EHEC und die Folgen

Kommentar: Im Griff der Seuche

+
Lutz Kämpfe

Roboter bauen unsere Autos; andere Kontinente liegen per Flugzeug nur eine Tagesreise entfernt; ein kleines Gerät in der Tasche verbindet rund um den Globus. Und wenn der Körper mal schlapp macht – eine winzige Pille wird‘ s schon richten. Von Lutz Kämpfe

Seuchen tauchen in dieser Weltsicht allenfalls als Grusel-Nachricht aus Ganzweitweg auf. Denn hier haben wir fast alles im Griff. Glauben wir wenigstens.

Ein Bakterium hat nicht nur – dies schlimm genug – Menschen in beunruhigender Zahl den Tod gebracht und viele schwerkrank werden lassen. EHEC und die Folgen verunsichern auch eine Gesellschaft, die Hilflosigkeit als schlimmes Übel empfindet. Die Erwartungshaltungen gegenüber Wissenschaft und staatlichen Institutionen sind von daher gewaltig: „So etwas muss doch in heutiger Zeit schneller zu bekämpfen sein“, ereifern sich große Teile einer Öffentlichkeit. Spitzenpolitiker sind nicht weniger hilflos. Sie wissen auch nicht, was zu tun ist, wollen diese Haltung aber keinesfalls offensichtlich werden lassen – also tun sie, was sie gut können. Sie fordern. So wie gestern der SPD-Gesundheitspolitker Karl Lauterbach. Er will die Einrichtung einer „Seuchenpolizei“, das Aufstellenen einer Eingreiftruppe gegen Krankheiten wie EHEC.

Im ersten Moment klingt das fast nach kommender Lösung. Bei näherer Betrachtung aber ist es nicht mehr als die säkularisierte Form eines Stoßgebets: „Aus tiefster Not schrei ich Regierung und Behörden an.“ Andere springen sofort drauf an und begeben sich ins Kompetenzgerangel. Symptom einer ganz anderen Krankheit.

Quelle: op-online.de

Kommentare