Kommentar: Euro vor der Feuertaufe

Wirklich beunruhigend ist, dass bisher offensichtlich alle Versuche, den Euro wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen, nicht oder nur für einen kurzen Zeitraum fruchten. Von Siegfried J. Michel

Kaum war dem knapp vor dem Staatsbankrott stehenden Griechenland wenigstens einigermaßen aus seinem schlimmen Schlamassel herausgeholfen worden, da beutelt es schon den nächsten Krisen-Kandidaten - Irland.

Doch schon jetzt lässt sich absehen, dass dies noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist. Nur wenige Stunden zeigte die Anti-Panik-Pille „Rettungsschirm für Irland“ - verabreicht von der EU, den Euro-Ländern und dem Internationalen Währungsfonds - Wirkung an den Finanzmärkten. Schlimmer noch: Das Misstrauen der Banker, Börsianer und Investoren ist sogar weiter gewachsen, die Risikoaufschläge für Anleihen finanzschwacher Staaten stiegen deutlich. Der Buschbrand der Euro-Krise ist also längst nicht gelöscht, die Währung steht vor eine Feuertaufe - mit ungewissem Ausgang.

Hilfen könnten sich auf knapp 100 Milliarden Euro belaufen

Längst schon haben die Finanzmärkte mit Portugal und Spanien die nächsten Länder in Schieflage im Blick. Beim kleinen Inselstaat Irland heißt es, die notwendigen Hilfen könnten sich auf bis zu knapp 100 Milliarden Euro belaufen. Wenn Portugal und Spanien als nächste Figuren im Monopoly der Finanzmärkte in die Kipplage kommen, dann dürfte der Rettungsfonds, der einen Umfang von 750 Milliarden Euro hat, wohl nahezu seine Grenzbelastung erreichen.

Das Fatale ist, dass die Politiker nicht mehr wirklich das Heft des Handelns in der Hand haben. Sie reagieren nur noch. Den Taktschlag geben vielmehr die Finanzmärkte vor. Und es zeigt sich auch, dass sich zwei Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre jetzt bitter rächen: Dies ist die Politik des ewigen Schuldenmachens und Lebens auf Pump vieler Staaten. Und es ist die Folge von deregulierten Finanzmärkten, denen man die Leinen so lockerte, dass es ihnen möglich war, mit hochspekulativen und riskanten Geschäften die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrundes zu bringen. Zu befürchten ist vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen, dass die Erholung der Wirtschaft nur ein Strohfeuer ist und die wahre Bewährungsprobe des Systems erst noch bevorsteht.

Quelle: op-online.de

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