Flüchtlingsdrama in Libyen: USA prüfen Militäroptionen

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Das Flüchtlingsdrama in Libyen hat biblische Ausmaße angenommen.

Tripolis - Berichten zufolge handelt es sich um ein Flüchtlingsdrama von biblischem Ausmaß: Während tausende versuchen, aus Libyen zu fliehen, planen USA und EU weitere Schritte.

Truppen des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi versuchen, verlorenes Terrain zurückzugewinnen: Am Mittwoch lieferten sie sich mit Aufständischen heftige Kämpfe um die Öl-Stadt Al-Brega im Osten des Landes. Gaddafi kündigte an, er wolle bis “zum letzten Mann und zur letzten Frau“ kämpfen, um sein Land zu verteidigen. Das sagte er am Mittwoch in einer Ansprache an seine Anhänger. Die Rede wurde vom US-Fernsehsender CNN übertragen. Während Gaddafi sich von seinen Anhängern in Tripolis feiern ließ, versuchten weiterhin Tausende, aus dem Land zu fliehen.

Das Flüchtlingsdrama wird bereits mit dem Begriff “Exodus“ beschrieben. Die EU hat mittlerweile die Soforthilfe für Flüchtlinge aus Libyen auf zehn Millionen Euro verdreifacht. “Die Lage erfordert eine Antwort der internationalen Gemeinschaft“, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Mittwoch in Brüssel und sprach von einer “humanitären Katastrophe“

An der libysch-tunesischen Grenze wurden am Mittwoch erneut mehrere tausend Flüchtlinge erwartet. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bemühte sich, Zelte in der Grenzregion aufzubauen. Die türkische Regierung hat bislang bereits mehr als 21 500 Menschen aus Libyen herausgeholt. Darunter seien vor allem türkische Staatsbürger, aber auch fast 3000 andere Ausländer, zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch den Krisenstab in Ankara.

Blutige Proteste in Libyen

Blutige Proteste in Libyen

Die USA prüfen inzwischen weiter militärische Optionen. Verteidigungsminister Robert Gates äußerte sich aber skeptisch zur Einrichtung einer Flugverbotszone.

In der al-Brega - im Sirte-Becken westlich der von Aufständischen eingenommenen Stadt Adschdabija - dauerten die Kämpfe am Mittwochmittag an. Gaddafi-treue Truppen hatten den Flughafen der Stadt bereits am Dienstagabend angegriffen. Medienberichte, wonach die Soldaten das Flugfeld unter ihre Kontrolle gebracht hätten, wurden von den Aufständischen zurückgewiesen.

Aus gut informierten Kreisen in Tripolis hieß es, Gaddafis Truppen “umzingelten“ al-Brega. Über der Stadt würden Kampfflugzeuge kreisen. Luftangriffe habe es zunächst aber nicht gegeben. Dies werde wegen der Öl-Anlagen als zu gefährlich eingestuft, hieß es in der Hauptstadt. Al-Brega verfügt über einen Öl-Hafen und eine Raffinerie.

US-Verteidigungsminister Gates hält ein militärisches Eingreifen in Libyen derzeit kaum für möglich. Es gebe keine Übereinkunft mit der Nato über einen Einsatz von Militär, sagte er am Dienstag in Washington. Die USA wollten nicht in einen Krieg im Nahen Osten ziehen. Der Pentagonchef bekräftigte zwar, dass die USA eine Reihe von Militäroptionen prüften. Es sei aber noch keine Entscheidung gefallen.

 dapd/dpa

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