US-Wahl

Extrem knappes Rennen ums Oval Office

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 Der leere Schreibtisch von Präsident Obama im Oval Office im Weißen Haus in Washington (Archivbild).

Washington - Einer wird gewinnen - aber wer? Nach einem 17 Monate langen Marathon haben die US-Wähler das Wort. Die Kandidaten legen sich noch einmal ins Zeug. Aber es wird extrem knapp.

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Am Ende gaben die Kandidaten noch mal alles. Als käme es darauf an, Vielfliegermeilen zu sammeln, jetteten US-Präsident Barack Obama und Mitt Romney von Swing State zu Swing State, von Sporthallen zu Flugzeughangars, von Marktplätzen zu Parkanlagen. Manchmal kreuzten sich ihre Wege, hätten sie sich fast aus ihren Flugzeugen zuwinken können. Denn ihre Ziele waren dieselben: Die weniger als ein Dutzend Staaten mit gerade mal gut 20 Prozent der Bevölkerung, in denen sich entscheiden wird, wie der nächste Präsident der USA heißt.

Fast war es so, als existierte der große Rest der Nation in diesen Stunden vor der Entscheidung nicht mehr. „Die Tür zu einem besseren Ort ist offen. Geh mit mir hindurch, Iowa“, so Romney. „Ich bin nicht müde, ich habe noch Kampfeslust in mir. Kämpfe mit mir, Ohio“, so Obama. „Es ist die falsche Zeit, sich auszuruhen. Wir sind fast am Ziel, New Hampshire“, sagt der Republikaner. „Haltet noch ein bisschen durch. Jede Stimme zählt, Wisconsin“, sagt der Demokrat.

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Die Stimmen werden zunehmend rauer vom vielen Reden, vor allem bei Obama, der zwischendurch ja auch noch mit seinen Beratern im Weißen Haus die Regierungsgeschäfte koordiniert, etwa die weitere Reaktion auf den Sturm „Sandy“. Auch die Gesichter sehen immer müder aus, aber das Strahlen für die Wähler bleibt. Anders können es sich beide nicht erlauben, Fünf vor Zwölf in einem derart knappen Rennen, wie es nur selten in der Geschichte der USA vorgekommen ist.

Es ist ein Phänomen dieses Wahlkampfes. Etwa drei Milliarden Dollar wird das Rennen laut „Washington Post“ verschlungen haben, wenn am Dienstagmorgen um 5.00 Uhr Ortszeit als erstes die Wahllokale in Vermont geöffnet haben. Aber geändert hat der ganze Aufwand praktisch nichts an der Dynamik, die diese Wahlsaison von Anfang an bestimmte.

Hier ist Obama, belastet mit einer schwächelnden Wirtschaft und hoher Arbeitslosigkeit, ein Präsident, der nach seinem Antritt als Hoffnungsträger des Wandels auch viele eigene Wähler enttäuscht hat - aber immer noch eine Inspiration für viele ist. Und da ist Mitt Romney, der seinen Wahlkampf über weite Strecken als Anti-Obama bestritt, reich an Attacken, eher arm an Details über sein eigenes Programm. Er legt deutlich zu an Selbstbewusstsein in diesen Wahlkampfmonaten, die Basis erwärmt sich zusehends für ihn.

US-Wahlkampf in Schnappschüssen

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Und so hat sich denn schon frühzeitig jene Konstellation zementiert, die einfach nicht aufbrechen will, auch in diesem Endspurt nicht. US-weit in der Wählergunst praktisch gleichauf, mit Vorteilen für Obama in den besonders umkämpften „Battleground States“. Wer immer am Ende gewinnt, so scheint es, wird seinen Sieg mühsam herausgequetscht haben, irgendwo aus dieser „halsstarrigen Landschaft“, wie es etwa die „New York Times“ formulierte.

Beide Seiten zeigen sich nach außen hin optimistisch. Aber nach Medienberichten räumen Romney-Berater ein, dass sie eigentlich erwartet hätten, dass ihr Kandidat mit einer besseren Ausgangsposition in den Wahltag geht. War es der Sturm „Sandy“, der Romneys Aufschwung stoppte, weil er Obama die Gelegenheit gab, sich als Landesvater und Krisenmanager zu zeigen? Karl Rove etwa, der berühmt-berüchtigte Stratege im Weißen Haus zu Zeiten von George W. Bush, sagt schon jetzt offen, dass Obama von „Sandy“ profitiert habe.

Wird da schon eine Erklärung vorbereitet, für den Fall einer republikanischen Niederlage? Sollten die Demokraten das glauben, hüten sie sich, es laut zu sagen. Viel zu knapp sieht es in vielen der Swing States aus, um auch nur an Schampus in der Wahlnacht zu denken. „Die Demokraten werden die letzte Nacht genauso verbringen wie die Republikaner“, sagte Experte David Gergen beim Sender CNN voraus. „Sie werden auf die letzten Umfragen blicken, zählen und zählen, rechnen und rechnen. Es wird für alle eine unruhige Nacht.“

Das sind Republikaner und Demokraten

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Sicher auch für die Kandidaten selbst, trotz aller Strapazen. Wenn Romney am Montagabend in sein Bett im heimischen Boston gefallen ist, dann liegen Blitzbesuche in acht Staaten binnen drei Tagen mit vielen Zwischenstopps hinter ihm. Obama wird elf solcher Touren hinter sich haben, wenn er am Dienstagmorgen in seinem Haus in Chicago aufwacht. Dabei hatten Beide zusätzlich zum Finale noch ein Großaufgebot an namhaften Mitkämpfern eingesetzt. So brachte es Ex-Präsident Bill Clinton bis zum Montag auf 38 Wahlkampfeinsätze für Obama. Bei einem Einsatz in Virginia am Wochenende traten sie zusammen auf. Die Massen jubelten - einmal mehr wurde klar: Hieße Romneys Gegenkandidat Bill Clinton, hätte der Republikaner die Wahl wohl schon verloren.

Von Gabriele Chwallek

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