Im Bezirk Neukölln

In Berlin: Mann mit Macron-Maske an Strick durch Straße gezogen und gedemütigt - Experte gibt Erdogan Mitschuld

Demonstranten halten ein Plakat mit einem durchgestrichenen Foto des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hoch.
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Macrons Worte zu Mohammed-Karikaturen sorgen für eine Eskalation des Streits mit der Türkei. Aber das ist nicht der einzige Konfliktpunkt.

Ein Vorfall mit einem als Macron verkleideten und einem arabisch gekleideten Mann beschäftigt die Polizei. Ein Experte erklärt, wie Erdogan die Situation angeheizt hat.

Berlin - Ein anti-französischer Vorfall in Neukölln sorgte im Internet für Diskussionen. Nun kümmert sich die Berliner Polizei darum, wie die Deutsche Presseagentur mitteilte. Ein Video zeigt, wie ein traditionell arabisch gekleideter Mann einen Mann mit einer Maske des französischen Präsidenten Emmanuel Macron an einem Strick über die Sonnenallee zieht und ihn auf arabisch demütigt und beschimpft.

Am Montag teilte die Polizei auf Twitter mit, dass sie am Samstagabend einen Youtuber am Alexanderplatz überprüft habe. „Er soll mit einem Kaftan bekleidet seinen Bekannten in Perücke & Macron-Maske an einem Seil durch Neukölln geführt, beleidigt & angedeutet haben, ihn zu schlagen.“

Nun ermittel das Landeskriminalamt (LKA), ob es sich bei der Aktion um eine Straftat handeln könnte, hieß es. Am Wochenende hatte der „Tagesspiegel“ zunächst von einem arabischstämmigen Youtuber berichtet, der Deutsch spricht. In einem weiteren Video soll es auch „Allahu Akbar“-Rufe gegeben haben.

Nachdem ein Islamist in Frankreich den Lehrer Samuel Paty enthauptet hat, hatte Macron die Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung auch religionskritischer Karikaturen verteidigt. Frankreich werde nicht „auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten, auch wenn andere sich davon zurückziehen“, sagte er bei einer Gedenkfeier. Diese Aussage führte weltweit zu Protesten von Muslimen.

Macron und Erdogan: Terrorismusexperte erklärt, inwiefern der türkische Präsident die Lage verschlimmert hat

Terrorismusexperte Prof. Peter R. Neumann gibt dem türkischen Präsidenten Erdogan ein Mitschuld daran, dass die Demonstrationen so eskalieren, wie er in einem Interview mit PNP.de erklärte. „Er hat sich entschieden, die Temperatur nicht herunterzufahren, sondern noch zu erhöhen. Er sucht den Konflikt mit Macron und Frankreich und heizt ihn weiter an. Natürlich hat er nicht direkt zu Gewalttaten aufgerufen, aber zu einem politischen Klima beigetragen, das zu den Anschlägen geführt hat. Erdogan trägt eine indirekte Verantwortung für diese Konfrontation“, sagt der Experte. Es sei Kalkül, sich so zu äußern und dadurch die eigene Stellung in Teilen der muslimischen Welt zu erhöhen.

Auch in Deutschland hält Neumann Anschläge für möglich. „Es gibt in Deutschland immer noch mehr als 600 islamistische Gefährder“, sagt er. Mehr als 100 von ihnen seien auf freiem Fuß. Der Fokus liege zwar aktuell auf Frankreich, wo der Laizismus, also die Einstellung, Staat und Kirche müssten streng getrennt sein, besonders robust und aggressiv sei: „Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht auch mit Anschlägen rechnen müssen, etwa auf französische Einrichtungen in Deutschland. Die Gefahr ist nach wie vor groß. Die Konsequenz des Terrors ist nicht nur physisch. Es geht um Einschüchterung. Das sind keine normalen Morde“, erklärt er. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital Redaktionsnetzwerks.

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