interview mit seinem Haussender Fox hat er eine Verbal-Kannonade gegen seinen Konkurrenten bei der bevorstehenden US-Wahl, Joe Biden, abgefeuert. Das meiste davon: Bemerkenswert nebulös, nahe am offenen Spiel mit irrationalen Ängsten - und von klaren Fakten weit entfernt.

Verschwörungstheorie von Trump: US-Präsident äußert sich nebulös - „dunkle Schattenwelt“ und Herren „in schwarzen Anzügen“

So sagte Trump in dem am Montagabend US-Zeit ausgestrahlten Gespräch, Biden und die Protestbewegung würden von Menschen manipuliert, die im Verborgenen agierten. Auf die Frage, wen er damit meine, antwortete er: „Leute, von denen man noch nie gehört hat. Leute in einer dunklen Schattenwelt.“ „Das klingt sehr nach einer Verschwörungstheorie“, entgegnete selbst Fox-Moderatorin Laura Ingraham.

Das Geld für die Proteste kommt nach Trumps Darstellung „von einigen sehr dummen reichen Leuten“. Diese hätten vergangene Woche auch eine Demonstration vor dem Weißen Haus zum Ende des Republikaner-Parteitags finanziert. Ein Teilnehmer seiner Partei habe ihm erzählt, dass in dem Flugzeug, in dem er angereist sei, zahlreiche Schlägertypen in dunklen Anzügen unterwegs gewesen seien - „von Washington nach wohinauchimmer“, mit dem Ziel „großen Schaden anzurichten“.

Von wem diese Angaben stammten, sagte Trump*, der unterdessen gefallene Soldaten beleidigt haben soll, nicht. Er werde zu einem späteren Zeitpunkt Auskunft geben - aktuell liefen Ermittlungen. Auch das Weiße Haus und die US-Luftfahrtbehörde waren laut New York Times zu keiner Auskunft bereit.

Vor der US-Wahl: Trump erhebt wilde Vorwürfe, Bidens Team reagiert kühl - „er hat keine Wiederwahlstrategie“

Nach Recherchen des Blattes griff Trump mit seiner Äußerung ein Gerücht aus dem Juni auf. Damals war in einem Facebook-Posting von schwarz gekleideten Männern die Rede, die in Idaho Flugzeuge verließen. Lokale Behörden hätten diese Darstellung aber als unwahr bezeichnet.

In Bidens Lager sorgten die Äußerungen auf Unverständnis. „Ich kann das nur darauf zurückzuführen, dass Präsident Trump keinen Plan hat, er hat keine Wiederwahl-Strategie* und er ist entschlossen, Dinge einfach zu erfinden“, sagte Biden-Beraterin Symone Sanders dem Sender MSNBC: „Er schlägt wild um sich.“ Trump lag zuletzt in Umfragen hinter Biden zurück - allerdings schien der Abstand zwischen den beiden Kandidaten zu schmelzen.

Donald Trump: US-Präsident reist nach Kenosha

Trump ist unterdessen zu einem umstrittenen Besuch in der Stadt Kenosha eingetroffen*, wo es nach Polizeischüssen auf einen Schwarzen zu teils gewaltsamen Protesten gekommen war. Der Republikaner machte sich am Dienstag in der Stadt im Bundesstaat Wisconsin ein Bild von den Schäden infolge von Ausschreitungen. In der Stadt gingen sowohl Anti-Rassismus-Demonstranten als auch Trump-Anhänger auf die Straße.

Der Gouverneur von Wisconsin und der Bürgermeister von Kenosha hatten Trump von der Visite abgeraten, weil sie eine Zunahme der Spannungen befürchteten. Ein Treffen Trumps mit der Familie des in Kenosha durch Polizeischüsse schwer verletzten Afroamerikaners Jacob Blake war nicht geplant.

Biden selbst sagte am Montag bei einem Wahlkampfauftritt: „Es wüten Brände und wir haben einen Präsidenten,
der die Flammen anfacht, anstatt sie zu bekämpfen.“ In den USA wird am 3. November gewählt*. (fn/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Evan Vucci

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