Dumpingpreise bei Krankenfahrten

Kommentar: Auf Kosten der Patienten

Die Taxi- und Mietwagenbranche zählt zu den Niedriglohn-Sektoren im Lande. Die bundesweiten Durchschnittslöhne liegen zwischen 6 und 6,50 Euro, Hessen kratzt an der unteren Grenze. Doch auch hier gilt ab dem 1. Januar der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro. Von Christoph Zöllner

 So weit, so gut. Leider zeigt sich einmal mehr, dass die gute Absicht alleine nicht ausreicht, wenn es um die Umsetzung in der Praxis geht. Denn einer der wichtigsten Auftraggeber der Branche, die ebenfalls unter Kostendruck stehende AOK Hessen, will offenbar nicht mitziehen, wenn es um eine bessere Bezahlung von Krankenfahrten geht. Einerseits bietet sie ein Plus von acht Prozent pro Kilometer an, was in Anbetracht der deutlich höheren Preise in anderen Bundesländern recht zynisch wirkt. Andererseits droht sie mit Vertragsstrafen, sollte der gesetzliche Mindestlohn nicht gezahlt werden.

Das ist gleichermaßen konsequent wie dreist. Vor allem mit Blick auf folgende Zahlen: Im Jahr 1999 vergütete die AOK Hessen „den Besetztkilometer einer Sitzendkrankenfahrt mit 1,18 Euro“, wie es im korrekten Vertragsdeutsch heißt. 16 Jahre später, zur Einführung des Mindestlohns, bietet sie 1,08 Euro zuzüglich einer Anfahrtpauschale in Höhe von 1,80 Euro (immerhin plus 20 Prozent) an und bezeichnet dies als „fair“. Zum Vergleich: Ein Liter Diesel kostete 1999 umgerechnet 63 Cent, aktuell ist es bekanntlich mehr als das Doppelte. Das AOK-Angebot können sich allenfalls Selbstfahrer leisten, die kein Personal beschäftigen und sich wohl auch sonst eher in Bescheidenheit üben. Ein Unternehmer, der brav seine Arbeitgeberabgaben zur Sozialversicherung zahlt sowie die Kosten für Büro, Versicherungen, Kraftstoff, Reparaturen, Abnutzung und dergleichen mehr stemmen muss, könnte bei solchen Dumpingpreisen ins Minus fahren.

Anders ausgedrückt: Was nutzen gewerkschaftlich errungene Siege wie der Mindestlohn, wenn Branchenvertreter, die sich nebenbei auch noch gegen Internet-Anbieter wie Uber durchsetzen müssen, früher oder später in der Sackgasse landen. Dann würden letztlich die Patienten auf der Strecke bleiben, die auf solche Transporte angewiesen sind. So weit darf es nicht kommen!

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Privat

Kommentare