Integrationsdebatte

Kommentar: Falscher Ansatz

Wenn politische Debatten in ritualisierte Wortgefechte münden, droht die Lösung des zugrunde liegenden Problems zweitrangig zu werden. Von Lutz Kämpfe

Beispiel Integration: Wer sich als Politiker auch nur in die Nähe Sarrazinischer Thesen wagt, kann sich der reflexartigen Gegenrede nicht zuletzt aus dem Multikulti-Lager sicher sein. So erging es auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, die auf einen augenfälligen Zusammenhang zwischen muslimischer Religionszugehörigkeit, Machotum und Gewaltbereitschaft meinte hinweisen zu müssen - auch wenn eine Studie ihres eigenen Ministeriums so ziemlich das genaue Gegenteil besagt. Danach gibt es den Zusammenhang zwischen Religionszugehörigkeit und Gewaltbereitschaft nämlich so gar nicht.

Mancher Beobachter wertete denn auch die relativierenden Äußerungen der Ministerin als den Versuch, einem persönlichen Mangel abzuhelfen und sich mit etwas mehr Volkstümlichkeit zu umgeben. Dem sei hier nicht widersprochen. Der Suche nach einem besseren Zusammenleben hierzulande allerdings – und darum sollte es doch gehen – täte eine versöhnlichere Debattenkultur wohler.

Damit ist nicht gemeint, Straftäter milde zu behandeln. Aber anstatt dauernd mit deren religiösem Hintergrund zu spekulieren, sollte man sich lieber fragen, ob in der Strafverfolgung dieses Landes nicht etwas grundsätzlich schlecht läuft - besonders dort, wo sich viele Unterprivilegierte ballen.

Quelle: op-online.de

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