Enttarnt mit Indizienkette

Der Keim-Krimi strebt dem Finale zu. Und wie in jedem echten Thriller war es nicht der schnelle Beweis, sondern die berühmte Indizienkette, die den Übeltäter am Ende enttarnte.

Im Fall EHEC kam man den Sprossen auf die Spur, weil sie jene Schnittmenge bildeten, die sämtliche „Tatorte“ miteinander verband. Ein höchst kompliziertes Szenario also, das schlaglichtartig die verzwickte Arbeit der Seuchen-Kriminalisten aufzeigt – und das Dilemma, in dem Forschung und Politik stecken.

Erstens: Da es bei den meisten EHEC-Ausbrüchen der vergangenen Jahre erst gar nicht gelang, den Infektionsherd zu ermitteln, war es schlicht unredlich, den Forschern mangelnde Effektivität vorzuwerfen.

Zweitens: Den Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ im Fall EHEC zur Richtschnur politischen Handelns zu erheben, statt beim ersten Verdacht öffentlich zu warnen, wäre einem zynischen Spiel mit Menschenleben gleichgekommen – wie ungerecht das den bedauernswerten Gurkenzüchtern auch erscheinen mag.

Drittens: Die lautstarken Rufer nach einer zentralen Bundesbehörde mögen sich bitte einmal an das Schicksal des Bundesgesundheitsamts erinnern, das 1994 im Zuge des HIV-Blutkonserven-Skandals wegen erwiesener Unfähigkeit zerschlagen wurde.

Richtig bleibt dennoch, dass es reichlich lange gedauert hat, bis das Robert-Koch-Institut seine Detektivarbeit aufnahm. Und dass es Koordinationsmängel zwischen Bund, Ländern und Experten gab. Darüber wird nach dem Ende der EHEC-Epidemie noch zu reden sein.

Davon abgesehen muss man sich leider eingestehen, dass unsere Zivilisation auch künftig keine absolute Sicherheit vor tückischen Bakterien zu schaffen vermag, den ausgeklügelten Lebensmittelgesetzen und der hochgerüsteten Medizin zum Trotz. Der zeitweilige Verzicht auf verdächtige Lebensmittel zeugt also nicht von „Panik“, sondern von jener ganz normalen gesunden Vorsicht, die aus guten Gründen fest in der menschlichen Natur verankert ist.

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Quelle: op-online.de

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