Guttenbergs Doktorarbeit

Kommentar: Eine Frage der Ehre

Dass in Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit ganze Passagen bei anderen Autoren abgeschrieben wurden, ohne dass die Quellen genannt sind, steht außer Frage. Von Tibor Pézsa

Schon die ersten beiden Absätze seiner Arbeit sind nicht von ihm, nur hier und da fehlt ein Wort, oder es wurde eins hinzugefügt. Wie will Guttenberg dies erklären? Geprüft wird noch, ob so etwas in der Arbeit nur sporadisch oder systematisch vorkommt. Schon jetzt aber ist der Vorgang hochnotpeinlich für Guttenberg, musste doch auch er wie jeder andere Doktorand versichern, dass er seine Arbeit ohne unerlaubte Hilfe zustande gebracht hat.

Aber auch die juristische Fakultät der Bayreuther Universität sieht sich beschämt: Wie kann es sein, dass dort noch im Jahr 2007 das Prädikat „mit höchstem Lob“ vergeben wird, und zwar ohne durchaus übliche Plagiats-Prüfung im Internet? Es kann nicht angehen, dass der Vorgang heute von denselben Professoren überprüft wird. Denn bei ihnen geht es jetzt ebenso wie beim Minister um die Ehre, den Anspruch an sich selbst, um Redlichkeit und Glaubwürdigkeit.

Gewiss kann ein schlechter Plagiator ein guter Verteidigungsminister sein. Doch der Minister weiß selbst: Wenn er diese Vorwürfe nicht vom Tisch bekommt, wird sein Publikum künftig bei ihm immer mitdenken: Schummler mindestens.

Quelle: op-online.de

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