USA fordern in aller Schärfe Rücktritt Assads

Washington - Die US-Regierung hat nach Berichten über neue Blutbäder in Syrien in seltener Schärfe den Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad verlangt und noch stärkeren Druck angedroht.

Soldaten des syrischen Regimes haben nach Angaben von Aktivisten bei einem Großangriff auf eine Ortschaft im Norden des Landes mindestens 100 Menschen getötet. Bei den Opfern habe es sich ausschließlich um unbewaffnete Zivilpersonen gehandelt, hieß es am Mittwoch. Auch in anderen Teilen des Landes kamen Berichten zufolge wieder mehrere Menschen ums Leben. International wurde das Vorgehen der Regierung von Präsident Baschar Assad erneut scharf kritisiert.

Die Offensive gegen das Dorf Kfar Owaid sei ein “organisiertes Massaker“ gewesen, sagte Rami Abdul-Rahman von dem in London ansässigen Syrischen Observatorium für Menschenrechte. Die Truppen hätten die Einwohner des Ortes am Dienstag umstellt und sie dann alle getötet. Aktivisten der Örtlichen Koordinationskomitees bestätigten die Angaben. Der Übergriff wäre einer der blutigsten seit Beginn der Unruhen vor etwa neun Monaten. Von unabhängiger Seite konnten die Berichte allerdings nicht überprüft werden.

Es sei “nicht hinnehmbar“, dass so viele Menschen getötet würden, selbst nachdem das Assad-Regime einem Friedensplan der Arabischen Liga zugestimmt habe, sagte am Mittwoch der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu. Er hoffe sehr, dass “das Massaker bald ein Ende nehmen“ werde. In einer Mitteilung der US-Regierung hieß es, Assad verdiene es nicht zu regieren. Das Regime habe keine Glaubwürdigkeit und sein Versprechen, die Gewalt zu beenden, “schamlos gebrochen“.

Entsetzen über Gewalt auch in Berlin

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, bezeichnete auch die Berichte über Massenexekutionen von syrischen Deserteuren als erschütternd. “Ich verurteile die exzessive Gewaltanwendung durch das syrische Regime aufs Schärfste“, sagte Löning am Mittwoch in Berlin. Es sei schauderhaft zu sehen, wie sich Assad und seine Helfer an die Macht klammerten “und den Wunsch der syrischen Bevölkerung nach Würde und Freiheit mit Füßen treten“.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verlängerte am Mittwoch den Einsatz einer UN-Friedenstruppe an der syrisch-israelischen Grenze. Das Gremium warnte nach der einstimmigen Entscheidung zugleich, dass die Entwicklungen in der Region sich auch auf die Mission mit etwa 1.000 Blauhelmen auswirken könnten. Die UN schätzt, dass bei den Unruhen in Syrien seit dem Frühjahr mindestens 5.000 Menschen getötet wurden.

dpa

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