Kommentar: Mit Vorsicht zu genießen

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Michel

Die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage lassen aufhorchen: 61 Prozent der Bundesbürger würden für den Ausbau erneuerbarer Energien einen höheren Strompreis in Kauf nehmen. Und: Immerhin 54 Prozent stehen dem Ausbau von Windparks in ihrer direkten Nachbarschaft positiv gegenüber. Von Siegfried J. Michel

Sollten diese hohen Prozentzahlen ihre Richtigkeit haben, so würde dies bedeuten, dass eine Mehrheit gewillt ist, für die Energiewende und den Schutz der Umwelt Opfer zu bringen - dies wäre gut.

Allerdings kommen doch Zweifel auf, ob da nicht eine ganze Reihe der Befragten reine Lippenbekenntnisse von sich gegeben hat, um nicht als Umweltschutz- und Energiewende-Muffel dazustehen. Fraglich ist, ob den 61 Prozent folgendes wirklich klar war: So geht die Deutsche Energie-Agentur (dena) davon aus, dass die Strompreise aufgrund der Energiewende bis 2020 um 20 Prozent steigen werden. Das ist ein dicker Brocken, den - wenn es so weit ist - wohl nicht eine Mehrheit einfach klaglos schlucken dürfte.

Und beim Thema Windräder hat sich in der Vergangenheit oft genug gezeigt, dass zwar viele prinzipiell für den Ausbau der Windkraft sind - aber eben doch nicht in Sichtweite des eigenen Grundstücks. Gleiches ist ja auch dort zu beobachten, wo neue Hochspannungs-Masten aufgestellt werden. Auch in diesem Bereich hat es immer wieder erbitterten Widerstand von Bürgern gegeben, die ihre Gesundheit gefährdet sehen.

Wenn wir weg von der Atomkraft und hin zur Energiewende wollen, dann ist der Ausbau des Stromnetzes aber unabdingbar. Doch schon im vergangenen Herbst warnte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth: „Sollten sich alle Bürgerproteste gegen den Bau neuer Stromtrassen durchsetzen, können sie die Energiewende zu den Akten legen.“ Es sei ein Widerspruch in sich, für die Abschaltung von Atomkraftwerken und gleichzeitig gegen den Ausbau des Stromnetzes zu sein.

So ist die Umfrage mit Vorsicht zu genießen. Die wirkliche Einstellung der Bürger wird sich erst zeigen, wenn es in Sachen Energiewende zum Treueschwur kommt.

Quelle: op-online.de

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