Katastrophe in Pakistan

Kommentar: Doppelte Gefahr

Arme Menschen in staubigen Gewändern, häufig wechselnde Machthaber und dann und wann eine Naturkatastrophe wie das große Erdbeben 2005 – Pakistan liegt in der Wahrnehmung der meisten Deutschen sehr, sehr weit entfernt. Von Simone Toure

Doch auch wenn uns die Schicksale der Hochwasseropfer an Spree und Neiße zurzeit näher gehen als die Schreckensgeschichten vom Indus: Die Flutkatastrophe in Pakistan geht uns alle an, denn sie birgt eine doppelte Gefahr. Einerseits droht ohne umfangreiche Hilfe eine humanitäre Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Schon jetzt sind nach Einschätzung der UN mindestens sechs Millionen Menschen auf Hilfe zum Überleben angewiesen. Insgesamt haben in den Fluten bis zu 14 Millionen Pakistani ihre Häuser, ihr Vieh und ihre Familien verloren – mehr als beim Kaschmir-Beben 2005, beim Tsunami und beim Beben in Haiti zusammen. Kein Land der Welt könnte diese Herausforderung alleine bewältigen – erst recht nicht die als unfähig und korrupt geltende pakistanische Regierung.

Und hier liegt die zweite große Gefahr, die auch Europäern Sorgen machen sollte. Die schwache Führung in Islamabad und die hohe Unzufriedenheit der Flutopfer mit dem Staat ist der ideale Nährboden für Islamisten, die Terror und Hass in Richtung Westen predigen und die ihre Landsleute lieber sterben sehen als zum Beispiel Hilfe aus den USA zu akzeptieren. Die Nothilfe, die Taliban und andere Extremisten in den Überschwemmungsgebieten leisten, wird ihren Einfluss stärken – und damit die weltweite Terrorgefahr erhöhen. Um zu verhindern, dass ausgerechnet die Radikalen durch die Flut Land gewinnen, ist deshalb ein koordiniertes internationales Vorgehen in Pakistan notwendig. Dazu gehören ausländischen Ärzte und Helfer ebenso wie Millionenhilfen von Regierungen und private Spenden.

Quelle: op-online.de

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